Online-Kampfzone: Der Gaza-Krieg im Web

Es ist längst Fakt: Durch Twitter, YouTube und andere Social-Media-Quellen ist das Web bei Krisen längst schneller in der Berichterstattung, als TV. Aktuelles Beispiel ist der Gaza-Krieg. Doch welches Twitter-Posting ist wahr und welchem YouTube-Clip darf man glauben schenken? Sowohl die israelische Armee, als auch die Hamas posten ihre Bilder des Krieges. Neue Aggregatoren wie Crisiswire fassen alle Quellen zusammen und wollen so einen umfassenden Überblick bieten.

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Mit seiner Online-Medienoffensive hat Israel eine neue Front im Krieg gegen die Hamas aufgemacht. Täglich zeigen die israelischen Militärs auf Youtube neue Bilder von einschlagenden Raketen in Gaza. Die Ziele werden alle der radikalen Hamas zugeschrieben. Was einem geboten wird, sind ausgewählte Bilder eines mit chirurgischer Präzision geführten Krieges. Auf der anderen Seite senden arabische Nachrichtensender etwa al-Dschasira Bilder von getöteten palästinensischen Kindern und verstümmelten Opfern der Bombardements der israelischen Luftwaffe. In dem Konflikt sind die Medien, gleich ob Online, TV oder Print, längst strategische Waffen, um die Moral im eigenen Lager aufrecht zu erhalten.

Als sich Israel vor zwei Jahren im Krieg mit der Hisbollah im Libanon befand, wurde die Welt mit Gräuel-Bildern aus Beirut überflutet. Das weltweite Ansehen Israels schwand, zumal die Offensive damals jeglicher völkerrechtlicher Legitimation entbehrte. Jetzt schießt Israel im Medien-Krieg zurück, mit Real-Time-Berichterstattung: „Die Blogosphäre und neue Medien sind eine weitere Kriegszone“, sagte Major Avital Leibovic von der Medienabteilung der israelischen Streitkräfte.

Das israelische Konsulat in New York hat dafür eigens einen Twitter-Channel eingerichtet, der inzwischen weit über 3.000 Follower hat. Hier finden zeitnahe kritische Diskussionen statt mit zahlreichen Links zu Presse-Artikeln und Videos. So kommt man beispielsweise mit zwei Mausklick zu einem Video, das ein Ambulanz-Fahrzeug der UN zeigt, das maskierte bewaffnete Männer (mutmaßliche Terroristen) aus der Gefahrenzone fährt. Das Problem: Die Aufnahme ist offenbar aus dem Jahr 2004 und angeblich von der Nachrichtenagentur Reuters. Der Betrachter erfährt allerdings nichts Genaues über die Szenerie.

Dieses Beispiel zeigt: Twitter und anderen Social-Media-Quellen fehlt ein Filter, um Information von Desinformation zu trennen. Ein Problem, dass auch der neue Kriesen-Aggregator Crisiswire nicht lösen kann. Das Protal versucht jedoch, möglichst alle Quellen zu berücksichtigen und so einen umfassenden Überblick zu bieten.

Das Portal bündelt Informationen aus Twitter, Google Maps, Nachrichtenfeeds von klassischen News-Seiten, Blogpostings, Videos und Fotos. Die gesammelten Inhalte werden allerdings nicht redaktionell ausgesucht, sondern von Usern gepostet. So soll die Seite in Krisenzeiten zu einem Treffpunkt und einer Sammelstelle für alle relevanten Nachrichten werden. Dem Initiator Nate Ritter geht es mit dieser Plattform um eine minutenaktuelle Berichterstattung. In seiner Rezension über Crisiswire schrieb Mashable: „Wäre die Welt perfekt, bräuchten wir niemals Seiten wie CrisisWire.“

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