Internet: Zehn Überraschungen in 2009

Alle Jahre wieder blickt die Welt gebannt in die Glaskugel: Was mag das neue Jahr wohl bringen? MEEDIA hat sich in der amerikanischen Internetlandschaft umgesehen und hält folgende Szenarien nicht für ausgeschlossen: Ein Computerveteran könnte zurücktreten, ein großer Smartphone-Hersteller übernommen werden, ein Dot.com-Unternehmen in den US-Leitindex Dow Jones aufsteigen – und die vielleicht beste Zeitung der Welt nur durch eine Investoren-Legende vor dem Gläubigerschutz gerettet werden...

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Was wäre eigentlich wenn? Diese Frage wird zum Start des neuen Jahres unendlich oft diskutiert. Am Ende jedoch, das weiß man spätestens seit Wilhelm Busch, entwicklen sich viele Dinge dann doch ganz anders: „Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt“, lautet eine viel zitierte Binsenweisheit.

Grund genug also, um einmal darüber nachzudenken, wie überraschend  anders das Jahr 2009 verlaufen könnte, als man es heute erwartet. Bei den nachfolgenden zehn Überraschungen handelt es sich also nicht um Prognosen, sondern um mögliche Szenarien, die nach der gegenwärtigen Marktmeinung eher unwahrscheinlich erscheinen – und gerade deshalb eine Überlegung wert sind.

10. LinkedIn betritt endlich den deutschen Markt
 
Tatsächlich: Jahre nach den Ankündigungen, auch in der Bundesrepublik präsent sein zu wollen („Xing hat schon viele Leute in Deutschland für uns trainiert“, so Konstantin Guericke), launcht LinkedIn tatsächlich doch noch eine deutsche Version – die allerdings zum Flop gerät.  Kaum 50.000 User verirren sich bis Jahresende auf  dem deutschen Angebot des Xing-Herausforderers. Wer zu spät kommt…

 
9. Facebook verkauft weitere Anteile an Microsoft – News Corp. will MySpace loswerden

Dem Web 2.0-Hype folgt die Ernüchterung. Auch 2009 boomen Social Networks, doch eine Monetarisierung des user generated contents lässt weiter auf sich warten. YouTube verliert weitere Major Labels, MySpace seine Konzernmutter – nämlich News Corp. die Geduld. Rupert Murdoch stellt MySpace schließlich um Verkauf: Google zeigt Interesse, befürchtet aber kartellrechtliche Bedenken.

Facebook muss unterdessen erkennen, wie schnell sich binnen 18 Monaten die Marktpreise ändern können: Unter dem Druck steigender Kosten veräußert das kalifornische Startup weitere 18,4 Prozent der Firmenanteile an Microsoft – diesmal allerdings nur noch für 450 Millionen Dollar. Auf Basis des Deals wird Facebook  nunmehr mit 2,5 Milliarden Dollar bewertet.      

8. Fusion Amazon-eBay scheitert

Ohne Firmengründerin Meg Whitman gerät das Online-Auktionshaus immer weiter ins Schlingern. Investoren drängen eBay zur Fusion mit dem inzwischen höher bewerteten E-Commerce-Konkurrenten Amazon, die tatsächlich einer Übernahme gleichkommt. Jeff Bezos, der sich auch in der Krise weiter über zweistellige Wachstumsraten freuen kann, soll das fusionierte Unternehmen als CEO leiten. Doch die Verhandlungen scheitern im Frühstadium an den unterschiedlichen Bewertungsvorstellungen eBays.      

7. Apple-CEO Steve Jobs kündigt Rücktritt an

Plötzlich steht die Welt still in Cupertino. Apple-Gründer Steve Jobs verkündet das, was seit Jahren über dem iPhone-Hersteller wie ein dunkler Schatten schwebt – seinen Rücktritt. Er werde zum Ende des laufenden Geschäftsjahres sein Amt als CEO niederlegen, erklärt Jobs im Frühjahr. Obwohl Jobs bekräftigt, weiter dem Unternehmen als Chef des Aufsichtsrats und beratend zur Verfügung zu stehen, ist die Trauer unter Apple-Aficionados grenzenlos. Zur Verkündung der nächsten iPhone-Generation im Frühsommer tritt Jobs noch ein letztes Mal auf die Bühne und wird von minutenlangen Standing Ovations zu Tränen gerührt.

6. RIM gerät in Übernahmespekulationen

Trotz Finanzmarkt- und Kreditkrise bahnt sich eine Großübernahme im Technologiesektor an. Der Blackberry-Hersteller Research in Motion setzt trotz der erwachsenden Konkurrenz von Apples iPhone und Googles G1 seinen Wachstumskurs fort – und weckt angesichts des deutlich ermäßigten Kursniveaus Übernahmefantasien. Nokia und Samsung bieten schließlich für RIM. 

5. Blackberry-Gate erschüttert die Obama-Administration

Nicht die Wirtschaft, sondern ein Smartphone stürzt den frisch gewählten Präsidenten in die erste Regierungskrise. Präsident Obama kann es nämlich offenbar nicht lassen: Auch im Weißen Haus findet der Blackberry angeblich regen Einsatz. Dann passiert das vermeintlich Unfassbare: Hacker wollen Obamas Mailkonto gehackt haben, eine aufgeregte Diskussion über Datensicherheit im Internet beherrscht über Tage das sommerliche Washington. Als Neokonservative bereits Kenneth Starr und ein Amtsenthebungsverfahren auf den Plan rufen wollen, kommt heraus: Es handelt sich um den Blackberry einer Praktikantin.

4. Nicht das Internet, sondern Buffett rettet die „New York Times“

Sie gilt als die vielleicht  „beste Zeitung der Welt“ – doch für diese Ehre kann sich die New York Times nichts kaufen. Der Schuldenstand von mehr als einer Milliarde Dollar ist in Zeiten der Kreditklemme eine zu hohe Bürde: Tafelsilber wie das Online-Portal About.com wird am Ende weit unter dem Einkaufspreis von 410 Millionen Dollar angeboten und findet doch keinen Käufer. Auch die Einführung eines zahlungspflichtigen Modells für die beliebte Online-Ausgabe kommt zu spät: Als die „Grey Lady“ kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht, schlägt die Stunde des weißen Ritters in Gestalt von Warren Buffett, der in einem „Firesale“ zu einem Schnäppchenpreis von 1 Dollar je Aktie die Mehrheit übernimmt.

 3. Microsoft kauft Yahoo – für 8 Dollar je Aktie

Überraschung, Überraschung: Die unendliche Übernahme-Posse um Yahoo endet doch noch versöhnlich – für Microsoft. Das auch 2009 wertvollste Software-Unternehmen der Welt macht dem kriselnden Internetportal schließlich eine neue Offerte. Die liegt jedoch mehr als 75 Prozent unter dem letzten Angebot, aber immer noch 50 Prozent über dem dann aktuellen Kurs, der durch die Verschärfung der Krise aus dem US-Werbemarkt weiter unter Druck geraten ist. Entnervt stimmen Yahoo-Anteilseigner schließlich zu.

2. US-Wirtschaft erholt sich, Tech- und Internetaktien haussieren

Früher als erwartet erreicht die US-Konjunktur ihre Talsohle. Anders als Europa und Asien, wo Notenbank und Politik zu lange gezögert haben, greifen in Corporate America die Rettungsmaßnahmen der Federal Reserve und Obama-Administration. Die US-Wirtschaft wächst ab dem vierten Quartal wieder – die Börse nimmt die Entwicklung mit einer breit angelegten Rallye im zweiten Halbjahr vorweg. Vor allem die zyklische Technologiebranche führt die Kurserholung an.

1. Google steigt in den Dow Jones auf

Fünf Jahre nach dem Börsengang ist es so weit. Für den taumelden US-Traditionsautobauer General Motors, dessen Aktie sich rapide dem Penny Stock-Niveau nähert, steigt die Internetsuchmaschine in den wichtigsten Aktienindex der Welt auf. Die Anteilsscheine der Google-Aktie erholen sich nachhaltig von ihren Vorjahrestiefs – das Unternehmen wird wieder mit mehr als 100 Milliarden Dollar bewertet. Google ist das erste Dot.com-Unternehmen, das es in den begehrten US-Blue-Chip-Index schafft.      

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