Die größten Dot.com-Verlierer 2008

2008 wird als das Jahr der großen Krise in die Geschichtsbücher eingehen. Auch die globale Internetwirtschaft geriet in den Abwärtssog, der durch die Finanzmarktkrise ausgelöst wurde. Vor allem einige etablierte Player sowohl der 1.0- als auch 2.0-Ära bekleckerten sich nicht gerade mit Ruhm. Für ein großes Internetportal, ein weltbekanntes Online-Auktionshaus, zwei reichweitenstarke Social Networks und vor allem Besitzer von Internet- und Technologieaktien verlief 2008 nicht wie gewünscht.

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5. Verlierer: MySpace

Für lange Zeit war es die große Erfolgsstory der Web 2.0-Ära: MySpace, der Inbegriff der Social Networks. Als Medientycoon Rupert Murdoch 2005 580 Millionen Dollar für das Web-Angebot überwies, schüttelte die Branche noch den Kopf. Doch am Ende hatte Murdoch wieder einmal die Lacher auf seiner Seite: MySpace boomt und lockte bald Google als exklusiven Werbevermarkter an.  900 Millionen  Dollar Umsatz kann das Social Network wohl in diesem Jahr verbuchen – so viel wie kein zweites Web 2.0-Angebot.

Und doch scheint es so, als könnte MySpace die besten Tage bereits hinter sich haben: Bei Vorlage der Quartalszahlen von Mutterkonzern News Corp wurden auch Bremsspuren in MySpaces Bilanz erkennbar: Das Wachstum verlangsamte sich – im dritten Quartal blieben die Umsätze hinter dem vorigen Dreimonatszeitraum zurück. „Wir sind vorsichtig optimistisch, dass unser Geschäft weiter wachsen kann“, wurde CEO und Mitgründer Chris DeWolfe unterdessen zuletzt kleinlaut zitiert.   

Schwerwiegender als gewisse Blessuren im Zuge der weltweiten Werbekrise dürfte indes ein übergreifender Paradigmenwechsel sein, der sich in der Internetlandschaft abzeichnet.  Mitte des Jahres überholte Herausforderer Facebook MySpace erstmals nach den eindeutigen Benutzern (Unique Visitors).

„MySpace hat ein Problem“, erkennt dann sogar Murdoch-Biograph Michael Wolff gegenüber dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin „Businessweek“ freimütig an –  „und dieses Problem heißt Facebook.“

Warum sich immer mehr Nutzer für das weitaus authentischere Facebook entscheiden, bei dem Nutzer ihre echten Namen angeben, während bei MySpace gern Pseudonyme gewählt werden, erklärt der Starjournalist in unnachahmlicher Manier: „Wer heute auf MySpace ist, ist entweder ein Idiot – oder schlichtweg arm dran. Niemand mit einem höheren Bildungslevel als dem eines Achtklässlers treibt sich dort herum. Es ist eine Seite für zurückgebliebene Leute.“ Wer möchte da schon dazugehören?

4. Verlierer: YouTube

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass YouTube die Herzen der Webwelt im Sturm eroberte. Maßgeblichen Erfolg hatte nicht zuletzt ein mädchenhaftes Gesicht, das Internet-Nutzer rund um den Globus faszinierte – Jessica Rose alias Bree alias lonelygirl15.

So schien modernes Fernsehen zu funktionieren: Halbwegs authentische Selbstinszenierungen – oder solche, die danach aussehen – im 3-Minuten-Format ins WWW pusten, und schauen, was passiert. Und wenn das zu anstrengend war, blieben immer noch die unzähligen Schnipsel aus Film, Sport und Musik, die sich schnell immer größerer Beliebtheit erfreuten.

1,6 Milliarden Dollar zahlte Google auf der Spitze der YouTube-Euphorie im Herbst 2006. Monetarisieren ließ sich das Investment indes bis heute nicht. „In den vergangenen Monaten haben wir viel gelernt, was bei unseren Nutzern und Werbekunden ankommt und was nicht“, ließ das höchst bewertete Internet-Unternehmen der Welt zur Jahresmitte wissen. Freie Übersetzung des PR-Sprechs: Die Dinge laufen weitaus mieser als erwartet.

Geschätzte 200 Millionen Dollar wollte Google dieses Jahr mit YouTube umsetzen – das war vor der Finanzmarktkrise. Weil sich die Erlöse zu enttäuschend entwickelten, ziehen Partner unterdessen bereits den Stecker. Warner Music verkündete kurz vor Weihnachten überraschend den sofortigen Rückzug – die Videos von Künstlern wie Madonna, R.E.M. oder den Red Hot Chili Peppers wurden umgehend gelöscht, weil die generierten  Werbeerlöse zu gering ausfielen. Erfolg ist etwas anderes.

3. Verlierer: eBay

3,2,1 – vorbei!  Die goldenen Tage des Onlineauktionshauses scheinen so unwiderrufbar der Geschichte anzugehören wie die letzte Hausse am Aktienmarkt. Bei splitbereinigten 60 Dollar notierte die eBay-Aktie noch vor vier Jahren auf einem Allzeithoch – gerade mal 13 Dollar werden in diesen Krisentagen dagegen noch bewilligt.  

Dabei galt das weltgrößte Onlineauktionshaus lange Zeit als prädestinierter Krisengewinner.  „Wir sind zu einem gewissen Maße rezessionssicher“, freute sich eBay-Gründerin Meg Whitman noch im ersten Bärenmarkt zu Beginn des Jahrzehnts.

Davon ist nicht mehr viel geblieben: Whitman erklärte zu Jahresbeginn ihren Rücktritt just in dem Augenblick, in dem die Konjunktur kippte. Zuletzt musste der Dot.com-Pionier einen schwachen Ausblick nach dem anderen herausgeben – und zusehen, wie E-Commerce-Konkurrent Amazon beim Wachstum und nach der Marktkapitalisierung an eBay vorbeizog.

2. Verlierer: Yahoo

So leid es einem für das sympathische Internetportal tut – aber der eigentliche Verlierer des Internetjahres kann nur Yahoo heißen. Obwohl so 1.0 wie wohl kein anderer der großen Dot.com-Pioniere der späten 90er-Jahre, schlug Yahoo-Gründer Jerry Yang  leichtfertig ein Angebot aus, das es in der Form gar nicht hätte geben dürfen. Fast 50 Milliarden Dollar wollte Microsoft nach Sunnyvale überweisen, um mit dem schlingernden Internetstar vergangener Zeiten doch noch mal den Angriff auf Google zu starten. Doch Jerry Yang lehnt gleich mehrfach ab.

Ein verhängnisvoller Fehler: Dann kam die große Finanzmarktkrise – und mit ihr der große Einbruch auf dem Werbemarkt. Am Ende des Jahres stehen Yang und Yahoo gleichermaßen mit leeren Händen da: Der introvertierte „Chief-Yahoo“ hat seinen Vorstandsposten zur Verfügung gestellt, 1500 Mitarbeiter wurden entlassen, der Aktienkurs liegt bei 11 Dollar zwei Drittel unter der Microsoft-Offerte. So sieht die Selbstdemontage eines Unternehmens aus.

1. Verlierer: Internet- und Technologieaktien

2008 – das war das Jahr des ultimativen Börsencrashs. Weltweit gingen die Leitindizes im Zuge der Finanzmarktkrise in die Knie und mussten dabei Verluste in nicht für möglich gehaltenem Ausmaß verkraften. Mehr als 40 Prozent verlor der Dax, fast 50 Prozent der deutsche Technologieindex TecDax. Ähnlich kräftig fiel der Aderlass an der Wall Street aus: Die Technologiebörse Nasdaq brach um 44 Prozent ein. Die Schwergewichte der Internet- und  Technologiebranche kamen unterdessen noch kräftiger unter die Räder – viele Papiere von einstigen Überfliegern halbierten sich.

Anleger lernen aus dem Börsenjahr 2008 die harte Lektion, die schon der Crash von 2000 – 2003 offenbart hatte: Die alten Spielregeln der Langfristanlage (Warren Buffett: „Kaufe billig, verkaufe nie“) – sie gelten im schnelllebigen 21. Jahrhundert nicht mehr, wie ein Blick auf die happigen Kursverluste ausgewählter US-Internet- und Technologieaktien beweist:  

•  Sun Microsystems: – 79 Prozent
•  Electronic Arts: – 75 Prozent
•  Interactive Corp: – 72 Prozent
•  Baidu.com: – 69 Prozent
•  Research in Motion: – 67 Prozent
•  eBay: – 61 Prozent
•  Google: – 58 Prozent
•  Dell: – 57 Prozent
•  Apple: – 57 Prozent
•  Adobe: – 51 Prozent

So sehen zerplatzte Träume aus.

Und doch gab es auch im Jahr der großen Krise Gewinner. Wer und was die fünf größten Erfolgsgeschichten des Internets 2008 waren, lesen Sie morgen.

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