Star-Moderator verklagt CBS auf 70 Mio.

Fernsehen Während George W. Bush mit Exklusivinterviews und Reden zum Irak an der Verbrämung des eigenen Geschichtsbilds werkelt, droht eine alte Scharte dem Ansehen des scheidenden US-Präsidenten neuen Schaden zuzufügen. Dan Rather, ehemaliger Top-Moderator von CBS, verklagt den Sender auf 70 Millionen Dollar und belebt damit eine Wahlkampf-Affäre aus dem Jahr 2004. Es geht um die Frage, ob sich Bush vor einem Vietnam-Einsatz drückte und ob seine Administration Druck auf den Sender ausübte.

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CBS hatte Dan Rather, einen der bekanntesten US-Fernsehmoderatoren, einen Tag nach dem Wahlsieg Bushs gefeuert. In seiner Funktion als Moderator des Nachrichtenmagazins „60 Minutes“ berichtete Rather, der Befürworter des Vietnam-Kriegs Bush habe sich mit Hilfe privater Kontakte vor dem obligtorischen Kampfeinsatz gedrückt, indem er der Nationalgarde der texanischen Luftwaffe (Texas Air National Guard) beitrat. Den Dienst in der Heimat trat er jedoch nie an – eine de-facto-Desertion, für die Bush bislang nicht bestraft worden ist.

Rathers Enthüllungen lösten eine gewaltige Resonanz aus, vor allem in der Blogosphäre. Immerhin war die patriotische Eignung des Präsidenten in der Folge der Terroranschläge und angesichts des Irak-Kriegs im Wahlkampf 2004 von großer Bedeutung. Auf Druck des Weißen Hauses und rechtskonservativer Blogger zog CBS die Geschichte mit der Begründung zurück, die Echtheit der zugrundeliegenden Dokumente könnte nicht bewiesen werden – eine rein formale Begründung.

Für viele Beobachter steht fest, dass hinter dem Rausschmiss Lobbyarbeit der Bush-Administration steht. Rather hat sich gewehrt und strengt eine Klage auf 70 Millionen Dollar (rund 50 Millionen Euro) gegen CBS an. Bislang hat er zwei Millionen Dollar in die juristische Auseinandersetzung investiert. Die Verhandlung wird für Anfang 2009 erwartet. Rathers Hauptargument: Die Fakten des umstrittenen Berichts entsprechen der Wahrheit. Die Tatsachen seien von George W. Bush oder seiner Entourage nie bestritten worden sind.

Der Journalist erhebt weitergehende Vorwürfe gegen CBS: Nicht nur habe sich der Sender entgegen seiner eigenen Tradition erstmals deutlich dem politischen Druck gebeugt; Das Gremium, das über Rather zu Gericht saß, wurde mit Rücksicht auf die Regulationsbehörde mit extrem rechtskonservativen Medienvertretern wie Rush Limbaugh oder Anne Coulter besetzt. Rather wertet dies als aktives politisches Entgegenkommen: Die Leitung von Viacom, einem Schwesterunternehmen von CBS, befürchtete für die zweite Amtszeit von Bush regulatorische Probleme.

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