2009: Zeitungs-Sites nicht mehr gratis?

Das Krisenjahr 2009 wirft seinen Schatten voraus: Die USA stehen vor einem beispiellosen Zeitungssterben. Die jüngste Umfrage des renommierten PEW-Instituts in Washington hat noch einmal gezeigt, dass das Internet im Bewusstsein der Konsumenten immer wichtiger wird - gerade auch als Nachrichtenquelle. In ihrer Verzweifelung überlegen jetzt US-Verlage, ihre Zeitungen im Internet nur noch kostenpflichtig zugänglich zu machen, wie es das „Wall Street Journal“ praktiziert. Ein riskanter Schritt...

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Die USA stehen vor einem beispiellosen Zeitungssterben. Die jüngste PEW-Umfrage hat noch einmal gezeigt, dass das Internet im Bewusstsein der Konsumenten immer wichtiger wird – gerade auch als Nachrichtenquelle. In ihrer Verzweifelung überlegen jetzt US-Verlage, ihre Zeitungen im Internet nur noch kostenpflichtig zugänglich zu machen, wie es das „Wall Street Journal“ praktiziert. Ein riskanter Schritt…

Dass für Zeitungen schwere Zeiten anbrechen, ist kein Geheimnis. Aber es ist schon erstaunlich zu beobachten, wie sich das Internet immer mehr gegen die Printmedien durchsetzt.

Jüngstes Beleg: Das renommierte „PEW Research Center for the People and the Press“ mit Sitz in Washington fragt einmal im Jahr rund 1500 Bürger „Where Do You Get Most Of Your National And International News?“. Bei den Antworten gab es bisher stets eine klare Reihenfolge: Fernsehen war die Nachrichtenquelle Nr.1, es folgten die Tageszeitungen, abgeschlagen an dritter Stelle lag das Internet. So war es bisher Jahr für Jahr seit 2003.

Bei der jüngsten Umfrage aber landete erstmals das Internet (40%) vor den Tageszeitungen (35%). Zwar bleibt das Fernsehen (70%) weiterhin klar die wichtigste Newsquelle, aber die Akzeptanz der TV-Nachrichten, gerade bei der wichtigen jungen Zielgruppe, sinkt. So informieren sich bei den unter 30jährigen nur noch 59% primär übers Fernsehen.

Da unter den US-Zeitungsverlegern keiner davon ausgeht, dass dieser Trend zum Stoppen kommt, ist man angestrengt dabei, für die Zeitungen ein neues Business-Modell zu finden.

So gibt es Überlegungen, ob es wirklich Sinn macht, die Zeitungs-Websites weiterhin komplett kostenlos anzubieten. Man könnte ja zu einem Pay-Modell zurückkehren, wie man es in ähnlicher Form in den Anfangsjahren des Web praktiziert hat: Die Homepage zum Anteasern der Artikel ist frei, aber der eigentliche Content ist nur für zahlende Kunden, bzw. Abonnenten der Print-Ausgabe zugänglich. So praktiziert es noch immer das „Wall Street Journal“ – und die Zeitung ist sowohl im Print wie auch im Web durchaus erfolgreich.

Ursprünglich hatte der neue WSJ-Besitzer Murdoch bekanntlich den Plan, die gesamte Zeitung kostenlos im Internet anzubieten. Auf Rat seiner Finanzleute hat er davon Abstand genommen – und ist gut damit gefahren. Dieser Erfolg lässt jetzt manche US- Zeitungsverleger darüber nachdenken, evt. zu einem Pay-Modell zurückzukehren.

Was sie dabei aber bedenken müssen: Murdoch hat seit Übernahme erheblich in das „Wall Street Journal“ investiert – sowohl in der Papierform wie auch in die Internet-Version. Das „Wall Street Journal“ ist in einer sehr guter Verfassung, die meisten US-Tageszeitungen sind es nicht. Wenn sie jetzt wieder versuchen würden, für mittelmäßige Zeitungs-Websites Geld zu verlangen, könnte das schnell nach hinten losgehen.  

Besser gefällt mir da das Modell, über das ich vor kurzem geschrieben habe: vor allem kleinere Tageszeitungen mutieren in Papierform zu Wochenzeitungen, bauen dafür aber kräftig ihre Webpräsenz aus.  

So oder so – 2009 wird das Jahr, in dem die Zeitungsverleger mutige Entscheidungen treffen müssen. Den Status-quo beizubehalten wäre für viele Zeitungen tödlich. Die jüngste PEW-Umfrage hat noch einmal gezeigt, es ist Zeit zum Handeln.

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