Wie Bernd Kundrun zu Fall kam

Publishing Dass G+J-Chef Bernd Kundrun offenbar ernsthaft in Erwägung gezogen hat, den Vorstandsvorsitz bei Gruner + Jahr gegen den Chefsessel bei der schwer angeschlagenen, von Finanzinvestoren gebeutelten ProSiebenSat.1 Media AG zu übernehmen, ließ tief blicken. Ganz egal, ob die ProSiebenSat.1-Herren Permira und KKR den Pharma-Mann Thomas Ebeling vor dem Bertels-Mann Bernd Kundrun den Vorzug gegeben haben […]

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Dass G+J-Chef Bernd Kundrun offenbar ernsthaft in Erwägung gezogen hat, den Vorstandsvorsitz bei Gruner + Jahr gegen den Chefsessel bei der schwer angeschlagenen, von Finanzinvestoren gebeutelten ProSiebenSat.1 Media AG zu übernehmen, ließ tief blicken. Ganz egal, ob die ProSiebenSat.1-Herren Permira und KKR den Pharma-Mann Thomas Ebeling vor dem Bertels-Mann Bernd Kundrun den Vorzug gegeben haben oder ob Kundrun von sich aus in letzter Minute den Job nicht haben wollte – wie wollte Kundrun eigentlich noch glaubhaft vermitteln, dass er in schwierigen Zeiten mit vollem Einsatz hinter G+J steht? Über allem, was er nach Bekanntwerden dieser Peinlichkeit tat und sagte, schwebte fortan das unausgesprochene „Aber er wollte doch weg…“

Für einen Vorstandschef ist so etwas weit mehr als ärgerlich und unangenehm: Es ist tödlich. Und genau darum kommen solche Interna bei Top-Personalwechseln auch so gut wie niemals an die Öffentlichkeit. Headhunter, die bei Personalien auf Vorstandsebene wirken, wissen ganz genau, dass höchste Diskretion essentiell ist. Welcher Top-Manager würde sich sonst noch auf Personalgespräche einlassen, wenn man damit rechnen muss, dass es am nächsten Tag in der Zeitung oder im „manager magazin“ steht?

Darum stellt sich hier auch die Frage: Wer hat diese höchst-brisante Information in die Öffentlichkeit gebracht und warum? Die beteiligten Personalberater kann man ausschließen. Bei denen ist Diskretion Geschäftsgrundlage. Hat also ProSiebenSat.1 die Sache durchgestochen, weil man sich geärgert hatte, von Kundrun einen Korb zu bekommen und den eigenen „Not-Mann“ Hebeling aufwerten wollte? Das klingt abenteuerlich. Mit dem Artikel im „manager magazin“ wurde Hebeling nicht aufgewertet, sondern ausschließlich Bernd Kundrun beschädigt. Klaus Boldt, dem Autoren, werden zudem gute Kontakte zu Bertelsmann nachgesagt. Boldt sitzt für das „manager magazin“ in New York, wo Bertelsmann auch üppig vertreten ist, ProSiebenSat.1 hingegen nicht. Und Boldt hat geschrieben, dass Kundrun bereits bei Bertelsmann vorstellig geworden sei, um vorzufühlen, inwieweit sein bis 2010 laufender Vertrag verkürzt werden könne. Gemäß den Gepflogenheiten in der Medienbranche müssen die Quellen des „manager magazins“ hieb- und stichfest sein. Das Magazin gehört über den Spiegel-Verlag und Gruner +Jahr indirekt auch zum Bertelsmann-Reich. Wenn das eigene Medium gesellschaftlich mit dem Objekt der Berichterstattung verbandelt ist, kommt keine Geschichte ins Blatt, die nicht absolut wasserdicht ist. Somit deutet vieles darauf hin, dass die Beinahe-Personalie Kundrun aus dem Umfeld von Bertelsmann gestreut wurde. Für Bernd Kundrun kommt der Artikel im „manager magazin“ einer öffentlichen Demontage gleich. Doch die Fakten hat er selbst geschaffen.

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