Das Top und Flop-Ranking: Platz zehn

Publishing Die Web-Gewinner und -Verlierer des Medienjahres 2008. Die ersten sechs Monate standen noch ganz Zeichen des Web 2.0-Hypes. Die zweite Jahreshälfte dagegen gehörte dem Kampf der Krise. Das spiegelt sich auch in der Top- und Flop-Liste wider. Auf Platz zehn sowohl der Top-Liste wie auch im Flop-Ranking liegt ein besonders konservatives Medienhaus. Erst erweckte man den Eindruck, das Web nicht zu verstehen, dann beeindruckten die Online-Macher mit einem mutigen und durchdachten Konzept.

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Flop: Platz 10
Mangelnde Internet-Kompetenz: Ein „FAZ“-Redakteur gibt sich die Google

Zwei Redakteure der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ blamierten sich im vergangenen Jahr besonders. „FAS“-Politik-Redakteur Richard Wagner schrieb eine missratene Glosse über Blogger. Zwei Textausschnitte: „Der Blogger bleibt der arbeitsweltliche Asoziale, mit dem draußen keiner spielen wollte.“ Oder: „Bizarr wirkt auch die Begeisterung für das vielstimmige Internet als kraftvolle Quelle demokratischer Lebendigkeit, wie sie von Bloggern zur Schau gestellt wird, bei denen es zu einer Festanstellung leider nicht gereicht hat.“
Dazu sorgte Marco Dettweiler für einen weiteren amüsanten Eklat. In seinem Artikel “Wer googelt am häufigsten nach Sex?” benutzte er die Formulierung „die ganze Welt ist eine Google“. Darauf hin schickte ihm Peter Glaser eine Mail mit dem Hinweis, dass er bereits vor Jahren diesen Satz formuliert hatte. Die Antwortmail von Herr Dettweiler hatte es in sich:

„Lieber Herr Glaser,

ich weiß nicht, was ihnen die Welt getan hat, damit es so mit ihnen durchgeht. Aber unterlassen sie bitte solche lächerlichen Aussagen.
Ich habe den Satz “Die Welt ist eine Google” schon verwendet, als sie von ihrem Blog noch geträumt haben. Zudem haben auch einige andere diesen Satz verwendet.
Sie kennen Google? Dort finden sie 14.400 Einträge mit diesem Satz. Aber vermutlich haben die ja alle bei ihnen abgeschrieben…
Ich habe die Stuttgarter Zeitung davon in Kenntnis gesetzt, dass Sie mich mit dieser Mail belästigt haben. Und hoffe, dass dies nicht mehr passiert.
Mit unfreundlichen Grüßen,
Marco Dettweiler
P.S: Bloggen Sie ruhig weiter, aber lassen Sie seriöse Journalisten in Ruhe. Danke!“

Herr Dettweiler hätte wohl selber mal kurz den Namen Peter Glaser googeln sollen. Er wäre schnell auf einen der renommiertesten deutschen Web- und Technik-Journalisten und Bachmann-Preisträger Namens Peter Glaser gestoßen. 

Top: Platz 10
Die große FAZ-Blogoffensive
Ende November starten die Frankfurter zehn neue Weblogs. Mit dabei bekannte Namen wie der Medienkritiker und Bildblogger Stefan Niggemeier, der Fernsehjournalist Peer Schader, Washington- Korrespondent Matthias Rüb oder Schriftsteller Clemens Meyer.
An den Start gehen unter anderen folgende Blogs:

  • Jordan Mejias beobachtet in „New Yorker Televisionen“ amerikanische Talkstars, Moderatoren und ihre Gäste, „wie sie das Leben der Nation in fernsehgerechten Happen servieren“.
  • Gina Thomas liefert „Beobachtungen aus der Londoner Kreditklemme“.
  • Peer Schader und Stefan Niggemeier befüllen „Das Fernsehblog“.
  • Mit Fußball bzw. „mit Gedanken zu Philosophie und Bewegungsspielen beschäftigen sich Jürgen Kaube und Peter Körte unter der Überschrift „Eins gegen Eins“.
  • Svenja Kleinschmidt notiert Beobachtungen in Israel.
  • Ein Coup gelang den Frankfurtern mit der Verpflichtung von Clemens Meyer „Die Nacht der Lichter“.
  • Literaturkritiker Volker Weidermann bekommt sogar ein eigenes Videoblog.

Bis dato unterhielt das Internet-Angebot der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nur knapp eine Handvoll Blogs. Bekanntester Autor war Netzökonom Holger Schmidt. Mit viel Insiderwissen berichtete er hauptsächlich über Internet- und Technologie-Unternehmen. Alleine dieses eine Blog war bislang ein großer Erfolg. Zu seinem ersten Geburtstag im Juni verriet Schmidt seine Leserzahlen: „Ein Jahr, das sind 202 Beiträge, die zusammen 250.000 Mal gelesen wurden. Jeder Beitrag fand im Durchschnitt 1230 Leser“. Dieses Angebot bleibt natürlich bestehen.

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