Wird die Tageszeitung zur Wochenzeitung?

Nach der Pleite vom Tribune Verlag und den Problemen der „New York Times“ wird in den USA viel darüber diskutiert, wie es mit den Tageszeitungen weitergeht. „What is black and white and completely over?“ scherzte Talkshow-Host Jon Stewart in seiner Show. Die Antwort ist nicht schwer zu erraten. Dazu passt die Meldung von diesem Wochenende, dass die „Detroit Free Press“ und „Detroit News“ planen, ihre Abonnenten nicht mehr täglich zu beliefern - für regionale US-Blätter eine Überlebensstrategie.

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Nach der Pleite vom Tribune Verlag und den Problemen der „New York Times“ wird in den USA viel darüber diskutiert, wie es mit den Tageszeitungen weitergeht. „What is black and white and completely over?“ scherzte Talkshow-Host Jon Stewart in seiner Show. Die Antwort ist nicht schwer zu erraten. 
 
Dazu passt die Meldung von diesem Wochenende, dass die „Detroit Free Press“ und „Detroit News“ planen, ihre Abonnenten nur noch an „the most profitable days“ mit einer Zeitung zu beliefern. Das sind laut Verlag am Sonntag, und Donnerstag und/oder Freitag. An den restlichen Tagen mögen sich die geneigten Leser ihre Zeitung doch bitte am Kiosk holen oder sich mit der Internet-Ausgabe begnügen. Wow, das nennt man Kundenservice 2.0… 
Wenn man sich die Entwicklung so ansieht, dann ist der nächste Schritt eigentlich nicht mehr weit: dann erscheinen Zeitungen nicht mehr täglich, sondern nur noch einmal in der Woche am Samstag oder Sonntag. Und an den Werktagen informiert sich der Leser über die Webseite der Zeitung. 
Die Erscheinungsweise zu ändern ist ja bei schwächelnden Zeitschriften durchaus eine gängige Methode. Warum wendet man dieses Mittel dann nicht bei Tageszeitungen an? Ich könnte mir vorstellen, dass sich aus der Kombination Wochenzeitung mit täglicher Internet-Ausgabe ein interessantes Businessmodell machen ließe. Man könnte die Stärken beider Medien verbinden: 

– dieses Modell kommt den Konsumenten entgegen. Den meisten Lesern dürfte es reichen, sich werkstäglich einmal kurz im Internet die News abzuholen. Am Wochenende, wenn sie mehr Zeit haben, liest man dann in Ruhe die Papierversion der Zeitung 

– der Verlag erspart sich so viel Papier- und Vertriebskosten, und das ist bekanntlich der größten Kostenblock in jeder Zeitungskalkulation. Der Unterhalt der Website ist dagegen vergleichsweise günstig 
– nicht nur für Nachrichten, sondern auch für viele Servicerubriken eignet sich das Netz mittlerweile besser als die Papierform.  
– und es ist für die Markenbildung einer Website ein beträchtlicher Vorteil, wenn sie parallel noch das „haptische“ Erlebnis einer Printausgabe bieten kann 

Keine Frage, die großen Zeitungen wie  „Wall Street Journal“, „New York Times“ und „USA Today“ werden (hoffentlich) die wirtschaftliche Kraft behalten, weiterhin täglich zu erscheinen. Ich denke eher an die hunderte von kleineren Regionalzeitungen, die schon heute mit den roten Zahlen kämpfen. Deren Geschäftsmodell mit der täglichen Papierform erscheint im Internet-Zeitalter überholt. Und das gilt nicht nur für die USA….  
PS. Gerade eben klingelte das Telefon. Es war „John“ von der „LA Times“. Ich hatte die Zeitung abbestellt, weil sie mir im Vergleich zum „Wall Street Journal“ und der „New York Times“ herzlich wenig bringt. Ehrlich gesagt, der einzige Grund, warum ich die „LA Times“ noch abonniert hatte, lag im Kinoprogramm. Aber das bekomme ich mittlerweile viel besser über meine iPhone-Application. Was John wollte? Er bot mir an, mein „LA Times“-Abo zu erneuern – zum Wochenpreis von 1 Dollar! Als ich „nein danke“ sagte, ging er auf 1 Dollar pro Monat runter!

Desperate times, desperate measures…

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