„Auch in Deutschland werden Sites breiter“

MEEDIA ist dem Geheimnis auf der Spur, warum deutsche Websites deutlich schmaler sind als vergleichbare Internet-Angebote in den USA, aber auch in England, Frankreich, Spanien und Italien. Grund sind "gewachsene Strukturen" in der Vermarktung. Aber muss das so sein? Wir haben deshalb die Macher von Spiegel Online und Focus Online zu diesem Thema befragt. Die Antworten fallen unterschiedlich aus. Doch der Trend scheint klar: Auch in Deutschland werden die Websites allmählich breiter.

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MEEDIA ist dem Geheimnis auf der Spur, warum deutsche Websites deutlich schmaler sind als vergleichbare Internet-Angebote in den USA, aber auch in England, Frankreich, Spanien und Italien. Wir haben deshalb die Macher von Spiegel- und Focus-Online zu diesem Thema befragt.
MEEDIA: Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass die deutschen Websites so schmal sind? 

Wolfgang Büchner (Spiegel Online): Die beiden wichtigsten Gründe dafür sind: Das Wallpaper hat sich in Deutschland als wichtigstes Werbemittel etabliert und es gibt immer noch viele Internetbenutzer, die eine vergleichsweise geringe Bildschirmauflösung haben. Rund ein Drittel der Spiegel Online-Leser hat Bildschirme mit einer Auflösung von 1024 x 768 px oder kleiner. 
Jochen Wegner (Focus Online): Die aktuelle Breite ist ein Kompromiss zwischen den in Deutschland üblichen Bildschirmauflösungen und den Werbemitteln, die sich hierzulande als Standard durchgesetzt haben.
Beneiden Sie Ihre ausländischen Kollegen ob der Möglichkeiten, die sich durch eine breitere Homepage ergeben? Kann man eine Homepage redaktionell nicht interessanter machen, wenn man mehr Platz zur Verfügung hat? Oder bringt das Ihrer Meinung nach nicht viel? 
Büchner: Ja und Nein. Natürlich haben Sie auf einer breiteren Homepage mehr Gestaltungsspielraum. A und O beim Design einer News-Website sind allerdings die Übersichtlichkeit und Funktionalität. Das kann sicherlich im breiteren Format gelingen, muss aber nicht, wie unserer Ansicht nach etliche Sites im Ausland beweisen. Wir gehen davon aus, dass auch deutsche Websites allmählich breiter werden. Spiegel Online wird diesen zusätzlichen Raum allerdings nicht benutzen, um mehr Spalten und Kästen auf die Seite zu stopfen, sondern an der Linie festhalten, dass sich Leser auf unserer Seite schnell und gezielt informieren können. Je unübersichtlicher die Nachrichtenwelt ist, desto wichtiger werden Auswahl und Orientierung. 

Wegner: Ich beneide meine ausländischen Kollegen sehr. Ganz sicher werden sich die Formate auch bei uns nach und nach ändern.
Glauben Sie, dass die „deutsche“ Hockey-Stick-Banner/Wallpaper für Werbekunden ein wirkliches Benefit sind? Fürchten Sie, dass Sie mit den international üblichen kleineren Formaten (Rectangle) weniger Werbegelder einnehmen würden? 

Büchner: Der Online-Werbemarkt in Deutschland ist sehr speziell, was die Formate angeht. Es gibt nur wenige etablierte Formate (Wallpaper und Content Ad sind die gängigsten), neue Ideen brauchen sehr lange, bis sie sich am Markt durchsetzen. In den USA ist es beispielweise völlig normal, dass Artikel-Tools (Druckversion, Artikelversand etc.) vermarktet sind. Dafür gibt es in Deutschland kaum einen Markt. Spiegel Online hat einst neue Formate wie das Wallpaper in Deutschland etabliert und hatte damit riesigen Erfolg. Wenn sich neue, elegante Werbeformate etablieren sollten, vergrößert auch das sicher die Gestaltungsspielräume von Webdesignern. Allerdings wäre es fahrlässig, funktionierende Erfolgsmodelle einfach abzulösen. 
Wegner: Das ist derzeit offensichtlich der Fall.
Soweit der erste Teil unserer Fragen. Das Thema “schmale” Webseite scheint also wirklich ein rein deutsches Problem zu sein. Die Macher sind sich einig, dass ein breiteres Format über kurz oder lang kommen wird. Aber es scheint auch schwer zu sein, den Knoten der Gewohnheit zu durchschlagen. Und wie macht man den Anfang? Morgen lesen Sie, was die beiden Chefredakteure dazu sagen, dass die Online-Umsätze ihrer Websites so weit hinter denen der Print-Mütter hinterherhinken.

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