Übernahme: Xing schluckt Socialmedian

Überraschung zum Wochenende: Das deutsche Business-Netzwerk Xing übernimmt das US-Start-up Socialmedian, das - ähnlich wie Marktführer Digg.com - auf das Aggregieren und Filtern von Nachrichten spezialisiert ist. Damit soll für Nutzer "der berufliche Informationsfluss intelligent gesteuert werden". Xing-Mastermind Lars Hinrichs betätigt sich damit in gewisser Weise als Verleger: Mit Spannung wird nun zu beobachten sein, ob sich die etablierten deutschen Verlage mit ins Boot holen lassen.

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Es war keine hohle Ankündigung. „Xing ist nicht meine erste, sondern schon meine dritte Firma. Es wird auch eine vierte und fünfte geben. Vielleicht auch eine sechste“, erklärte der notorisch umtriebige Gründer Anfang Dezember.

Dazu ist es bislang zwar nicht gekommen, doch keinen Monat nach seiner angekündigten Demission als Vorstand kann der erst 32-Jährige einen Coup in seiner Noch-Firma vermelden. „It´s a deal!“ verkündet Hinrichs heute euphorisch im Xing-Blog.

Der Deal sieht wie folgt aus: Das börsengelistete deutsche Business-Netzwerk übernimmt das US-Start-up Socialmedian, das – ähnlich wie Marktführer Digg.com – auf Aggregieren und Filtern von Nachrichten spezialisiert ist – und zwar aus rund 19.000 Quellen. Für Gründer Jason Goldberg, der für die Akquisition 2,9 Millionen Euro kassiert, ist die Xing-Integration naheliegenderweise eine ideale Verbindung.   

„Über die Filterung der News durch das eigene soziale Netzwerk kann der berufliche Informationsfluss intelligent gesteuert und damit die Relevanz der so gefilterten Nachrichten entscheidend verbessert werden“,  erklärt Goldberg, der im Januar als Vice President des neu geschaffenen Bereichs Xing Applications Plattform selbst nach Hamburg wechseln soll.

Doch warum greift Hinrichs zu? „Socialmedian wird das nächste Digg – nur besser“, äußert sich Hinrichs voller Zuversicht gegenüber FAZ-Blogger Holger Schmidt. „Nachrichten werden eine extrem relevante Größe für Xing. Xing wird dadurch wesentlich häufiger genutzt“, mutmaßt der noch amtiererende Vorstandsvorsitzende.

Gemeint sind dabei in allererster Linie Online-Inhalte – also „immer neue Websites, Blogs, Tweets, Videos oder andere von Internetnutzern generierte Inhalte für eine tägliche Informationsflut“, wie Xing vermeldet. So aggregiert Socialemedian bereits aus der Créme de la Créme der Web 2.0-Landschaft Inhalte – nämlich von Digg, Delicious, Twitter, Flickr, Facebook, YouTube, Google Reader oder FriendFeed.

Doch auch die klassischen Verlage will Hinrichs möglichst schnell mit ins Boot holen. „Die amerikanischen Publisher sind begeistert, weil das System ihnen Traffic zuführt.“  Zur eigentlichen Aufgabe des Web 2.0-Entrepreneurs dürfte es nun werden, die renommierten deutschen Player für sich zu gewinnen. 

Hier stehen Spiegel Online, Focus.de & Co vor der wegweisenden Frage, ob sie sich zu Content-Modulen innerhalb des Socialmedia-Netzwerks reduzieren lassen möchten und damit auf die Portalpräsenz verzichten – oder auf inzwischen 6,5 Millionen registrierte Nutzer im Businessnetzwerk Xing, die zur lukrativen Zielgruppe für Werbetreibende überhaupt gehören. Der Umgang mit der Inhalte-Verwertung und -Mitteilung dürfte im nächsten Jahr zu einem der interessantesten Herausforderungen des Web 2.0 überhaupt werden.   

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