Netzeitung droht personeller Kahlschlag

Publishing Die Sparpläne des Geschäftsführers des Berliner Verlags, Josef Depenbrock, sorgen weiter für Unruhe bei der Belegschaft. Laut der Gewerkschaft Verdi hat Depenbrock intern geäußert, dass er am liebsten alle Redakteure der Netzeitung, die ebenfalls zum Verlag gehört, rauswerfen würde. Gerade erst wurden alle 15 freien Mitarbeiter der Netzeitung vor die Tür gesetzt. Aus Protest verzögerte die Redaktion der „Berliner Zeitung“ das Erscheinen der Freitags-Ausgabe.

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Der Konflikt zwischen Redaktion und Geschäftsführung spitzt sich immer mehr zu. Wegen der „mehrstündigen Teilnahme an einer Sprechstunde des Betriebsrats“, so Verdi, habe die Frühausgabe der „Berliner Zeitung“ von Freitag nicht erscheinen können. Normalerweise wird die erste Ausgabe der Zeitung bereits am späten Vorabend in Kneipen und Gaststätten zum Verkauf angeboten.

Die Redaktion der „Berliner Zeitung“ fürchtet, bei weiteren Entlassungen bei der Netzeitung diese demnächst mitproduzieren zu müssen. Außerdem gaben der Betriebsrat der Netzeitung und der Redaktionsausschuss der „Berliner Zeitung“ Resolutionen heraus, in denen sie Depenbrock aufforderten, Informationen über die Online-Strategie des Hauses vorzulegen. Laut den Resolutionen ist unklar, wie sich die Stellenstreichungen auf die Arbeitsabläufe bei der „Netzeitung“ auswirken, es gebe keinen Zeitplan für die geplante Einführung eines neuen Redaktionssystems, außerdem sei der Workflow zwischen Online- und Print-Redaktion der „Berliner Zeitung“ nicht organisiert.

Die Redaktion der „Berliner Zeitung“ protestierte ausdrücklich gegen eine Zweitverwertung ihrer Artikel in der Netzeitung, solange keine tarifliche Regelung zur Vergütung einer solchen Zweitverwertung vorliegt. Der Redaktionsausschuss behält sich rechtliche Schritte vor, sollten Artikel ohne eine solche Regelung zweitverwertet werden.

Die Redaktion der „Berliner Zeitung“ erklärt sich in ihrer Resolution solidarisch mit den Online-Kollegen und betont, dass sie sich nicht gegen ein hochwertiges Online-Angebot richtet. „Es kann aber nicht angehen, Online-First zu propagieren und gleichzeitig seitens des Verlags die personellen und materiellen Ressourcen dafür abzubauen“, heißt es wörtlich in dem Schreiben.

Josef Depenbrock wollte sich auf Anfrage von MEEDIA zu den Vorwürfen und Forderungen der Redaktionen von Netzeitung und „Berliner Verlag“ nicht äußern.

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