Der heimliche Erfolg von „Cicero“

Am Bahnhofskiosk nach dem neuen „Cicero“ gefragt. Ich brauchte das Heft, weil ich was zu dem „Cicero“-Interview mit Alfred Neven DuMont schreiben sollte. Die Dame von Verkauf fängt an, umständlich unter der Theke herumzuwursteln. „Moment, das habe ich hier, ist ja so groß…“ Wie? Groß? Dann holt sie eine riesenhafte Zeitschrift hervor. „Cicero“ hat als […]

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Am Bahnhofskiosk nach dem neuen „Cicero“ gefragt. Ich brauchte das Heft, weil ich was zu dem „Cicero“-Interview mit Alfred Neven DuMont schreiben sollte. Die Dame von Verkauf fängt an, umständlich unter der Theke herumzuwursteln.

„Moment, das habe ich hier, ist ja so groß…“

Wie? Groß? Dann holt sie eine riesenhafte Zeitschrift hervor. „Cicero“ hat als PR-Gag die Januar-2009-Nummer in Übergröße drucken lassen. „Die großen Themen 2009“ steht außen drauf. Ich muss aber zugeben: Es schaut gut aus, wirkt beeindruckend. Als ich das Riesenheft aufschlage, fallen mir sofort die zahlreichen Anzeigen auf: BMW, Rolex, Studiosus, IBM, Bahn, Commerzbank, MAN, Post (die zurzeit ja sowieso irre viel Geld in Print-Werbung steckt). BMW ist sehr häufig vertreten. Wahrscheinlich haben die einen Deal, dass sie Kontingente der Zeitschrift abnehmen und so die Druck-Mehrkosten finanzieren oder so. Ist mir aber auch egal, so lange die Werbung schön brav als Anzeige erkennbar wird und das ist hier der Fall. Was mir eigentlich auffällt: Mensch, aus „Cicero“ ist ja ein richtig gutes Blatt geworden. Am Anfang fand ich den selbst ernannten „politischen Salon“ von Ex-„Welt“-Mann Wolfram Weimer immer einen Tick zu schwergängig, zu behäbig, zu konservativ. Aber jetzt? An das Layout habe ich mich gewöhnt, es wirkt vertraut mit dem Text auf der linken und einem schönen Schwarzweiß-Foto auf der rechten Seite. Es gibt eine tolle Foto-Reportage des Magnum-Fotografen Jonas Bendiksen vom Rande der Mega-Cities, einen Text von Hillary Clinton (okay, den habe ich nicht gelesen, aber es wirkt irgendwie cool, dass Hillu Clinton als Autorin auftaucht), Interviews mit Wolfgang Schäuble, Wolfgang Clement und (toll aufgemacht) mit Angela Merkel. Jürgen Busche schreibt über die Schlacht im Teutoburger Wald und das Interview mit dem alten Alfred Neven DuMont ist auch sehr flott.

Mal einen Blick in den MEEDIA-Analyzer werfen: Die Auflage von „Cicero“ steigt beständig, zuletzt auf über 77.500 Exemplare. Da sind zwar sehr viele sonstige Verkäufe darunter (fast 40.000) aber auch Einzelverkauf und Abo legen zu und ein Coffeetable-Magazin wie „Cicero“ dürfte ohnehin eher die Anzeigen und weniger den Vertriebserlös im Auge haben. Wieder eine von diesen Print-Erfolgsgeschichten in der Nische.

Heimlich still und leise scheint sich das „Magazin für politische Kultur“ also etabliert zu haben. Ich finde das Heft mittlerweile jedenfalls richtig gut. Vielleicht bin ich ja auch nur älter geworden.

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