„Bild“ wirft Ministerin Zensur-Versuch vor

Das ist ungewöhnlich: Das Bundesgesundheitsministerium stornierte bei der „Bild“ eine Anzeigenoption für Januar. Grund dafür ist ein negativer Artikel über den aktuellen Kinospot von Ulla Schmidts Ministerium, der die gesetzliche Krankenversicherung bewirbt. Das Blatt sieht einen Eingriff in die redaktionelle Freiheit. Schmidt-Sprecher Klaus Vater wirft „Bild“ vor „auf die Gesundheitspolitik eingeschlagen“ zu haben. Nun veröffentlichte Springer das Wortlautprotokoll - der Streit eskaliert.

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Unter der Überschrift „Kranker Gesundheitsspot im Kino“ hatte „Bild“ kritisiert, dass der 400.000- Euro-teure Kino-Spot hinausgeworfenes Geld  sei, denn, so „Bild“,die Gesetzliche  „kennt doch eigentlich schon jeder“. Zitiert wird zudem FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr: „Das ist rausgeworfenes Geld.“

Einen Tag später titelt „Bild“: „Gesundheitsministerium droht BILD mit Anzeigen-Boykott.“ Was war passiert? Der sieben Zeilen lange Text vom Vortag hatte Ministeriumssprecher Klaus Vater tatsächlich dazu bewogen, eine Anzeigenoption beim Axel Springer Verlag verfallen zu lassen. Dabei geht es um eine „Anzeige im oberen rechten Eck auf der Titelseite“, die 61.000 wert gewesen sein soll.

Im Gespräch mit MEEDIA gibt Vater zu, impulsiv gehandelt zu haben, aber er habe sich „einfach unheimlich geärgert“. In einer Mail beschwerte er sich schließlich darüber, dass die „Bild“-Zeitung Initiativen des Ministeriums miesschreibe und ließ die Anzeigenoption sausen. Doch, das sollte „keine Drohung sein, keine Zensur und auch kein Boykott“, wie Vater betont. „Ich habe in meinem Schreiben keine Änderungen verlangt, von Zensur kann also nicht die Rede sein“, wirft Vater ein – und gibt sich doch zerknirscht. Seine Hand sei ausgestreckt, jetzt müsse man bei Springer reagieren.

Tatsächlich ist der Werbespot des Gesundheitsministeriums nicht die teuerste Werbeaktion aller Zeiten, und wahrscheinlich noch nicht mal die unwirksamste. Drei Wochen lang soll der Spot bundesweit in mehr als 500 Kinos laufen und dort vor allem die Zielgruppe ansprechen, die sich selten um ihre Gesundheit schert: Jugendliche und junge Erwachsene.

Für Vater ist dieser Spot kein hinausgeworfenes Geld, der „Bund ist dazu verpflichtet, die Bürger über die Gesetze zu informieren – und das tun wir auf die vielfältigste Weise“. Dennoch sieht er ein, dass Presse und Verfassungsorgane in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen. Doch wenn die „Bild“-Zeitung nicht „immer wieder polemisch auf die  Gesundheitspolitik eingeschlagen“ hätte, „müssten wir jetzt nicht derart intensiv die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems bewerben“, so Vater.
Am Nachmittag veröffentlichte „Bild“ eine Stellungnahme. Die Darstellung des Ministeriums-Sprechers entpräche nicht der Wahrheit. Zur Untermauerung fügte der Verlag das Wortlautprotokoll der Aussagen Vaters bei. Hier Auszüge der angeblichen Äußerungen des Ministeriums-Sprechers gegenüber einem „Bild“-Redakteur:
„…der von Ihnen nieder gemachte Kinospot wär ja nicht notwendig, wenn
in den vergangenen Jahren über die Krankenversicherung von manchen
anders berichtet worden wäre. Auch von Ihnen. Die Krankenversicherung
ist mit das Kostbarste, was unsere soziale Sicherung aufweist. Und auch
Sie haben ganz schön dagegen geholzt. Das BMG wird jedenfalls eine
Option auf eine Anzeige für Anfang Januar 2009 auf der Seite 1 von ‚Bild‘
nicht realisieren. Davon wird Ihre Anzeigenleitung auch informiert.“ Weiter heißt es in der Mitteilung: „Ich kann erwarten, dass „Bild“ eine
anständige Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeitsarbeit des BMG
liefert. Ihr Beitrag ‚Kranker Gesundheitsfonds im Kino‘ ist das
Gegenteil. (…) Bisher war in meinem Plan für 2009 vor allem „Bild“ mit
mehreren Anzeigen vorgesehen. Das wird sehr kritisch überprüft.“

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