„Seit Murdoch geht alles zügiger voran“

Die Dow Jones Company ist eines der weltweit führenden Medienunternehmen im Wirtschaftssektor – trotzdem ziehen deutsche User andere Web-Portale wie Börse Online eher vor. Dabei bietet kaum ein anderer Anbieter so viele zum Teil sehr hochwertigen Informationen wie die Company aus dem Hause Murdoch. Jetzt will man in Deutschland mit einer überarbeiteten Website die Marke pushen. MEEDIA sprach mit Deutschland-Chefredakteur Rolf Anders über die Hintergründe.

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Warum ist der deutsche Webauftritt von Dow Jones noch nicht so präsent?
Das liegt vor allem daran, dass in Deutschland viele Surfer gar nicht genau wissen, was Dow Jones überhaupt ist. Häufig wird der Index Dow Jones mit dem Inhalte-Anbieter verwechselt.

Wofür steht die Marke Dow Jones?
Bei uns dreht sich alles um Inhalte. Wir beliefern zahlreiche Redaktionen und Websites in Deutschland mit Nachrichten zu wirtschaftsnahen Themen. Natürlich ist der Finanzsektor bei uns besonders prominent, aber der Konzern bietet viel mehr – auch Content in anderen Bereichen wie Unternehmenskommunikation oder Vertrieb. Insofern unterscheiden wir uns von den klassischen Wettbewerbern wie Reuters und Bloomberg. Ich glaube vielen Usern in Deutschland ist das noch nicht klar.

Und was ist ihr Alleinstellungsmerkmal?
Das ist die interessante Mischung von Dow Jones. Wir bieten Real-Time-Nachrichten, eine Wirtschaftsdatenbank auf Factiva.com, Qualitätsjournalismus vom „Wall Street Journal“ oder von „Barron’s“ unserer Anleger-Zeitschrift. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Angebotskatalog. Dow Jones hat neben den Recherchen aus dem eigenen weltweiten Journalisten-Netzwerk auch via Konzerntochter Factiva Zugriff auf Informationen aus weltweit über 24.000 Quellen und über 700 Nachrichtenagenturen. Redaktionelle Inhalte werden zu einer Vielzahl von interessanten Produkten – auch über die verschiedenen Medienarten wie Print, Web oder Terminals – hinweg sinnvoll verknüpft und am Markt zu vernünftigen Preisen angeboten. Der Wertschöpfungsbogen reicht damit vom klassischen Printmedium wie Zeitung oder Newsletter, über Datenbanken, Websites oder etwa Videographing bis hin zu den Terminals der Realtime-News. Die Redaktionen im Konzern nutzen so auch selbst die unterschiedlichen Dow Jones-Angebote für ihre Produkte.

DowJones.de soll Auszüge dieser Inhalte also bündeln?
Richtig. Wir sehen unseren Web-Auftritt in Deutschland als Schaufenster, in dem wir die Produkte unserer unterschiedlichen Titel ausstellen. Wir wollen herausfinden, wo die Interessen der User liegen und uns entsprechend ausrichten. Wir wollen und benötigen das Kundenfeedback, denn wir wollen die Marke Dow Jones in Deutschland gemeinsam mit den Usern entwickeln.

In den USA sind Sie Marktführer. Was unterscheidet den US-Markt vom deutschen Markt?
Inhaltlich sind die beiden Märkte eigentlich in großen Zügen vergleichbar. Natürlich gibt es unterschiedliche Schwerpunkte, so legt man in den USA neben der Unternehmensberichterstattung etwas mehr Wert auf das Thema Zentralbanken. In Deutschland ist unser Realtime-Portfolio neben der Unternehmensberichterstattung tendenziell eher markt- und aktienorientiert. Prinzipiell reden wir aber über Teile eines globalen Marktes, in dem sich Unterschiede eher über Zielgruppen definieren.

Wie erreichen Ihre Nachrichten die Kunden?
Beim Wall Street Journal via Print und Web und bei uns im Realtime-Bereich glauben wir an das Prinzip der Vendoren-Neutralität, wir schicken also unsere Inhalte über die Kanäle der Dienstleister digital an unsere Zielgruppen.

Von welchen Kanälen sprechen Sie da?
Das bedeutet, dass Dow Jones keine eigene Technologie oder Software für den Transport der Inhalte einsetzt – wenn man mal von dem Redaktionssystem, der Webtechnologie für unsere Sites oder etwa den factiva-Datenbanken absieht. Da Dow Jones also keine eigene Vertriebssoftware für Nachrichten betreibt, nutzen wir die am Markt gängigen Dienstleister wie Reuters, Bloomberg, Telekurs oder vwd. Die haben sich auf diese Dienstleistung spezialisiert und können das viel besser als wir. Der Vorteil für uns – wir müssen den Kunden keine Technologie mehr verkaufen, damit er unsere Nachrichten lesen kann. In der Regel erhält er unsere Nachrichten bequem über sein vorhandenes System.

Stichwort Reuters und dpa-AFX. Wie sieht ihre Wettbewerbsstrategie für 2009 aus?
Unser Angebot ist ausgesprochen reichhaltig und durch die unterschiedlichen Einzelunternehmungen in der Gruppe in den wichtigen Kundensegmenten gut durchstrukturiert. Das Kerngeschäft ist und bleibt aber primär der Umgang mit Content, mit verlässlichen und präzisen Informationen, die wir kundengerecht aufbereiten – ganz gleich ob es dabei um den Finanzsektor geht, um Wirtschaftsthemen ganz allgemein oder um Unternehmen, Rohstoffe oder ganze Industriebereiche, wie etwa die Stahlindustrie. Darauf wollen wir uns auch weiterhin konzentrieren und uns deutlich von den übrigen Wettbewerbern abgrenzen.

Einige Dow Jones-Produkte sind kostenpflichtig. Verabschieden sie sich jetzt vom Paid-Content-Modell?
Eigentlich sind die meisten Produkte von Dow Jones kostenpflichtig. Und soweit wir das hier in Deutschland verstanden haben, bleibt das auch so. Auf DowJones.de bieten wir einen kleinen – aber durchaus spannenden – Teil unserer Produkte kostenfrei zum Lesen an. Dies ist vergleichbar einem Schaufenster, mit dem wir Usern unsere Produkte näher bringen wollen. Schließlich wollen wir die Leser als Kunden gewinnen. Das Ganze ist wie eine Marketing-Offensive zu verstehen.

Sind die Veränderungen Folge der Übernahme durch Rupert Murdochs News Corp?
Ja und nein. Dass Dow Jones Synergien nutzen will, stand schon auf der Agenda der alten Besitzer des Traditionsunternehmens. Jetzt, da Murdoch an der Konzernspitze steht, scheinen die Dinge aber etwas zügiger voranzugehen. Man muss allerdings sagen, Deutschland ist weit weg von den USA – und daher sind wir also eher Beobachter der internen Entwicklungen und weniger an den Maßnahmen beteiligt. Es scheint aber, als würden Entscheidungen für Investitionen nun schneller und entschiedener getroffen. So wird jetzt das Nachrichtenangebot aus dem arabischen Sprachraum in Dubai gezielt ausgebaut, in Spanien ist gerade der Aufbau eines spanischen Wirtschaftsnachrichtedienstes zusammen mit der renommierten Agentur EFE im Aufbau. Allerdings ist die Finanzkrise für die weitere Entwicklung nicht gerade förderlich.

Murdoch ist aber auch bekannt dafür, Redaktionen zusammenzustreichen. Befürchten Sie einen Stellenabbau, wie er überall in der Medienwelt derzeit stattfindet?
Nein. Wir waren in Deutschland immer sehr kostenbewusst und eher sparsam. Bei uns in der Realtime-Redaktion ist Stellenabbau momentan kein Thema. Im Augenblick diskutieren wir mit unseren Kollegen in London und New York ziemlich intensiv, ob und wie wir offene Stellen besetzen können. Man sollte aber nichts ausschließen – wer weiß schon wirklich, wie sich die Konjunktur weiter dreht und was 2009 auf uns wartet. Es gibt aber doch auch durchaus positive Zeichen, so hat das „Wall Street Journal“ im laufenden Jahr sogar zugelegt – und auch wir schreiben gute Zahlen. Unser Fokus liegt daher momentan ganz auf der gemeinsamen Entwicklung der Marke Dow Jones.

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