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Neues WAZ-Prinzip: „Ein Mann, eine Seite“

Ulrich Reitz steht für einen harten Sparkurs und Stellenabbau, aber auch für ein neues Gesamtkonzept der vier „WAZ“-Titel und die Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft. Der Chefredakteur der „Westdeutsche Allgemeine“ steht gerade bundesweit im Branchen-Fokus. Im MEEDIA-Interview verrät Reitz, wie sein Newsroom-Konzept aussieht und wie die Arbeit ohne die Deutsche Presseagentur funktioniert: „Mir war immer klar, dass wir auch ohne DPA sehr gut hinkommen würden.“

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Fühlen Sie sich gerade als unbeliebtester Mitarbeiter der WAZ?
Das ist nicht meine Wahrnehmung und dieses Echo erreicht mich so auch nicht. Ich arbeite mit großem sozialen Verantwortungsbewusstsein daran, ein Dickschiff durch schwere See zu bringen.
WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach hat auf der jüngsten Betriebsversammlung gesagt, dass er auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter baut, die den Karren aus dem Dreck ziehen wollen. Ich bin einer von denen, die die Karre mitziehen dürfen. Für mich heißt das: nicht jammern, sondern anpacken.
Wie sieht Ihr Newsroom-Konzept aus?
Die Chefredakteure von „WAZ“, „NRZ“ und „WR“ haben ein Modell entwickelt, das zum einen die Vorteile aller bisherigen Newsroom-Konstruktionen wie das crossmediale- und ressort-übergreifende Arbeiten aller Redakteure beinhaltet, zum anderen aber auch die Autonomie unserer verschiedenen Titel wahrt. Der zentrale Content-Desk – übrigens die größte regionale Mantelredaktion in Deutschland – bietet den drei Titelredaktionen Geschichten an. Die Titel-Desks wiederum können die Inhalte bestellen, die sie gerne bringen wollen.
Soll die Online-Redaktion von „DerWesten“ in dem neuen Newsroom mitintegriert werden?
Selbstverständlich, immerhin gilt bei uns jetzt das Prinzip Online First. Die konkreten Pläne werden gerade entwickelt.
Gab es bislang viel Kritik an Ihrem Newsroom-Konzept?
Gar nicht. Ich kenne niemanden, der das Konzept bislang angezweifelt hat.
Gab es Vorbilder für das Newsroom-Konzept?
Wir haben keine Blaupausen zur Entwicklung gebraucht. Wir haben uns nur von der Frage leiten lassen: Was ist das Beste für die WAZ-Mediengruppe, die Leser und die Beschäftigten?

Wann wird der neue WAZ-Newsdesk seine Arbeit aufnehmen?
Ich rechne damit, dass wir im späten Frühjahr starten werden.

Die Schickler-Expertise zeigt: Eine Seite in einer Heimatzeitung darf 400 Euro kosten, eine Seite in einer Qualitätszeitung dagegen 700 Euro. Wie viel darf eine WAZ-Seite kosten?
Laut dem Schickler-Konzept darf eine Mantelseite künftig 929 Euro kosten. Bevor die Unternehmensberatung beauftragt wurde, habe ich meinen Redakteuren im Herbst bereits gesagt: Unser Anspruch muss sein: ein Mann, eine Seite.

Seit letzten Montag kommen Sie ohne DPA aus. Wie sind ihre Erfahrungen?
Wie erwartet gut, die WAZ versteht sich schließlich als Autorenzeitung. Schauen Sie sich die Ausgaben an: Wir haben weiterhin jede Menge gute und exklusive Geschichten im Blatt, dabei kann uns auch keine Agentur helfen. Mir war immer klar, dass wir auch ohne DPA sehr gut hinkommen würden.

Wird es noch einmal ein DPA-Comeback geben?
Nein. Aber die Entscheidung gegen DPA hat nichts mit der Qualität der Agentur zu tun. Wir haben uns vielmehr dafür entschieden, so die Arbeitsplätze von 25 Redakteuren zu retten.
Wie viele Lokalredaktionen werden Sie schließen müssen?
Unsere Geschäftsführung spricht derzeit darüber mit den Betriebsräten. Klar ist: Es wird für jede Lokalredaktion ein maßgeschneidertes Konzept geben.
Geben Sie mit dem Schließen der Lokalredaktionen nicht eine ihre Kernkompetenzen auf?
Dieser Vorwurf bleibt an der Oberfläche, denn wir ziehen uns ja nicht aus der Fläche zurück. Die Aufgabe eines Standortes würden wir als Versagen aller Beteiligten betrachten. Wir müssen jedoch die Struktur bereinigen, die nicht mehr zu finanzieren sind. In einigen kleineren Städten etwa können wir uns zwei Lokalredaktionen einfach nicht mehr leisten. Konstellationen dieser Art stammen übrigens aus einer Zeit, als die verschiedenen Redaktionen noch unterschiedliche Besitzer hatten.
Kommt nach dieser Sparwelle, in ein paar Jahren nicht einfach die Kürzungsrunde?
Nein. Im Moment sind die Sorgen zwar groß. Doch am Ende des Prozesses werden wir wieder eine gute Perspektive haben. Die Schlagkraft der WAZ im Ruhrgebiet wird sich erhöhen.

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