Hartplatzhelden kontern vor Gericht

Am Freitag kommt es vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht zum Rematch zwischen Hartplatzhelden.de und dem Württembergischen Fußballverband (WFV). Das Revisionsverfahren hat über ein Urteil zu entscheiden, das dem Webportal untersagt, bewegte Bilder aus Amateurligen zu zeigen. „Unsere Chancen sind gut. Seit dem ersten Urteil gibt es einige Expertisen über den Fall und alle kommen zu dem Schluss, dass wir im Recht sind“, erklärt Gründer Oliver Fritsch gegenüber MEEDIA.

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Der WFV hatte Unterlassungsansprüche wegen unlauteren Wettbewerbs geltend gemacht. Der Verband erbringe „umfangreiche organisatorische und finanzielle“ Vorleistungen, deren Refinanzierung das Videoportal behindere. Dies entspricht der generellen Linie des Deutschen Fußball Bundes (DFB), zu dem der WFV gehört.

Fritsch widerspricht diesem Vorwurf vehement, da im Amateurfußball fast ausschließlich die Vereine das finanzielle Risiko tragen würden. Zudem sei das Vermarktungspotential derart gering, dass die Spiele wettbewerbsrechtlich nicht zu schützen seien. Die Video-Clips auf Hartplatzhelden.de sind allesamt nutzer-genereiert und maximal eine Minute lang. Sie stünden keinesfalls in Konkurrenz zum Webauftritt des WFV. Daher sei das Urteil der Stuttgarter Landesgericht kaum nachvollziehbar: „Ein Professor sagte mir: Wenn ihm ein Student die damalige Urteilsbegründung als Hausarbeit vorgelegt hätte, dann hätte er ihn durchfallen lassen“, so Fritsch.

Im Kern geht es bei dem Rechtsstreit um die Grundsatzfrage, ob ein Fußballverband Exklusivrechte an den Amateur- und Jugendfußballspielen der Vereine aus seinem Bereich und ein Zentralvermarktungsrecht für alles Bildmaterial habe, erklärt Sportrechtsexperte und Anwalt der Hartplatzhelden Fabian Reinholz. Fritsch bringt es auf den Punkt: „Es geht um die Freiheit im Amateur-Fußball und um die Frage, wem der Hobby-Fußball eigentlich gehört. Den Aktiven oder dem Verband.“

„Der Fall hat bereits innerhalb der Rechtswissenschaft eine gewisse Prominenz erlangt“, sagt Fritsch. Nicht nur da, denn das Thema Internet ist für den DFB generell ein brisantes Thema. Im Interview mit Theo Zwanziger bekam Fritsch zu hören, dass der DFB als Dachverband die Interessen und Meinungen der Landesverbände nach außen natürlich mittrage. Gleichzeitig bedauert Zwanziger zu Beginn des Interviews allerdings, Fußball-Clips noch nicht auf seinem Handy ansehen zu können.

Diese eher widersprüchlichen Aussagen lassen Fritsch vermuten: „Der DFB will was Eigenes Aufbauen, dass im Kern unserer Idee sehr stark ähneln wird.“ Die Internet-Offensive des DFB ist bereits beschlossene Sache, so wird die Nationalmannschaft im Februar ihren eigenen Web-Auftritt bekommen, wie Teammanager Oliver Bierhoff kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“ sagte. Dazu soll in Zusammenarbeit mit der Telekom die Webseite Fussball.de zum führenden Kicker-Portal ausgebaut werden.

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