‚Patin‘ Ferres: Muttertier in der Unterwelt

Internationale Drehorte, hochkarätige Darsteller, eine spannende Mafiageschichte und eine Protagonistin, die gute Quoten garantiert: Veronica Ferres ist „die Patin“ – eine brave Hausfrau, die sich zur Mafiosa entwickelt. Für RTL ist der dreiteilige Eventfilm mit acht Millionen Euro Budget die aufwändigste Produktion aller Zeiten. Doch kann ein deutscher Mafia-Film mit „Übermutter“ Ferres in der Hauptrolle funktionieren? MEEDIA hat den Dreiteiler vorab gesehen.

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Schon die erste Szene hat Symbolkraft: Katharina Almeda (Veronica Ferres) ist die „blinde Kuh“. Was zunächst als Spiel auf einem Kindergeburtstag beginnt, entpuppt sich bald als bittere Wahrheit. Das Leben der unbescholtenen Hausfrau und Mutter scheint völlig aus den Fugen zu geraten, als ihr Mann Max (Jeroen Willems) unerwartet verhaftet wird. Bald ist klar, dass der Unschuldige nicht ganz so unschuldig ist, wie die brave Ehefrau zunächst vermutet. Der erfolgreiche Geschäftsmann hat jahrelang als Mafia-Boss ein Doppelleben geführt: mit dubiosen Geschäftspartnern, einer Zweitfrau und allerlei Verstrickungen in die Organisierte Kriminalität.
Als Max dann auch noch unter mysteriösen Umständen aus der Haft verschwindet, will Katharina nicht länger die Augen verschließen und beginnt, den dunklen Machenschaften ihres Mannes auf die Spur zu kommen. Immer stärker gerät sie dabei selbst in den Strudel des Verbrechens. Bald hat sie die Polizei im Nacken – und Max dubiose Geschäfte am Hals. Für die ermittelnden Behörden ist sie Max’ vermeintliche Komplizin. Und auch seine kriminellen Geschäftspartner, die nach seinem Verschwinden in Aufruhr geraten sind, halten sich an sie. In der Hoffnung, ihre Ehe und ihre Familie doch noch retten zu können, lässt sich Katharina schließlich auf einen heiklen Deal ein.
Eins ist schnell klar: Bei diesem Eventfilm hat RTL keine Kosten und Mittel gescheut. Selten wurde ein Fernsehfilm so episch produziert. Paris, Nizza, Marseille, Wien und Moskau – die Drehorte erinnern eher an James-Bond-Filme denn an ein deutsches TV-Movie. Ebenso hochkarätig ist die Besetzung. Neben Veronica Ferres sorgt Axel Prahl als zynischer BKA-Ermittler im Taxifahrer-Look für die wenigen komischen Momente im sonst todernsten Thriller. Auch ausländische TV-Stars wie Mikael Persbrandt („Kommissar Beck“) und Delphine Chanéac sind mit von der Partie. Man merkt: die deutsche Produktionsfirma teamWorx wollte dem TV-Film wohl unter allen Umständen internationales Flair verleihen.
Wenn sich etwa Max „Zweitfrau“ Marie (Delphine Chanéac) im sexy Outfit nach einer schweren Schussverletzung mühevoll wie ein Kampfroboter aus dem Müll wühlt, muss man zwangsläufig an „Terminator“ oder „Kill Bill“ denken. Dennoch wirken viele Szenen eher wie schlechte Kopien, nicht aber wie gelungene Filmzitate.
Am Ende ist es Veronica Ferres selbst, die einen ständig daran erinnert, dass man sich nun mal nicht im großen Hollywoodfilm, sondern nur im deutschen TV-Movie befindet. Zu gering ist das Facettenpotenzial der deutschen Vorzeige-Schauspielerin. Als sie sich mit hochrangigen russischen Mafiosi trifft und währenddessen einen Anruf von zu Hause erhält („Die Kleine spuckt“), schafft es Ferres nicht im Ansatz, die Zerrissenheit ihrer Figur gelungen darzustellen. Sie bleibt in der Rolle verhaftet, die ihr – seit unzähligen Filmen – scheinbar auf den Leib geschrieben ist: das aufgebrachte Muttertier. Von Charisma oder dem Wechselspiel zwischen Kälte und Emotionalität, die einen guten „Paten“ auszeichnen, keine Spur.
Dass man nicht gleich zur Fernbedienung greift, um weiterzuschalten, ist letztlich der zuweilen doch recht spannenden Story zu verdanken. Aus Freund wird Feind und umgekehrt, vielschichtige Handlungsstränge verweben sich ineinander und die subjektive Erzählweise lässt den Zuschauer immer wieder schön im Dunkeln tappen. So entfaltet der Film – Ferres hin oder her – schnell eine Sogwirkung. Schade nur, dass die Spannung erst im zweiten und dritten Teil steigt, die erste Folge ist zu vorhersehbar. Demzufolge bleibt „Die Patin“ – trotz all der Zutaten, die eine gute Quote garantieren sollen – für RTL ein Wagnis.

„Die Patin“ läuft am Sonntag, 14.12.08, Montag, 15.12.08 und Mittwoch, 17.12.08, jeweils um 20.15 Uhr

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