Neues vom Mann, dem die Nachrichten gehören

Am Donnerstag erscheint in den USA eine nicht nur von der Medien-Elite mit Spannung erwartete Biographie. Sie trägt den furiosen Titel „The Man Who Owns the News“. Der Mann, dem die Nachrichten gehören, ist Rupert Murdoch, sein Biograph Michael Wolff, einer der profiliertesten US-Schreiber und seit zehn Jahren Medienkolumnist beim New York Magazine. Eine jetzt […]

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Am Donnerstag erscheint in den USA eine nicht nur von der Medien-Elite mit Spannung erwartete Biographie. Sie trägt den furiosen Titel „The Man Who Owns the News“. Der Mann, dem die Nachrichten gehören, ist Rupert Murdoch, sein Biograph Michael Wolff, einer der profiliertesten US-Schreiber und seit zehn Jahren Medienkolumnist beim New York Magazine.
Eine jetzt vom „Guardian“ veröffentlichter Vorabdruck lässt erste Ansätze des Psychogramms eines Medienmoguls erahnen. Wolff schildert, wie er als engagierter Journalist Murdoch zunächst „unausweichlich“ verachtete, dann aber immer mehr in seinen Bann gezogen wurde. Er beschreibt das erste Treffen mit dem damals schon über 70-Jährigen, zu dem dieser im Flanellhemd von Wal Mart erschien. Oder dass Murdoch, inzwischen 77, seine Haare selbst über dem Spülbecken färbt – weil er glaubt, dass es dann keiner mitkriegt. Oder dass die jeweilige Hackordnung innerhalb der Familie bei Urlaubstreffen daran erkennbar war, wer mit der größeren Yacht anreiste. Und Murdoch kultiviere seinen australischen Akzent statt ihn, wie die meisten Einwanderer, so schnell wie möglich abtrainiert zu haben. 
Am meisten fasziniert hat Wolff aber die Zielgerichtetheit, mit der Rupert Murdoch sein weltumspannendes Medienimperium aufbaute und bis heute dirigiert. Diesen Mann bewege eine brachiale, nicht nachlassende Leidenschaft. Er mache seit jeher, bilanziert Wolff beinahe frustriert, einfach was er will und das auch noch mit Erfolg. Hand aufs Herz: Welcher Medienstratege kann dies von sich behaupten?
Der Machtmensch Murdoch scheint auch seinen Biographen in den Griff bekommen zu haben. Der sechsfache Vater und dreifache Ehemann arrangierte für Wolff Interviews mit seinen vier erwachsenen Kindern. Zwei von ihnen, Elizabeth, 40, und Lachlan, 37, haben sich aus dem väterlichen Unternehmen schon vor Jahren zurückgezogen. Die älteste Tochter Prue hat die Medienkarriere bei News Corp nie gesucht. Sohn James ist mit 35 Jahren der unumstrittene Kronprinz des Patriarchen und maßgeblicher Motor der Murdochschen Digitalstrategie. Wolff frohlockt, dass er alle vier „ohne jegliche Bedingungen“ seitens Rupert Murdoch interviewen konnte.
Gesagt haben sie ihm offenbar nicht viel, zumindest nicht viel Despektierliches über den Mann, der seit fünf Jahrzehnten von seinen Kontrahenten geachtet, vor allem aber gefürchtet wird. Ihr Dad, sagen die Kinder habe immer nur ein Thema gekannt: die Medien. Beim Fühstück und beim Abendessen hätten sich die Gespräche um Zeitungen oder Fernsehsender gedreht, selbst am Wochenende sei das Haus voll mit Geschäftsfreunden des Vaters gewesen.
Ein Detail allerdings verrät die Ähnlichkeit der Erben-Generation mit Murdoch senior. Als Elizabeth Murdoch sich in den Enkel von Sigmund Freud, Matthew Freud, verliebte und einen Hochzeitstermin anberaumte, hatte die Familie Zweifel an der ehelichen Treue des umtriebigen PR-Beraters. Prue eröffnete ihm: „Wenn du Elisabeth weh tust, bringe ich dich um.“ Die knappe Antwort von Freud: „Das hat mir dein Bruder James auch gesagt.“ Man kann davon ausgehen, dass Rupert Murdoch in solchen Momenten auf die beiden ziemlich stolz ist.

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