Interview-Wettrennen um Helmut Schmidt

Helmut Schmidt in allen Blättern. Der Alt-Kanzler feiert 90. Geburtstag und ist beliebt und begehrt wie nie zuvor. Schmidt ist für Medien geradezu der Prototyp des Elder Statesman. Er muss keine Rücksichten nehmen, er nimmt auch keine, er verfügt über einen überreichen Erfahrungsschatz und eine geschliffenen Sprachstil, er ist im hohen Alter noch blitzgescheit und pfeift auf Political Correctness (Rauchen). Zum 90. entbrannte nun ein Interview-Wettrennen zwischen "Zeit", "Spiegel" und "FAZ".

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Helmut Schmidt in allen Blättern. Der Alt-Kanzler feiert 90. Geburtstag und ist beliebt und begehrt wie nie zuvor. Schmidt ist für Medien geradezu der Prototyp des Elder Statesman. Er muss keine Rücksichten nehmen, er nimmt auch keine, er verfügt über einen überreichen Erfahrungsschatz und eine geschliffenen Sprachstil, er ist im hohen Alter noch blitzgescheit und pfeift auf Political Correctness (Rauchen). Zum 90. entbrannte nun ein Interview-Wettrennen zwischen „Zeit“, „Spiegel“ und „FAZ“.

Kein Wunder, dass der Mann so begehrt ist. Seine Eigenschaften heben ihn deutlich ab vom aktuell verfügbaren politischen Personal. Für den Politik-Teil ist Helmut Schmidt daher eine absolut sichere Nummer.

Das Medien-Phänomen Schmidt feierte zu seinem Geburtstag natürlich Urständ. Zuerst kam die „FAZ“ mit einem großen und lesenswerten Helmut-Schmidt-Interview am Montag. Am gleichen Tag erschien der „Spiegel“ mit der Titelstory aber ohne Interview. Der „Spiegel“ hatte den Alt-Kanzler auch interviewt aber, leider, leider, hat sich die Autorisierung verzögert, so dass das Gespräch nicht mehr rechtzeitig freigegeben werden konnte. Die „Süddeutsche“ berichtet, dass böse Zungen behaupten, bei der „Zeit“, wo Schmidt Herausgeber ist, habe man sich extra viel Zeit für die Autorisierung des Interviews gelassen, um dem „Spiegel“ bei den Helmut-Schmidt-Medien-Festspielen nicht den Vortritt zu lassen. Immerhin erscheint der „Spiegel“ als E-Paper schon samstagabends und gedruckt vielerorts sonntags. Das wäre ein reichlich großer Vorsprung vor Schmidts Hausblatt „Zeit“ gewesen, wo die Schmidt-Festspiele erst an diesem Donnerstag zelebriert werden. Der „Spiegel“ druckte trotzdem seine Schmidt-Story und titelte „Über Schmidt“ und eben nicht „Mit Schmidt“.

An diesem Donnerstag nun zieht die „Zeit“ nach und schießt, zumindest was den Umfang betrifft, naturgemäß den Vogel ab. Vereinnahmende Titelzeile: „Unser Schmidt“. Heimspiel für Helmut Schmidt, sozusagen. Zum Auftakt in dieser Woche erscheint der Sonderteil „Helmut Schmidt: der Staatsmann“, nächste Woche folgt „Helmut Schmidt: der Publizist und Privatmann“. Darin finden sich nicht nur allerlei gewiss lesenswerte Stücke von und mit Helmut Schmidt, sondern auch viele Gratulations-Anzeigen der Industrie, die es sich, wie man so schön sagt nicht nehmen lässt, Helmut Schmidt ihre Referenz zu erweisen. Bei dem Beliebtheitsgrad des Altkanzlers hatte die Anzeigenabteilung der „Zeit“ hier sicher keinen allzu schweren Stand bei der Akquise. Und die „Zeit“ freut sich über ihren beliebten und wortgewaltigen Herausgeber sowie einen dicken Batzen Anzeigen-Geld mitten in der Krise. Nächstes Jahr dürfte es ruhiger werden um den großen Helmut Schmidt. Auch seine viel beachtete Kolumne mit „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, „Auf eine Zigarette mit…“, läuft aus. Und wie hat es der Altkanzler in der „FAZ“ in seiner trockenen Art bemerkt: „Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ich noch etwas mache. Im Alter von 90 Jahren hat man keine großen Pläne mehr.“

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