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ProSiebenSat.1: Ebelings Herkules-Job

Gute und schlechte Nachrichten bei der angeschlagenen Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media. Die gute: Ein Nachfolger für den scheidenden CEO Guillaume de Posch ist endlich gefunden. Die schlechte: Für die immensen Probleme dürfte auch Thomas Ebeling kaum eine Musterlösung parat haben. Der MDax-Konzern ist mit fast 3,9 Milliarden Euro verschuldet und steht damit unter dem Druck seiner Private Equity-Investoren. Wie passend, dass mit dem ehemaligen Novartis-Manager Ebeling ein Mann fürs Grobe kommt.

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Der Job ist eigentlich ein Himmelfahrtskommando, doch das will Thomas Ebeling (49) nutzen. Ein halbes Jahr lang wurde vergebens nach einem Nachfolger für den verdienten belgischen Medienmanager Guillaume de Posch gefahndet, den vor mehr als fünf Jahr an die Isar gewechselt war, um den damals schon in Schieflage geratenen TV-Konzern wieder auf Vordermann zu bringen.

Damit ging es schnell voran: Das einstige Filetstück der pleitegegangenen KirchMedia war 2003 vor dem Amtsantritt von de Posch vom ägyptisch-amerikanischen Medientycoon Haim Saban übernommen worden – für seinerzeit  525 Millionen Euro oder 7,50 Euro je Aktie. Rund drei Jahre später ging die Münchner Sendergruppe nach massiver Restrukturierung schließlich nicht an die Axel Springer AG, die kartellrechtlich ausgebremst worden war – sondern an die britische Permira und die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR).

Einziger Gewinner der ProSiebenSat.1-Sanierung: Haim Saban

Der Deal war gut für Haim Saban, der sein Kapital binnen 40 Monaten mehr als verfünffachte und am Ende mit mehr als drei Milliarden Euro wieder aus Deutschland abreiste. Für die Beteiligten indes begann an dieser Stelle ein einziger Abstieg.  

Mit der Übernahme-Konstruktion nämlich besiegelte die seinerzeit sanierte Münchner Sendergruppe nämlich ihr eigenes Schicksal: Anstelle des türkischen Mischkonzerns Dogan, der als Favorit für die Übernahme gehandelt worden war, holte sich ProSiebenSat.1 jene als „Heuschrecken“ verschriene Private Equity-Investoren ins Haus. „Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter“, heute SPD-Chef Franz Müntefering die Branche einst gegeißelt.

Teuer bezahlt: 3,3 Milliarden Schulden für SBS-Übernahme

Weitergezogen sind sie noch nicht. Doch ihre Handschrift ist längst unverkennbar: Permira und KKR verkauften die skandinavische Senderkette SBS Broadcasting Group, deren Anteile sie selbst besaßen, nur ein halbes Jahr später für den stolzen Preis von 3,3 Milliarden Euro an ProSiebenSat.1. Damit stieg die fusionierte Sendergruppe zwar nominell zur Nummer eins im europäischen Privatfernsehmarkt auf – defacto hatte ProSiebenSat.1 jedoch damit eine Schuldenlast zu schultern, die bald die eigene Marktkapitalisierung übertreffen sollte.

Die üppige Dividende von 245 Millionen Euro, die sich KKR und Permira von ProSiebenSat.1 jährlich auszahlen lassen, obwohl die den Nettogewinn um das Dreifache übersteigt, haben die Schuldenlast ebenso immer stärker ansteigen lassen wie die Bedienung der Zinsen, die jährlich allein über 250 Millionen Euro betragen. Der Einbruch am Werbemarkt tut sein Übrigens: Gerade mal 100 Millionen Euro konnte das Unternehmen im vergangenen Quartal noch erwirtschaften – und das war bekanntlich vor der Finanzmarktkrise.  

Undankbare Aufgabe: „Der Job, den keiner wollte“

Rein volkswirtschaftlich betrachtet, ist ProSiebenSat.1 also kaum handlungsfähig. Wohl und Wehe hängt an der Willkür der Eigner KKR und Permira, die angesichts eines komplett zusammengebrochenen Aktienkurses von 1,50 Euro nun mit aller Macht versuchen dürften, die Übernahme nicht zum kompletten Verlust-Engagement verkommen zu lassen.

Eine undankbarere Aufgabe gibt es für einen Vorstandsvorsitzenden wohl kaum. So überrascht die sechsmonatige Nachfolge-Odyssee für den scheidenden de Posch dann auch nicht. „Der Job, den niemand wollte“, betitelte die FAZ die Nachfolgereglung gestern süffisant.

Neues Bestätigungsfeld nach „Zigaretten, Limonade und Pillen“

Thomas Ebeling muss ihn ab März nun antreten. Der Name überrascht, zumal der 49-Jährige Quereinsteiger eines nicht mitbringt – Erfahrung in der Medienbranche. „Zigaretten, Limonade und Pillen hat Thomas Ebeling in seinem bisherigen Berufsleben an den Mann gebracht“, schreibt die FTD etwas hämisch. 

Dafür sagt man dem studierten Psychologen einen Hang zu auch unpopulärem Maßnahmen nach – „ruppig“, nennt ihn die „FAZ“. Beim EuroStoxx50-Konzern Novartis ist Ebeling damit gescheitert, hat die Wirtschaftspresse unlängst befunden. Einige Zeit wurde der Hannoveraner schon als möglicher vom Konzernchef Daniel Vasella gehandelt – dann musste er den Titel des Pharmachefs abgeben und wurde zur schließlich zur deutlich unbedeutenderen Consumer Health-Sparte versetzt.  

Bereits vor sechs  Wochen verließ Ebeling das Pharma-Unternehmen. Sein Einstieg bei der strauchelnden Sendergruppe ProSiebenSat.1ist eine mutige und riskante Entscheidung – für beide Seiten. Ausgang: völlig offen. Unterhaltungswert: hoch. Am Ende also doch die besten Voraussetzungen für die notorisch geschwätzige Medienbranche…

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