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Murdoch bringt „WSJ“ zurück auf die Spur

Die Horrormeldungen aus der US-Verlagsbranche reißen nicht ab. Umso bemerkenswerter erscheint mitten in der tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg das Comeback des renommierten "Wall Street Journals", an dem Medientycoon Rupert Murdoch feilt, als ginge es um sein eigenes Lebenswerk. Erste Erfolgsbilanz rund ein Jahr nach der Übernahme der Verlagsmutter Dow Jones: Der Einzelverkauf zieht gegen den Markttrend um 20 Prozent an.

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Es gibt nicht wenige Branchenkenner, die behaupten, Rupert Murdoch habe Jahrzehnte an der Übernahme der Dow Jones Company gefeilt. Im letzten Jahr schlug dann schließlich die Stunde des wahrlich letzten Tycoons der Medienbranche – der 77-jährige Australier mit amerikanischem Pass legte ein – Zitat Murdoch – „großes, generöses Angebot“ vor, das für den angeschlagenen US-Traditionsverlag und die dazugehörige Bancroft-Sippe schlicht zu gut war, um es abzulehnen.

„Du magst dein Haus lieben“, wurde einer der 34 Stimmberechtigten der Bancroft-Familie, die seit Generationen Mehrheitseigentümer des Traditionsverlags sind, während der zähen Verhandlungen zitiert, „aber wenn dir jemand das Doppelte dessen bietet, was es wert ist, dann musst du seine Offerte wenigstens anhören – egal, wie sehr du den Käufer magst oder nicht magst.“

Übernahme gegen alle Widerstände:  Rupert Murdoch gelang im letzten Jahr der WSJ-Coup

Gemocht wurde Rupert Murdoch nicht, als der Deal im Spätsommer letzten Jahres über die Bühne ging – zu groß war die Ablehnung vor dem erzkonservativen Unternehmer, der sich mit Tages-Zeitungen und TV-Sender ein globales Imperium  aufgebaut hatte.  „Die gute Nachricht ist: Das ‚Wall Street Journal‘ wird gut finanziert, besser denn je. Die schlechte: Eine Saga geht zu Ende“, kommentierte seinerzeit CNBC-Moderator James Cramer („Mad Money“) das Ende der Übernahmeschlacht.

Ein Jahr später, mitten in der tiefsten Finanzmarktkrise seit dem Zweiten Weltkrieg, die die zyklische Medienbranche besonders hart trifft, scheinen die guten Nachrichten für den inzwischen 119 Jahre alten Traditionstitel immer besser zu werden. Während die Branche ihre Wunden leckt und massive Schuldenstände beklagt, zweistellige Umsatzeinbußen im Zeitalters des Siegeszugs der elektronischen Medien längst ebenso zum Alltag gehören wie Massenentlassungen, beeindruckt das „Journal“  mit dem Gegenteil: Wachstum und Ausbau des Angebots.

Last Men standing: „Wall Street Journal legt gegen den Marktrend zu

Um stolze 20 Prozent zogen die Einzelhandelsverkäufe seit dem Beginn der Finanzmarktkrise vor einem Monat an – komplett gegen den Markttrend der schwindsüchtigen US-Zeitungsbranche. Und auch das beliebte Online-Angebot WSJ.com, das Murdoch zunächst kostenfrei anbieten wollte, erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Mehr als 20 Millionen Unique Visitors zählte die prämierte Finanzwebsite zuletzt – noch mehr als doppelt so viel wie aufstrebende Online-only-Angebote wie TheStreet.com. Fast scheint es, als sollte Rupert Murdoch wieder einmal den letzten Lacher auf seiner Seite haben –  und das mitten in der Krise, während die Tribune in die Insolvenz stürzt und die New York Times Tafelsilber verkaufen muss, um zu überleben.

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