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Madonna: 5,8 Mio. Euro von Boulevardblatt?

Der Präzedenzfall Max Mosley macht's möglich: Nachdem der Formel 1-Funktionär wegen der Veröffentlichung eines heimlich aufgenommenen Sex-Videos erfolgreich Schadenersatz erstritt, sehen sich auch andere Prominente zu Klagen wegen der Verletzung ihrer Privatsphäre ermutigt. Jüngster Fall: Madonna, die rekordträchtige 5,8 Mio. Euro von der "Mail on Sunday" fordert. Das Verfahren könnte die britische Pressewelt verändern, die bislang als die aggressivste Art ihrer Gattung galt.

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Die Anwälte der Pop-Sängerin begründen die Klage mit einem erheblichen Bruch der Privatsphäre. Die Sonntagszeitung hatte Fotos von der Hochzeit Madonnas mit Regisseur Guy Ritchie aus dem Jahr 2000 gedruckt, die aus einem Anwesen Madonnas in Beverly Hills gestohlen worden und zuvor noch nie veröffentlicht worden waren. Madonna beschuldigt eine Innenarchitektin, die Hochzeitsbilder bei einem Ortstermin heimlich kopiert zu haben. Mit den Fotos illustrierte die „Mail on Sunday“ im Oktober die Story über die bevorstehende Scheidung des Paares.
Der Medienkonzern Associated Newspapers, der neben „Daily Mail“ auch die „Mail on Sunday“ verlegt, hatte die strittigen Fotos für umgerechnet 5.800 Euro erworben. Die Folgen des Verfahrens vor einem Londoner Gericht könnten für das Haus jetzt aber erheblich teurer werden. Das Gericht hat in einem ersten Urteil festgestellt, das ein Bruch der Privatsphäre des Weltstars vorliegt. Die Hochzeit sei ein „komplett privates Ereignis“ gewesen, hieß es. Über die Höhe der Schadenersatzansprüche will die Kammer aber erst im neuen Jahr entscheiden.
Im Sommer hatte FIA-Präsident Max Mosley vom britischen Revolver-Blatt „News of the World“ knapp 70.000 Euro Schadenersatz erstritten. Dabei ging es um ein mit versteckter Kamera aufgenommenes Video, das Mosley bei einer Sex-Party mit sadomasochistischen Inszenierungen zeigt. Die vom Gericht verhängte Zahlung wirkt im Vergleich zu Madonnas Forderung fast lächerlich gering, allerdings musste die Zeitung damals auch für die Anwaltskosten Mosleys in Höhe von mehreren hunderttausend Euro aufkommen.
Und der Ärger ist noch nicht vorüber: Mosley klagt inzwischen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Er will erreichen, dass Verlage generell keine privaten Angelegenheiten mehr veröffentlichen dürfen, ohne dass die Betroffenen zuvor ihr Einverständnis gegeben haben. In Zweifelsfällen sollen Richter über eine Veröffentlichung entscheiden. Mosley, dessen Video inklusive der (haltlosen) Unterstellung, er sympathisiere mit den Nazis, um die Welt ging, begründet das so: „Wenn schon jemand einem das Leben ruiniert, dann ein Richter und nicht ein Redakteur.“
Die britische Boulevardpresse träfe ein erneuter Richterspruch à la Mosley hart. Traditionell gilt sie weltweit als die aggressivste und rücksichtsloseste Art ihrer Gattung. Hitler-Vergleiche, deutsche Politiker mit Stahlhelmen, Beleidigungen und Hetzkampagnen gehören auf dem umkämpften Markt der Kaufzeitungen so sehr zum üblichen Instrumentarium der Berichterstattung, dass die Boulevardtitel bisweilen wie eine Karikatur ihrer selbst wirken. Volle Namensnennung und der Verzicht auf das Verfremden von Fotos von Opfern und Tätern sind üblich. Das extrem liberale britische Presserecht erlaubte, dass diese Praktiken vor allem im Umgang mit Prominenten jahrzehntelang folgenlos blieben.
Durch den wachsenden Einfluss des europäischen Rechts könnte sich dies ändern. Mit Spannung wird deshalb das Urteil im Fall Madonna erwartet. Ein Sprecher von „Mail on Sunday“ sieht es gelassen. Die Forderung der Sängerin sei „reine Phantasie“.

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