US-Zeitungsriese Tribune vor Insolvenz

Die Krise auf dem US-Zeitungsmarkt spitzt sich zu. Buchstäblich über Nacht verdichteten sich die Gerüchte über eine drohende Pleite der renommierten Tribune Company. Der US-Traditionsverlag, zu dem die Los Angeles Times, Chicago Tribune und 23 lokale TV-Sender zählen, kann seinen Schuldenstand offenbar nicht mehr bedienen. Bis auf enorme 13 Milliarden Dollar sind die Verbindlichkeiten des zweitgrößten US-Zeitungsverlags inzwischen angestiegen.

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Die Finanzmarktkrise fordert die nächsten Opfer. Wie das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ übereinstimmend in der Nacht zum Montag berichten, steht die Tribune Company offenbar kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Der zweitgrößte Zeitungsverlag der USA könnte schon im Laufe der Woche Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen.

Wie die „New York Times“ berichtet, habe Verlagseigentümer Sam Zell, der die Tribune erst im vergangenen Jahr übernommen hatte, bereits die Investmentbank Lazard und die Anwalts-Kanzlei Sidley Austin beauftragt, um den Insolvenzantrag beim zuständigen US-Bundesgericht zu stellen. Damit könnte das Unternehmen unter Auflagen eine Umstrukturierung der Verbindlichkeiten vornehmen.  

Sam Zell: Tribune-Übernahme erst im vergangenen Jahr

Die Schieflage der Tribune kommt allerdings nicht ganz überraschend. Seit Jahren ist der Traditionsverlag stark überschuldet. Der umtriebige Investor Sam Zell, der vor genau vier Jahrzehnten die Equity Group gründete, die zu einer der bedeutendsten Investmentfirmen der Wall Street aufsteigen sollte, hatte die Tribune erst im  vergangenen Jahr in einer spektakulären Transaktion für 8,2 Milliarden Dollar übernommen – inklusive  des immensen Schuldenstands, der inzwischen die 13 Milliarden Dollar-Grenze erreicht hat.

Obwohl der zweitgrößte Zeitungsverlag der USA mit 9 Tageszeitungen – darunter die „Los Angeles Times“ und „Chicago Tribune“ – und 23 lokalen TV-Sendern über nennenswerte Vermögenswerte verfügt, belasten in Zeiten der Finanzmarktkrise die ausstehenden Verbindlichkeiten immer mehr, weil sich die Bedingungen zur Kreditfinanzierung dramatisch erschwert haben.

Hausgemachte Probleme: Tribune schreibt rote Zahlen

Das Medienunternehmen mit Hauptsitz in Chicago muss allein in diesem Jahr für Zinszahlungen über eine Milliarde Dollar aufwenden – weitere 500 Millionen Dollar sind im nächsten Jahr fällig.

Dabei schreibt die Tribune Company selbst im operativen Geschäft rote Zahlen: Im abgelaufenen Oktober-Quartal musste gerade erst ein Verlust von 124 Millionen Dollar ausgewiesen werden, nachdem im Vorjahreszeitraum noch Gewinne von 84 Millionen Dollar angefallen waren. Auch der Umsatz ging um zehn Prozent zurück.

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