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Döpfner legt die Schampus-Pulle weg

Die Axel Springer AG schafft das fast Unmögliche in diesen Zeiten: sich ein gutes Image zu verpassen. Und wie machen sie das bei Springer? Indem sie einige Dinge schlicht nicht tun! Zum Beispiel nicht en gros Leute rausschmeißen, Titel einstellen oder rauschende Parties feiern. Alle Großveranstaltungen für das kommende Jahr werden bei Springer wohl gestrichen. […]

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Die Axel Springer AG schafft das fast Unmögliche in diesen Zeiten: sich ein gutes Image zu verpassen. Und wie machen sie das bei Springer? Indem sie einige Dinge schlicht nicht tun! Zum Beispiel nicht en gros Leute rausschmeißen, Titel einstellen oder rauschende Parties feiern. Alle Großveranstaltungen für das kommende Jahr werden bei Springer wohl gestrichen. Also nicht bloß „Das Goldene Lenkrad“ und die seltsame „Osgar“-Verleihung der „Bild“, sondern auch die Renommier-Gala „Die Goldene Kamera“, die bisher immer in der ARD übertragen wurde. Die Botschaft der neuen Bescheidenheit im Hause Springer durfte der „Spiegel“ in einer
Vorabmeldung überbringen. Springer-Chef Döpfner wolle die Zwangspause bei den Veranstaltungen nutzen, die Konzepte der Events „radikal überdenken zu lassen“.

Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert:

1. Als Reaktion Springers auf Burda. Der Münchner Verlag hat gerade mit viel Pomp seine 60. Bambi-Verleihung über die Bühne gebracht. Während bei Burda die Bambi-Show mit ihrem ganzen Brimborium fest in die Vermarktungskette des Konzerns eingebunden ist, kann Springer offenbar ganz gut auch ohne „Goldene Kamera“-Gedöns leben. Die Vermutung liegt nahe, dass Bambi den Burdas mehr bringt als „Goldene Kamera“ und Co. den Springers. Denn nur aus Menschenfreundlichkeit und Rücksicht würde Springer sicher nicht seine Events so „radikal“ überdenken, vulgo: streichen. So kann Döpfner seine teuren Veranstaltungen, streichen, und dafür auch noch Applaus bei der Belegschaft abholen.

2. Als Kontrapunkt zur rüden Rausschmisspolitik von Gruner + Jahr und der WAZ-Gruppe. Ganz schön geschickt. Während WAZ und G+J mit ihrer rüpelhaften Personalpolitik nicht aus den Negativ-Schlagzeilen herauskommen, legt Springer-Chef Döpfner demonstrativ die Schampus-Pulle aus der Hand und verkündet „Mitarbeiter first“. Er wolle lieber an Champagner und Lachshäppchen sparen als an wertvollen Mitarbeitern und Journalismus, lässt der Springer-Chef via „Spiegel“ ausrichten. Das dürfte gesessen haben.

Ausgerechnet Springer als Good-Guy im Medienzirkus? Wer hätte das gedacht. Viele, die über den Umzug der „Bild“-Redaktion von Hamburg nach Berlin schimpften sind nun voll des Lobes über den Konzern. Alles war von langer Hand geplant, es gab großzügige Übergangsregelungen etc. Die Mega-Baustelle „Welt“-Gruppe hat Springer schon vor Jahren in Angriff genommen und schrittweise saniert. Klar, bei denen hat es auch gerumpelt und Leute blieben auf der Strecke. Verglichen mit den Hauruck-Aktionen bei WAZ und G+J muss man aber schon sagen, dass Springer viel früher, mit mehr Weitblick und mehr Gespür für die Mitarbeiter zu Werke gegangen ist. Man darf gespannt sein, was aus anderen Verlagen noch so alles kommt.

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