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WAZ-Kahlschlag: 260 Stellen weg

Im Essener Großkino Lichtburg informierte WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach die Belegschaft am Freitag, dass 260 von 890 Stellen bei den NRW-Zeitungen gestrichen werden. Besonders bluten müssen die Lokalteile. Allein hier sollen über 200 Stellen wegfallen. Grundlage des radikalen Stellenabbaus ist ein Strategiepapier der Unternehmensberatung Schickler, die den notwendigen Abbau auf 261 beziffert hat. Das Papier der Berater wird nun also bis auf eine Stelle exakt umgesetzt.

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Hintergrund der drakonischen Maßnahme ist, dass bis auf die „WAZ“ selbst alle NRW-Zeitungen des Konzerns Verluste schreiben. So hätten „Westfälische Rundschau“ („WR“), „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ („NRZ“) und „Westfalenpost“ („WP“) in den ersten drei Quartalen des Jahres 30 Millionen Euro Miese gemacht. Genau diese Summe will WAZ-Mann Hombach sparen, um so die gesamten NRW-Zeitungen wieder in die Gewinnzone zu bringen. Die WAZ“ machte im selben Zeitraum nach Angaben auf einer ersten Betriebsversammlung 20 Mio. Euro Gewinn.

Laut Hombach soll der Stellenabbau möglichst ohne Kündigungen über die Bühne gehen. Es würden Angebote zur Altersteilzeit gemacht und es soll vermehrt auf Teilzeitarbeit gesetzt werden. Dass es tatsächlich ohne Kündigungen geht, konnte Hombach aber nicht versprechen.

Künftig sollen die WAZ-Zeitungen nach einem Konzept von Geschäftsführer-Chefredakteur Ulrich Reitz von einer zentralen Mantelredaktion bestückt werden, mit Ausnahme der „WP“. Für diesen neuen Newsdesk in Essen sollen nach dem Strategiepapier der Schickler-Berater 85 Redakteure arbeiten. In den alten Mantelredaktionen sollen Redakteure die Texte aus der Essener News-Zentrale dann lediglich auf lokale Gegebenheiten hin anpassen.

Für Wirbel sorgte im Vorfeld der Betriebsversammlung auch eine Personalie. Die umstrittene Chefin der als besonders defizitär geltenden „Westfälischen Rundschau“, Kathrin Lenzer, verließ den Verlag Knall auf Fall und wurde ausgerechnet durch den langjährigen „WR“-Mann Malte Hinz ersetzt, der auch „WR“-Betriebsratschef und Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutsche Journalisten Union (dju) ist.

Im Protest-Blog zu den WAZ-Sparplänen äußerten sich viele Kommentatoren äußerst kritisch zu seiner Berufung. Hinz’ Aufstieg zum Chefredakteur wird von vielen als Verrat empfunden. Prompt fordert der dju-Berlin-Brandenburg den Hinz’ Rücktritt vom Bundesvorsitz und allen Gewerkschaftsämtern. Der Berlin-Brandenburger dju-Chef Matthias Gottwald: „Wer sich an der Umsetzung des Kahlschlagkonzepts von WAZ-Superchefredakteur Reitz auch noch beteiligt, kann als dju-Bundesvorsitzender nicht mehr die Interessen der von Kündigung bedrohten Kolleginnen und Kollegen vertreten.“ Das dürften viele WAZ-Angestellte ähnlich sehen.

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