Verdi-Funktionär Hinz wird „WR“-Boss

Ablenkungs-Manöver, PR-Trick oder nötige Personalkorrektur? Über die heutige Betriebsversammlung der WAZ, auf der die Geschäftsführung ihren rund 900 Redakteuren die geplanten Sparmaßnahmen erklären will, redet erstmal niemand mehr. Thema der Stunde: Kathrin Lenzer, Chefredakteurin des WAZ-Titels "Westfälische Rundschau", hat gekündigt. Ihr Nachfolger wird Malte Hinz. Pikant: der bisherige Redaktionsleiter der "WR" ist Betriebsrat und Verdi-Funktionär.

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Nach Informationen der „FAZ“ hat Lenzer von sich aus gekündigt und wurde daraufhin mit sofortiger Wirkung beurlaubt – sehr zum Ärger von  WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach. Der Chef des Essener Verlages hatte sich immer wieder vor seine umstrittene Chefredakteurin gestellt. Vor allem innerhalb der Redaktion galt Lenzer als unbeliebt und isoliert. Eine der ersten Reaktionen im Betriebsrats-Blog Medienmoral-nrw.de lautete: „Ich als gebeutelter, längst an Krücken gehender WRler bin einfach nur erleichtert über diese Personalie. Zutiefst erleichtert“, postete „wundervonlourdes“. Selbst das sonst um Objektivität bemühte Blog schrieb: „Während im Blog die Personalie auch kritisch diskutiert wird, überwog bei den Kollegen vor Ort Freude und Erleichterung über die Entscheidung.“

Malte Hinz ist seit vielen Jahren bei der „Westfälischen Rundschau“. Zuletzt arbeitete er als Redaktionsleiter. Seit März 2007 ist er zusätzlich noch Vorsitzender des Bundesvorstands der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) und Mitglied des WAZ-Betriebsrates. Neuer stellvertretender Chefredakteur wird der bisherige Dortmunder WR-Lokalchef Frank Fligge.

Die Folgen der Hinz-Bevörderung sind aktuell noch nicht abzusehen. Die Netz-Kommentare der betroffenen Mitarbeiter reichen von Erleichterung bis zu Verrats-Theorien. Denn der neue Chef wird – ob nun Verdie-Fuktionär oder nicht – die Sparmaßnahmen mittragen und umstetzen müssen.

Von Kathrin Lenzer ist bekannt, dass sie sich gegen zu tiefe Spareinschnitte bei ihrer „Westfälischen Rundschau“ gesperrt haben soll. In internen Mails wies die 37-Jährige immer wieder darauf hin, dass die Abonnenten-Verluste der „WR“ mit rund 2,65 Prozent „die geringsten Abo-Verluste aller NRW-Titel“ seinen.

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