Twitter-CEO: „Wir bleiben unabhängig“

Neues von Twitter: Der Microblogging-Dienst Twitter bleibt unabhängig, rast von Rekord zu Rekord und will bald Geld durch Premium-Angebote einnehmen. CEO Evan Williams traf sich beim Churchill Club mit „Portfolio“-Redakteur Kevin Maney in San Francisco, um über die aktuelle Lage und die Zukunft bei Twitter zu reden. Der Finanzkrise sieht Williams gelassen entgegen, denn offenbar ist eine zweite Finanzierungsrunde 2009 nicht zwingend notwendig. MEEDIA war exklusiv vor Ort.

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Um gleich mit allen Gerüchten über eine Übernahme durch Facebook aufzuräumen, macht Williams unmissverständlich klar, dass Twitter nicht verkauft werde. Die genannte Summe von 500 Millionen Dollar sei zwar verlockend, dennoch habe man die Verhandlungen abgebrochen. In den nächsten Wochen habe die Twittermannschaft viel vor. Da sei Unabhängigkeit unabdingbar.

Demnach soll die Suchfunktion auf Twitter künftig prominenter gestaltet werden. Die Erfahrungen aus der US-Präsidentenwahl haben gezeigt, dass die gemeinsam mit summize.com entwickelte Suchfunktion reif für die Allgemeinheit sei. Darüber hinaus plant Twitter in Kürze die „low hanging fruits“ abzugrasen und zum Beispiel Neunutzern einen leichteren Anschluss an die Twittergemeinde durch Empfehlung von beliebten Tweeds zu geben.

Beim Thema Erlöse setzt Williams auf bezahlte Dienstleistungen. Twitter soll mittelfristig durch die Bereitstellung von Services zahlende Firmen- und Medienkunden gewinnen. Vorstellbar sei die Verbreitung von Waren- und Dienstleistungsangeboten. Eine Finanzierung durch Werbung kommt für Williams kaum in Frage, obwohl die glaubt, obwohl aktuellen Nutzerzahlen nach eigenen Angaben schon ausreichen würden, um Twitter komplett zu tragen.

In dem Gespräch mit Maney lies sich Williams ein Bekenntnis zur Redefreiheit entlocken. Die Terroranschläge in Mumbai und die damit verbundenen tweeds hatten twitterinterne Diskussionen ausgelöst. Die Frage war, ob man entsprechende Channel abschalten würde, wenn man sie von offizieller Seite darum bitten würde. Williams und seine Mitarbeiter betrachten Twitter als unabhängiges Tool. Daher hätten sie nicht abgeschaltet.

In punkto Benutzerdemographie wusste der CEO Interessantes zu berichten: Der Alterdurchschnitt der Twitternutzer ist erstaunlich hoch. Williams erklärt das mit dem Effekt, dass junge Leute, vor allem College Studenten, Facebook nutzen, um Instant Blogging zu betreiben und daher Twitter als redundant ansehen. Insgesamt sieht er unheimliches Wachstum, gerade in der nächsten Zeit; die höchste Anzahl an Tweeds/Sekunde erreichte das Microblog, als CNN in der Wahlnacht Obama zum Sieger machte. Nimmt man den Election Day außen vor, werden momentan fast täglich neue Rekorde erreicht. Konkrete Nutzerzahlen wollte Williams allerdings nicht bekannt geben.

Das Gespräch endete mit einem Ausblick in die Zukunft jenseits der Landesgrenzen. Williams glaubt, dass man kein Web 2.0 Unternehmen ohne Ziel der Internationalisierung mehr gründen kann. Die Ideen würden sonst schnell von Nachahmern in andere Märkte getragen werden. Momentan scheitern Anpassungen von Twitter für viele internationale Märkte an den unterschiedlichen Kostenmodellen im SMS-Bereich. Man versucht aber, Lösungen vor allem für Kernmärkte zu finden. Ob man wie in Japan mit Partnern vor Ort arbeiten will, sei nicht nicht entschieden, auf keinen Fall will er aber in jedem Markt eine Twitterfiliale aufmachen.

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