„Einestages“ kommt wieder als Magazin

Im Februar löste das dynamische Duo Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo den langjährigen „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust ab. Nun gaben die beiden Neuen ihr erstes Antrittsinterview in der „FAZ“. Fazit: Beim „Spiegel“ läuft alles super, kein Bedarf für Änderungen. Die „Spiegel“-Chefs sehen keinen Grund für einen Einstellungsstopp und wollen eine zweite Ausgabe des Web-to-Print Magazins „Einestages“ herausbringen, obwohl sich die erste Nummer miserabel verkauft hat.

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So wie sich die beiden „Spiegel“-Chefs im „FAZ“-Interview präsentieren, fragt man sich schon, warum Aust unbedingt weg musste. Keine neue Vision für Deutschlands führendes Nachrichtenmagazin. „Das Blatt braucht keine Revolution. Der „Spiegel“ entwickelt sich stetig“, teilt der ehemalige „Spiegel Online“-Macher Müller von Blumencron relativ lapidar mit. Musste Aust letztlich nur gehen, weil die Mitarbeiter seines autoritären Führungsstils überdrüssig waren?

Blumencron und Mascolo jedenfalls sind Männer der Mitarbeiter und der Mitarbeiter KG, die mit 50,5 Prozent Mehrheitsgesellschafter am Spiegel Verlag ist. Da verwundert es nicht, dass sie kein kritisches Wort für diese, in der Branche einzigartige, manche sagen: eigenartige, Eigentümer-Konstruktion finden. „Wir machen das bestmögliche Blatt. Da spielt es keine Rolle, dass die Kollegen Mitgesellschafter sind und einige der Kollegen diese Gesellschafter vertreten“, sagt Blumencron in dem Interview.

Die Mitarbeiter haben ihre neuen Chefs lieb und die Chef mögen sich gegenseitig auch ganz doll. Jeder führe für zwei Wochen die Geschäfte aber alle beide würden jeden Tag beim Blatt Hand anlegen. Das nächste Jahr werde zwar schwierig, aber einen Weltuntergang befürchtet Blumencron, der im Interview die inhaltsreicheren Sätze sagt, nicht: „Hier gibt es keinen Einstellungsstopp.“

Und auch keinen Stopp für Experimente. Die gedruckte Version der Zeitgeschichts-Community einestages.de soll eine zweite Auflage bekommen. Obwohl sich das erste gedruckte „Einestages“- Heft mit dem Titelthema „Die Achtziger“ miserabel verkauft hat. Bei einer Druckauflage von 200.000 Exemplaren sollen am Kiosk nur um die 50.000 Hefte weggegangen sein.

Keine Experimente gibt es dagegen in der Struktur der Redaktion. Des Trend zu integrierten Newsrooms und Redaktions-Fusionen wollen die „Spiegel“-Chefs nicht mitmachen. „Spiegel“ und „Spiegel Online“ werden zwei getrennte Redaktionen bleiben, die eng zusammenarbeiten. Blumencron: „Alle in einen Raum zu sperren – so einfach ist es nicht.“ Dass sie damit nicht im Trend liegt, dürfte die selbstbewussten „Spiegel“-Chefs kaum stören.

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