Gepflegte Gastlichkeit

Kindische Scherze auf dem Mainzer MedienDisput. Jetzt bin ich mal auf dem Mainzer MedienDisput. Ein Medienkongress beim SWR und ZDF. Bei der Auftaktveranstaltung beim SWR sagt Andrea Ypsilanti Sätze wie: „Gute Arbeitsplätze kriegt man nur wenn man in der Gewerkschaft war.“ Jedenfalls so sinngemäß. Sie hat das auf ihre Jugend bezogen. Aber so ein Satz […]

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Kindische Scherze auf dem Mainzer MedienDisput.

Jetzt bin ich mal auf dem Mainzer MedienDisput. Ein Medienkongress beim SWR und ZDF. Bei der Auftaktveranstaltung beim SWR sagt Andrea Ypsilanti Sätze wie: „Gute Arbeitsplätze kriegt man nur wenn man in der Gewerkschaft war.“ Jedenfalls so sinngemäß. Sie hat das auf ihre Jugend bezogen. Aber so ein Satz ist doch ein interessanter Einblick in die allgemeine Geisteshaltung der Frau. Dann redet sie noch zweimal den SWR-Chefreporter und MedienDisput-Impressario Thomas Leif mit „Hans Leyendecker“ an. Hätte sie mal besser „recherchiert“.

Peter Merseburger bekommt vom Netzwerk Recherche den „Leuchtturm“-Preis für seine Rechercheleistung zu der von ihm verfassten Biographie über Rudolf Augstein. Merseburger kann nämlich noch Sütterlin -Schrift lesen, darum konnte er Briefe, die der junge Augstein aus dem Krieg geschrieben hat, entziffern und erstmals der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Draußen, in der kalten Mainzer Nacht stehen die Opel Insignias als Erinnerung an die Krise. Oder als Fahrservice. Man weiß es nicht. Habe jedenfalls keinen mit den Dingern fahren sehen. Egal. Opel muss die Kisten auf die Straße bringen damit alle sehen, dass die Rüsselsheimer coole Autos bauen können.

Abends in Mainz. Erste so genannte „Weinstube“ angesteuert. „Wollt ihr was essen?“ „Äh ja“. „Das dauert mindestens eine Stunde.“ „Okay“. Dann die zweite Bedienung. „Wollt ihr was essen?“ „Äh, ja. Wir wissen auch schon dass es dauert…“ „Sorry aber unten ist eine Gesellschaft, die Küche rebelliert gleich.“ Nix zu futtern für die Medienjournalisten. Verdammt. Weiter zur nächsten Beize. Unser lokaler Guide kennt sich aus: „Hier ist es nicht so gut, dafür teurer.“ Für drei wässrige Stückchen Schweinelende mit vier Tiefkühl-Kroketten 14,80 Euro gelatzt. Gepflegte Gastlichkeit.

Zweiter Tag beim MedienDisput: Frank A. Meyer, Chefpublizist des Schweizer Ringier Verlags hält eine flammende Rede und schimpft auf das Deutsche Demokratieverständnis, Journalisten und Manager. „Die Journalisten durften im Abglanz der neuen Managerkaste ihre Kaviarbrötchen mampfen“, ruft der erregte Schweizer. Der Ringier-Gesandte als Großkritiker des Kapitalismus. Der Programmpunkt Stefan Niggemeier fällt aus. Warum, weiß keiner so Recht auf der Veranstaltung. Vielleicht der Winter-Einbruch.

Paul Sahner hat einen riesigen Schal um und keine Rechte Lust, wo er doch als einziger Prügelknabe vom Boulevard da ist. Sahner schockt mit der Info, dass er mindestens 100 mal am Tag telefoniert. Und zwar ausschließlich beruflich.

Von „Bild“ lässt sich niemand blicken. Auch nicht der im Programm angekündigte Vize-Chefredakteur Nicolaus Fest. Wenn über die Frage „’Bild’ als Leitmedium für deutsche Journalisten“ disputiert werden soll, ist das natürlich ein bisschen blöd. Ein alter Mann meldet sich bei der Fragerunde zu Wort. Er komme aus Bukarest, sei zweieinhalbtausend Kilometer gefahren um hier zu sein. Aber es habe sich gelohnt. Fragen stellt er zum Glück keine. Zum Mittagessen gibt es Geschnetzeltes mit Spätzle und Soße im Foyer. Mittlere Kantinenqualität. Danach wieder ab nach Bukarest.

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