Handelsblatt-Intern: Testosteron-Duell 2.0

Updates I, II, III, IV siehe unten: „Lieber Thomas“, beginnt der Leser-Kommentar von Sönke Iwersen im Blog von Thomas Knüwer „Indiskretion Ehrensache“. „Bei aller kollegialer Zurückhaltung: mir ist kein Journalist bekannt, bei dem Selbstdarstellung und Realität derart auseinanderklaffen wie bei Dir. Vielleicht könntest Du die permanente Selbstbeweihräucherung mal kurz unterbrechen und erklären, warum Deine fantastische […]

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Updates I, II, III, IV siehe unten:
„Lieber Thomas“, beginnt der Leser-Kommentar von Sönke Iwersen im Blog von Thomas Knüwer „Indiskretion Ehrensache“. „Bei aller kollegialer Zurückhaltung: mir ist kein Journalist bekannt, bei dem Selbstdarstellung und Realität derart auseinanderklaffen wie bei Dir. Vielleicht könntest Du die permanente Selbstbeweihräucherung mal kurz unterbrechen und erklären, warum Deine fantastische Verdrahtung über Xing, Facebook, Twitter und Co. so wenig journalistischen Mehrwert bringt.“ Rumms, das war hart.

Der umstrittene Kommentar

Sönke Iwersen ist, genauso wie Thomas Knüwer, Redakteur bei der Verlagsgruppe Handelsblatt. Das Impressum führt ihn im Ressort „Unternehmen und Märkte“. Mit seiner – die Bild würde sagen – „Wutrede“, reagiert er auf ein Knüwer-Posting mit der Überschrift „Weil der Journalismus sich ändern muss“. Knüwer setzt sich mit der Frage auseinader, wie das Internet den Journalismus und vor allem die Journalisten verändert bzw. verändern sollte. Der Texte endet mit dem Resümee: „ Wir Journalisten haben uns nicht mal ansatzweise ausreichend an die neue Zeit angepasst. Soll unser Berufsstand weiterhin eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen, müssen viele, viele Kollegen eine geistige 180-Grad-Wende vollführend. Leicht wird das nicht. Und die Hoffnung, dass dies tatsächlich passiert ist leider gering.“
Iwersen fragt sich jetzt aber, „dass wenn diese Kommunikationswege neue Infos erschließen – warum kommen die Scoops im Handelsblatt dann nicht von Dir, sondern immer von anderen Kollegen?“ Weiter schreibt er: „Man kann Dir oft dabei zusehen, wie Du selbst in Konferenzen ständig mit Deinem Telefon herumdaddelst. Vielleicht twitterst Du nur grad, dass Du grad gern einen Keks essen würdest – wer weiß das schon. Jedenfalls führt das Ganze nicht dazu, dass Du das Blatt laufend mit Krachergeschichten füllst.“
Der Kommentar von Iwersen ging um 13:43 online. Um kurz nach vier, wurde er wieder gelöscht. MEEDIA ist sich sicher: Der Disput wird nun hinter verschlossenen Türen – unter Männern – ausgetragen.

Update I:
Um 19:26 hat sich Thomas Knüwer in seinem Blog zu Wort gemeldet. Hier sein Kommentar in voller Länge:
„Sorry, ich kann heute nicht so reagieren, wie ich gerne würde, da ich unterwegs und nicht ausreichend online bin. Der Kommentar des Kollegen Iversen ist offline gegangen, da die Chance hoch ist, dass er sich damit in arbeitsrechtliche Probleme gebracht hätte. Der Eintrag verstieß eindeutig gegen die Vorgaben seines Arbeitgebers im Umgang mit Blogs und Kommentaren. Warum Herr Iwersen Animositäten gegen mich hegt, die er in der Redaktion bisher nicht zum Ausdruck brachte, ist mir nicht klar. Dies auszudiskutieren ist aber kein Thema für ein Blog.“

Update II:
Um 22:27 Antwortet Sönke Iwersen in den Kommentaren:
„Lieber Thomas,
wie Du weißt, gibt es in der Redaktion die Entscheidung, unsere Diskussion intern zu führen. Ich verstehe das aber nicht so, dass Du nun weiter ungestört Unsinn verbreiten kannst.
Also: Ich habe diesen Kommentar geschrieben. Du hast ihn gelöscht. DANACH hast du mich per Mail gefragt, ob er von mir kommt. Wenn das so wäre, würdest Du ihn wieder online stellen. Ich habe Dir gesagt, er stamme von mir.
DANACH ist Dir dann das Arbeitsrecht eingefallen, was immer das heißen sollte.
Nun bleibt der Kommentar gelöscht, weil in der Redaktion die Entscheidung getroffen ist, die Diskussion in der Art nicht online zu führen. Okay, damit habe ich kein Problem.
Was aber ebenfalls bleibt, ist die Tatsache, dass wir – Du und ich – bereits in der Vergangenheit Diskussionen über dieses Thema geführt haben und dies keineswegs an persönlichen Animositäten lag sondern an Inhalten. Ich kam mir dabei auch nicht sonderlich mutlos vor.
An Deinen ständigen Beschimpfungen gegenüber Deinen Kollegen hat sich jedoch nichts geändert – ebenso wenig wie manches andere. Aber das können wir ja alles morgen klären. Ich jedenfalls halte mich an die Redaktionslinie.
Ich gehe davon aus, dass dieser Beitrag arbeitsrechtlich unbedenklich ist und stehen bleibt.“

Update III
Um 22:52 kontert wieder Thomas Knüwer:
„Ähm… Ich kann mich an keine Diskussion über die Zukunft des Journalismus mit Sönke Iwersen erinnern. Das nur zur Klarstellung.“

Update IV:
Um 23:07 schreibt Thomas Knüwer noch einen langen sachlichen Kommentar zur Kritik von Iwersen:
„@Sönke Iwersen: Der Kommentar ist jetzt wieder online.
Und noch etwas zum Thema: Was bringt es?
1. Bin ich durch alternative Nachrichtenfilter wie Twitter, Facebook, etc. schneller, unkomplizierter und fokussierter informiert als früher. Statt mich durch zig Zeitungen und Nachrichtenseiten zu kämmen, bekomme ich die Informationen, die ich haben möchte, viel entspannter. Nicht in allen Bereichen – aber in vielen.
2. Bekomme ich wesentlich mehr mit, was Gruppen von Menschen, die nicht in meinem persönlichen Umfeld zu finden sind, mögen, gut finden, lieben, hassen. Ich mag das Wort Bevölkerungsschichten nicht, aber mir fällt auch gerade kein besseres ein. Also: Ich bekomme ein besseres Gefühl für Trends in verschiedenen Bevölkerungsschichten.
3. Ich bekomme wesentlich schneller Innovationen und mit – und wie Menschen darauf reagieren. Das gilt nicht nur für Internet und Technik, sondern für den gesamten Bereich der verbraucherorientierten Produkte.
4. Ich bin ansprechbar. Bereits mehrfach erreichten mich unter der Hand Informationen aus Bereichen, für die ich nicht zuständig bin. Die reiche ich dann gerne an die Kollegen weiter. Warum kommen sie zu mir? Weil ich erreichbar bin und irgendwie deutlich mache, was ich für guten Journalismus halte.
5. Ich bin für Leser – also unsere Kunden – erreichbar. Und bekomme ihre Kritik und ihr Lob ab, das außerhalb der Kommentare hier meistens gar nicht mich betrifft. Auch das reiche ich gerne weiter.
6. Es sind zahlreiche neue Kontakte entstanden. Und ich bin der Meinung, ein Journalist kann nie genug Kontakte haben.
7. Meine Leser und Kommentatoren machen mich schlauer.“

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