ProSiebenSat.1 vor Zentralredaktion?

Das Gespenst der Zentralredaktion geht um. Laut einem Bericht sieht der Betriebsrat von ProSiebenSat.1 Hinweise auf senderübergreifende Arbeitsplätze am neuen Standort von Sat.1. Der TV-Konzern zieht den Sender Sat.1 aus Berlin ab und verlegt ihn unter großen Protesten der Mitarbeiter an den Standort von ProSieben und kabeleins nach Unterföhring bei München. Vor kurzem hatte Gruner + Jahr bekannt gegeben, seine Wirtschaftstitel in Hamburg zu zentralisieren.

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In Zeiten rückläufiger Anzeigenerlöse und erhöhtem Kostendruck durch Gesellschafter erfreut sich das auf dem Papier attraktive Modell der Zentralredaktion großer Beliebtheit. Hier gibt es durchaus Parallelen zwischen dem Großverlag G+J und dem TV-Konzern ProSiebenSat.1. Bei Gruner brechen die Anzeigenumsätze weg, ProSiebenSat.1 kämpft mit miserablen Werbeerlösen. Bei Gruner macht die Konzernmutter Bertelsmann Renditedruck, weil Schulden aus dem Aktienrückkauf der Eigentümerfamilie Mohn abgebaut werden müssen. ProSiebenSat.1 ächzt unter den Schulden, die die Finanzinvestoren Permira und KKR der Sendergruppe aufgebürdet haben. Bei G+J werden die Wirtschaftsmedien am Standort Hamburg zusammengezogen. ProSiebenSat.1 konzentriert seine deutschen Sender am Standort Unterföhring bei München. Bemerkenswert wie sich Probleme und Vorgehensweisen von Familienunternehmen (Bertelsmann) und Finanzinvestoren (Permira/KKR) gleichen können.

Sollte eine Zentralredaktion für die deutschen ProSiebenSat.1-Sender wahr werden, würden Mitarbeiter künftig nicht mehr für einen Sender arbeiten, sondern für die Abteilung German Free TV, die mit dem bisherigen Sat.1-Chef Matthias Alberti neben Andreas Bartl gerade einen weiteren Geschäftsführer bekommen hat. ProSiebenSat.1-Sprecher Julian Geist sagte gegenüber der DJV-Verbandszeitschrift „Journalist“: „Sicher gibt es Bereiche, die man zusammenführen kann, wie vor einigen Monaten bereits das Marketing. Wie die neue Struktur genau aussieht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.“ Auch über Großraumbüros werde nachgedacht, so Geist.

Der Konzern muss schließlich Platz schaffen, für die Sat.1-Mitarbeiter, die von Berlin nach Unterföhring kommen. „Die Kollegen der Verwaltung entwickeln derzeit ein Modell, wie die Häuser aufgeteilt werden, damit Arbeitszusammenhänge besser funktionieren“, so Konzernsprecher Geist. German-Free-TV-Chef Andreas Bartl sieht den Umzug offenbar sehr pragmatisch. Er soll im Unternehmen gesagt haben, man könne ja auch etwas enger zusammenrücken.

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