MySpace: Die Krise macht vorsichtig

Wie geht es eigentlich dem großen Facebook-Rivalen MySpace? Gut, wenn man den Aussagen seines CEOs glauben darf. Aber wohl doch nicht ganz so gut, wenn man zwischen den Zeilen einer Äußerung von Chris DeWolfe liest. So ist der MySpace-Mitbegründer nur noch "vorsichtig optimistisch", dass das Geschäft in Zukunft wachsen werde. Rupert Murdoch-Biograph Michael Wolff sieht das Social Network unterdessen auf einem schlechten Weg und glaubt, dass es nur noch von "Idioten und zurückgebliebenen Leuten" genutzt wird.

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Dualismen sind so alt wie der Wettbewerb. Cola oder Pepsi. McDonalds oder Burger King. Facebook oder MySpace? In den USA wird dieser Zweikampf zum ultimativen Showdown hochgejazzt. Gründe genug dafür gibt es: Im Sommer schob sich Facebook in der Reichweite nach vorne, während MySpace weiter nach registrierten Besuchern vorne liegt.

Das gilt auch nach Umsätzen: Mit knapp 900 Millionen Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008 erlöst das zum Medienkonglomerat Newcorp. gehörende Social Network wohl dreimal so viel wie Rivale Facebook im laufenden Jahr.

Ungewöhnliche Zurückhaltung: „Wir sind vorsichtig optimistisch, dass unser Geschäft weiter wachsen kann“

Noch. Denn Facebook holt zum einem deutlich auf – und MySpaces Wachstum verlangsamt sich. Im vorletzten Quartal flachte das Wachstum von 28 auf 23 Prozent zurück. Im letzten Quartal waren es noch 18 Prozent. Nun ist nur noch von „Wachstum“ die Rede – und das auch nur noch unter Vorbehalten.

So ungewohnt zurückhaltend äußert sich nämlich gestern MySpace-CEO Chris DeWolfe auf einer Reuters-Konferenz. „Unsere Umsätze und Gewinne sind signifikant und wachsen trotz der schwachen Konjunktur. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass unser Geschäft weiter wachsen kann.“

Vorsichtig optimistisch? Für den Überflieger der Web 2.0-Ära sind das plötzlich erstaunlich bescheidene Töne, die auch dem früheren Internetaktienanalysten Henry Blodget aufgefallen sind: „Übersetzt heißt das: Wir spüren die Auswirkungen der Konjunkturkrise, aber wir wachsen noch – zumindest jetzt.“

MySpace: „Eine Seite für zurückgebliebene Leute“

Das kann jedoch nur so lange gut gehen, solange das Portal weiter wächst. Doch es dürfte nicht ewig so weitergehen, wenn man dem Michael Wolff glauben darf, der die große Murdoch-Biographie „The Man Who Owns The News“ geschrieben hat. „MySpace hat ein Problem“, erklärte der Starjournalist gestern dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin „Businessweek“ – „und dieses Problem heißt Facebook.“

Doch nicht nur das. Tatsächlich ist ein Teil der kommenden Probleme auch hausgemacht. „Wer heute auf MySpace ist, ist entweder ein Idiot – oder schlichtweg arm dran. Niemand mit einem höheren Bildungslevel als der eines Achtklässlers treibt sich dort herum. Es ist eine Seite für zurückgebliebene Leute.“ Autsch.

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