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Gekaufte Rankings: Baidu droht Klagewelle

Auf die größte chinesische Suchmaschine, Baidu, kommt eine neue Massenklage zu. Im Zentrum der Kritik steht diesmal nicht die systematische Verletzung von Urheberrechten, sondern das Geschäftsmodell der Suchmaschine selbst: Baidu soll nicht-lizenzierten Medizin-Websites gegen Geld ein hohes Such-Ranking verschafft haben. Ein weiterer Vorwurf: Unternehmen, die nicht bereit sind, für ein Baidu-Listing zu zahlen, tauchen gar nicht in den Suchergebnissen auf.

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Die juristische Initiative geht auf einen Bericht des chinesischen Staatsfernsehens CCTV vom 15. November zurück. Darin hatten sich chinesische Konsumenten darüber beschwert, auf der Grundlage der Baidu-Empfehlungen teure medizinische Produkte erworben zu haben. Diese hätten sich in der Folge aber als vollkommen wirkungslos herausgestellt. Tatsächlich hatten sie bei nicht-lizenzierten Firmen eingekauft, die sich mit Baidus Wissen illegal über das Internet einen Marktzugang verschafft haben sollen.

Auch die staatliche Nachrichtenagentur Xinghua hat Erkenntnisse über das zwielichtige Ranking-System von Baidu. So hätte ein Kunde beispielsweise für den Aufenthalt in einer empfohlenen „führenden Klinik“, umgerechnet mehr als 1.150 Euro gezahlt. Doch erst in einem Volks-Krankenhaus konnten seine Beschwerden erfolgreich behandelt werden – für 11,50 Euro. Nach CCTV hat die nicht-lizenzierte Klinik rund zwei Cent pro Klick an Baidu gezahlt.

Kurz nach dem CCTV-Bericht stürzte die Baidu-Aktie um 25 Prozent ab. In der chinesischen Öffentlichkeit lösten die Berichte einen Sturm der Entrüstung aus. Baidu reagierte mit einer bewährten Partei-Strategie. Für die Verfehlungen trügen Feinde in den eigenen Reihen die Verantwortung, eine interne Untersuchung wurde angekündigt. In einer Stellungnahme des Unternehmens heißt es: „Angestellte, die in den Skandal verstrickt sind, werden bestraft.“ Und weiter: „Wir haben bereits Leuten gekündigt, die geholfen haben, Dokumente für nicht-lizenzierte Lieferanten zu erstellen“.

Darüber hinaus hat Baidu nach Angaben seines CEOs Li Yanhong die Stichwörter der in dem CCTV-Bericht genannten Unternehmen entfernt und begonnen, die Lizenzen der inkriminierten Kliniken und Apotheken zu überprüfen. Das Unternehmen bestreitet aber, Internetseiten zu blockieren, die sich nicht am Versteigerungs-System beteiligen wollen.

Das dürfte kaum ausreichen, die Öffentlichkeit zu beruhigen oder den Unmut entrüsteter Konkurrenten zu besänftigen. Der neuen Massenklage haben sich bereits mehr als 50 Unternehmen angeschlossen. Nach Angaben der „Financial Times“ zielt der juristische Vorstoß auf eine Änderung des Geschäftsmodells der Suchmaschine. Dazu gehört vor allem das zweifelhafte Ranking: Baidu versteigert indirekt die hochrangigsten Plätze in den Suchergebnissen an den Meistbietenden.

Vorbereitet wird die Beschwerdeschrift von Li Changqing. Im aktuellen Fall will Li Klage einreichen, sobald die Zahl der Kläger 100 erreicht hat. Der Anwalt der Kanzlei George Wu & Partners hatte im Oktober nach der Einführung des „Anti-Monopol-Gesetzes das erste Verfahren dieser Art in China gegen Baidu angestoßen. Er forderte, dass die chinesische Regierung eine Millionenstrafe gegen das Unternehmen verhängt, weil es seine führende Stellung im chinesischen Suchmaschinen-Markt missbraucht. Kritiker haben allerdings immer wieder darauf hingewiesen, dass die Suchmaschine von der Regierung gegen ausländische Konkurrenten bevorzugt behandelt wird. Baidu hat zur Zeit einen Anteil von 70 Prozent auf dem chinesischen Suchmaschinen-Markt, gefolgt von Google mit 26 Prozent.

Im Westen ist der Name Baidu ein Synonym für zweifelhafte Geschäftspraktiken. Die Suchmaschine wurde von mehreren Musiklabels wegen Urheberrechtsverletzung verklagt, weil sie unter anderem illegales Deep-Linking auf MP3-Dateien ermöglicht und Internet-Piraterie unterstützt hat.

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