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CNN Wire: Konkurrenz für News-Agenturen

Die Zeitungskrise bedroht die etablierten Nachrichtendienste in ihrer Existenz. In den USA drängt der Nachrichtensender CNN jetzt auf den Markt vor und baut einen eigenen Agenturdienst auf. "CNN Wire" befindet sich im Teststadium und tritt in direkte Konkurrenz zu Diensten wie AP und Thomson Reuters. In Deutschland denken Zeitungsverleger über die Kündigung der dpa nach. In der Web-Ära erscheint vielen der klassische Nachrichtendienst als zu langsam und zu teuer.

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Mit seinem deutlich günstigeren Angebot wendet sich CNN Wire vornehmlich an die finanziell angeschlagene Zeitungs-Branche. CNN Wire wird seine Kunden mit Internet-Videos, Textformaten und TV-Transkriptionen versorgen. Fotos sind im Gegensatz zu AP nicht geplant. Seit rund einem Monat beliefert der Sender einige Zeitungen testweise und kostenlos mit dem neuen Nachrichten-Service.

Für diese Woche sind Redakteure von 30 Zeitungen in das CNN-Hauptquartier in Atlanta geladen. Sie sollen über die Zukunft des Angebots informiert werden. CNN plant, die nationale und internationale Berichterstattung auszubauen, auch der Einstieg in den Lokalmarkt ist denkbar – das Ganze zu deutlich günstigeren Kosten als bei den etablierten Anbietern von Nachrichtenmaterial, Thomson Reuters, Bloomberg News und AP.

Doch CNN verfolgt mit der Zusammenkunft in Atlanta noch andere Ziele. „Es ist wahr, dass wir noch nicht sehr viele Kontakte zu Zeitungen haben“, gab der Präsident von CNN Worldwide, Jim Walten, zu. Das Treffen diene auch dazu, einander kennenzulernen.

Welches Potenzial der neue Dienst hat, geht aus einer internen Mitteilung des Präsidenten und CEO des größten Nachrichtendienstes der Welt, Associated Press, an seine Mitarbeiter hervor: Tom Curley sieht in CNN Wire neben der schwierigen Gesamtwirtschaftslage und der Zeitungskrise die Hauptbedrohung für AP. Zwar sei CNN Wire „derzeit noch abgründig schlecht geschrieben“, so Curley. Doch „wenn man genug Geld und Ego hat und der Wunsch stark genug ist, kann man das schnell ändern.“ Tatsächlich führt CNN bereits Vorstellungsgespräche mit AP-Mitarbeitern.

Im August hatte die Tribune Company bereits verlautbart, aus Kostengründen den Dienst der Associated Press zum Vertragsende 2010 kündigen zu wollen. Zu dem Verlag gehören Zeitungen wie die „Los Angeles Times“, der „Chicago Tribune“ und „Newsday“. Zuvor hatten der „Minneapolis Star Tribune“ und einige Lokalzeitung ihre Absicht bekannt gegeben, künftig auf AP verzichten zu wollen.

Die existenzielle Bedrohung für die klassischen News-Versorger ist nicht allein ein Übersee-Problem. Auch in Deutschland gerät die Stellung der Nachrichtenagentur ins Wanken. Ende Oktober wurde bekannt, dass das Management der WAZ-Gruppe darüber nachdenkt, ihren dpa-Vertrag nicht zu verlängern. Auf den Münchner Medientagen hieb Verleger Dirk Ippen in dieselbe Kerbe: Auch der Münchener Zeitungsverlag, zu dem unter anderem der „Münchner Merkur“ gehört, prüfe die Kündigung der dpa-Dienste.

Zwei Faktoren wirken zusammen, um diese Wende in der Zeitungsproduktion zu ermöglichen: Die Zeitungskrise zwingt die Verleger zu extremen Sparmaßnahmen und das Internet bietet schnell und einfach jede Art von Information. Auch professionelle Medien bedienen sich zunehmend per Copy and Paste aus dem digitalen Füllhorn.

Gerade in vielen Lokalredaktionen erscheint es heute möglich, völlig ohne überregionales dpa-Material auszukommen. Jede relevante Ticker-Meldung erscheint ohne nennenswerte Zeitverzögerung auf einem der News-Portale wie etwa Spiegel Online. Dazu werden sie sich künftig aus dem wachsenden Angebot des News-Discounters CNN Wire bedienen. So können Tageszeitungen Geschichten schnell und billig oder sogar kostenlos produzieren. Ein Paradebeispiel für diese Praxis sind etwa die letzten, bunten Seiten der Hamburger „MoPo“, die wie eine ausgedruckte Version einschlägiger Web-Seiten von gestern wirkt.

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