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ORF: 1000 Stellen weg, Direktoren bleiben

Die Medienkrise erreicht das öffentlich-rechtliche Fernsehen – in Österreich. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat die Belegschaft auf einen harten Sparkurs in den kommenden Jahren eingestimmt. Rund 1.000 Mitarbeiter von insgesamt 3.400 sollen bis 2012 den Sender verlassen. Überstundenzuschläge werden gestrichen und Teile des Senders ausgegliedert. Ansonsten, so Wrabetz, würde der Sender bis 2012 Pleite gehen.

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Der ORF-General wird von den rund 100 Betriebsräten des Senders kritisiert. Grund: Kurz vor der Verkündung des Sparpakets im Starmania-Studio (das ist die Ösi-Version von „Deutschland sucht den Superstar“) sollte ORF-General Wrabetz mit ORF-Betriebsratschef Gerhard Moser Gehaltsverhandlungen führen. Weil Wrabetz zu der für 10 Uhr anberaumten Sitzung nicht erschien, blies der Betriebsrat um 10.30 Uhr den Termin ab und verkündete laut „Standard“: „Der Rubikon ist überschritten.“ Später verließen die 100 ORF-Betriebsräte aus Protest dann die Veranstaltung, in der Wrabetz seine Sparpläne darlegte. Man kann nicht umhin, die Vorgänge beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen unserer alpenländischen Nachbarn ein ganz kleines bisschen seltsam zu finden.

Es stellen sich einige Fragen. Wieso hat ein öffentlich-rechtlicher Sender mit 3.400 Beschäftigten 100 (!) Betriebsräte? Wieso unterhält der ORF in einem Land mit rund acht Millionen Einwohnern zehn Landesstudios und zwölf Fernseh-Direktoren? Bei den Direktoren gibt es laut Generaldirektor Wrabetz übrigens keine Einsparmöglichkeiten, da deren Verträge bis 2012 laufen. Und wieso kann ein öffentlicher, über Gebühren finanzierter Sender überhaupt Pleite gehen? Österreich, das rätselhafte Fernsehland. ORF-General Wrabetz ruft vorsorglich schon nach dem starken Arm des österreichischen Staates. „Jede Pimperlbank bekommt eine Milliarde vom Staat. Warum wir nicht?“, soll er laut „Standard“ gefragt haben. Kaum zu glauben, aber beim Blick auf die Vorgänge beim ORF erscheinen einem die deutschen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF plötzlich wie ein Hort von Effizienz und seriösem Management. Ist eben alles eine Frage der Perspektive.

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