WAZ-Sparhammer: Newsroom für alle Titel

Das ging schnell: Anfang der Woche wurde noch diskutiert, wie die WAZ Kosten in zweistelliger Millionenhöhe sparen könnte. Jetzt gibt es ein Konzept. Die Hauptelemente: Ein neues Redaktionssystem, eine titelübergreifende Redaktion, die via Newsroom den Mantel von „NRZ“, „WR“ und „WAZ“ bestückt. Einzig die „Westfalenpost“ geht einen Sonderweg. Zur Bekanntgabe wählten die Verlagsmanager einen ungewöhnlichen Weg. Sie posteten das Konzept in ihrem neuen Firmen-Blog.

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Erarbeitet wurde die neue Strategie federführend von Ulrich Reitz, dem Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“, und der Unternehmensberatung Schickler, die bereits seit Wochen unter Hochdruck an neuen Redaktions- und Kostenstrukturen arbeitet. Wichtigster Punkt des neuen Plans: Das alte WAZ-Modell mit unabhängigen Regionalblättern wird beerdigt. Bislang arbeiten die vier Titel „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, die „Neue Ruhr/Rhein Zeitung“, die „Westfälische Rundschau“ und die „Westfalenpost“ autark voneinander. Stattdessen setzt Reitz jetzt auf straffere Strukturen und mehr Zusammenarbeit. „Die Schaffung einer titelübergreifenden Mantelredaktion für „NRZ“, „WAZ“ und „WR“ bietet die Chance, unsere journalistische Qualität Print und Online zu halten und auszubauen. Die Titelautonomie und mit ihnen die Marken bleiben erhalten, jeder Titel behält seinen eigenständigen Auftritt, über den jeder Chefredakteur autonom entscheidet“, heißt es im neuen WAZ-Blog.
Unter dem Titel „Erste Informationen zum neuen Mantelkonzept“ erklärten die Chefredakteure im Web öffentlich ihr neues Konzept. So wird beschrieben, dass der neue Content-Desk alle Inhalte für die Ressorts In- und Ausland, Wirtschaft, Sport, Kultur, Vermischtes und Fernsehen an die Titel „NRZ“, „WAZ“ und „WR“ liefern wird. Jeder Newsdesk bekommt einen „eigenen Chef (= Ressortleiter)“. Dazu werden Redakteure aus allen drei Titeln am Content-Desk zusammenarbeiten. „Das optimale Verhältnis zwischen Producern / Autoren sichert Qualität: Der Producing-Aufwand (Seiten layouten, Texte bearbeiten) wird im Vergleich zu früher erheblich reduziert. Durch die hohe Anzahl an Autoren sichern wir qualitativ hochwertigen Journalismus“, heißt es im WAZ-Blog.
Zeitgleich wird ein neues Redaktionssystem eingeführt, das aber noch nicht gekauft, aufgebaut und getestet wurde. „Drei Systeme sind in der engeren Auswahl. Gleichwohl startet unser neues Modell schon mit dem alten Redaktionssystem“, heißt es im Blog dazu.
Für die alten regionalen Kern-Redaktionen bleibt bei so vielen Ressort- und Ressourcen-Bündelungen nicht mehr viel übrig. „Sie behalten ihren eigenständigen Auftritt – wo immer gewünscht: Beispielsweise auf der Titelseite, beim durchgängigen fotografischen Erscheinungsbild, bei Schlagzeilen, im Regionalen und bei der Kommentierung.“ Dazu dürfen sie noch die jeweiligen Marken pflegen.
Für die „Westfalenpost“ erarbeiten die Verlagsmanager ein Sondermodell: Der Titel soll zu einer modernen Heimatzeitung werden. „In dieser ländlich strukturierten Region will die „WP“ ihren Lesern ein auf die speziellen Verhältnisse zugeschnittenes Zeitungsangebot machen. Dazu gehört auch die eigene Mantelproduktion.“
Offiziell firmiert der Plan bislang noch als ein erster Entwurf, der Ende November/Anfang Dezember 2008 den Betriebsräten vorgestellt wird. Dann können die Arbeitnehmervertreter noch eigene Ideen und Vorschläge einbringen. Das heißt: Auch wenn noch in diesem Jahr erste Tests stattfinden, liegt der früheste Starttermin der neuen Struktur wohl erst im Frühjahr 2009.
Als klares Zeichen, dass neben Reitz auch alle anderen drei Chefredakteure, Kathrin Lenzer (“Westfälische Rundschau“), Rüdiger Oppers (“Neue Ruhr/Rhein Zeitung“) und Bodo Zapp (“Westfalenpost“), hinter dem neuen Konzept stehen, unterzeichneten sie gemeinsam das Blog-Posting.

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