„SZ“ schleift die Nebengeschäfte

Bei der "Süddeutschen Zeitung" gibt es erste Sparmaßnahmen. Ausgerechnet die als Hoffnungsträger gefeierte Abteilung Neue Produkte wird drastisch abgebaut. Abteilungs-Chef Dirk Rumberg geht zum Jahresende. Laut "Buchreport" werden 12 Stellen in der bisher 20-köpfigen Abteilung gestrichen. Rumberg und sein Team hatten mit der "SZ Bibliothek" das Thema Nebengeschäfte für Zeitungen praktisch erfunden. Der neue "SZ"-Eigentümer SWMH gibt dem offenbar keine Zukunft.

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Dass die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) die einstige Renomier-Abteilung der „SZ“ schleift, kann nur bedeuten, dass die Schwaben nicht an das Thema Nebengeschäfte in großem Stil glauben. Dabei galt die „SZ Bibliothek“ in der Branche immer als Riesenerfolg. Im März 2005 wurde die Aktion mit 11,3 Mio. verkaufter Bücher beendet. Problem offenbar: Die Margen bei den für 4,90 Euro verkauften Büchern waren sehr klein. Außerdem ist der Markt irgendwann gesättigt. Zahlreiche Verlage sind auf den Zug mit den Nebengeschäften aufgesprungen. Und nach der x-ten Bestseller-Bibliothek und CD- und DVD-Edition ist jeder interessierte Haushalt mit billigen Büchern und Filmen eingedeckt. Zumal wegen der Niedrigpreispolitik dieser Editionen ausschließlich alte Ware, vulgo: Bestseller, zum Verkauf feilgeboten werden.

Laut „Buchreport“ habe die SWMH zudem aus „medienpolitischen Gründen“ eine bereits geplante DVD-Reihe mit Folgen der ARD-Krimiserie „Tatort“ aus „medienpolitischen Gründen“ gestoppt. Offenbar gefällt den Stuttgarter Verlegern die Kuschelei mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht. Zeitungsverleger und ARD/ZDF sind sich seit dem Streit um die Ausweitung der öffentlich-rechtlichen Aktivitäten im Internet nicht mehr wohl gesonnen.

Für die Branche ist die Kürzungsmaßnahme bei den Neuen Produkten ein schlechtes Signal. Man kann der SWMH vieles vorwerfen, aber nicht, dass es sich bei den Stuttgartern um schlechte Verlagskaufleute handelt. Wenn die offensichtlich nicht an das Thema Nebengeschäfte glauben, wird im Verkauf von Büchern und DVDs kaum die Rettung der Zeitungsbranche liegen. Im neuen Hauptquartier des Süddeutschen Verlags, im tristen Münchner Stadtteil Steinhausen, sinkt derweil die Stimmung im Gleichtakt mit den Außen-Temperaturen. Viele Redakteure murren über die diffusen Spar-Ankündigungen der Geschäftsführung. Hinzu kommt eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem neuen Verlagshochhaus, das den Charme des alten Innenstadt-Domizils vermissen lässt. „Wenn ich aus meinem neuen Büro nach unten schaue, sehe ich ein Abstellgleis. Das sagt wohl alles“, sagte ein „SZ“-Redakteur zu MEEDIA.

Die „taz“ weiß zu berichten, dass der Pförtner im neuen Glasbau „SZ“-Autor Holger Gertz nicht einlassen wollte, weil die Edelfeder ihre Magnetkarte vergessen hatte. Mit solch profanem Tagwerk mussten sich „Süddeutsche“-Autoren in der Sendlinger-Straße nicht herumschlagen.

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