Xing: Nach Rücktritt Übernahme?

Wie schon am Freitag in Gerüchten verbreitet und dann halbherzig dementiert, tritt Lars Hinrichs nun doch als Xing-CEO ab, um in den Aufsichtsrat zu wechseln. Der Schritt ist überraschend – und heizt die nächsten Spekulationen an. Es scheint, als könnte ein Verkauf des erfolgreichen Online-Business-Netzwerks nun als nächstes auf der Tagesordnung stehen. Potenzielle Käufer gibt es schließlich genug. Als Namen kursieren immer wieder Bertelsmann, Springer, Facebook - oder der US-Rivale LinkedIn.

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Die bereits am Freitag überbordenden Gerüchte haben sich doch bewahrheitet: Lars Hinrichs wird ab dem 15. Januar nicht mehr an vorderster Front die Geschicke des von ihm gegründeten Online-Business-Netzwerks Xing verantworten, sondern in den Aufsichtsrat wechseln, „um weiter aktiv beratend zur Seite zu stehen“. Nachfolger als CEO wird Stefan Groß-Selbeck, der in den vergangenen vier Jahren seine Visitenkarte als Ebay-Deutschland-Chef abgegeben hatte.

Der Schritt ist am Ende eine Überraschung – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Lars Hinrichs muss sich nicht vorhalten lassen, in den vergangenen Monaten oder Jahren grobe Fehler gemacht zu haben. Im Gegenteil: Xing ist bis heute das einzige Web 2.0-Unternehmen an der Börse – und auch eines der ganz wenigen, das nachhaltig Geld verdient. Trotz Kurshalbierung vom Top hat sich die Aktie besser gehalten als viele Internet- und Technologieunternehmen.

Hinrichs: „Mehr Freiraum für neue unternehmerische Herausforderungen schaffen“

Warum also nach fünf Jahren die operativen Geschicke des Unternehmens aus der Hand geben, das man selbst aufgebaut hat? Weil Hinrichs bei der Internationalisierung bis auf die Übernahmen in Spanien und der Türkei weniger gelungen ist als erhofft? Warum holt das Unternehmen dann aber nicht einen noch erfahreneren Mann mit internationaler Expertise? Oder ist am Ende doch eine Kontroverse über die Nutzung von Mitgliederdaten Grund für den Rückzug, wie immer wieder kolportiert wurde?

Hinrichs Erklärung dazu bietet Raum für Spekulationen: „Nach fünf sehr spannenden und erfolgreichen Jahren habe ich mich dazu entschieden, mir neben meinem Engagement bei XING wieder mehr Freiraum für neue unternehmerische Herausforderungen zu schaffen.“

So weit, so menschlich. Doch warum mit gerade 31, warum mitten in der Wachstumsphase, warum ausgerechnet jetzt, mitten in der Finanzkrise, mitten in dem herausforderndsten Umfeld der Internet- und Medienlandschaft seit dem Dot.com-Crash? Von außen betrachtet erscheint die Entscheidung ziemlich unverständlich. Als Steuermann verlässt man das Schiff nicht mitten im Sturm.
Springer, Bertelsmann, Facebook oder LinkedIn: Wer kauft Xing?

Warum also doch? Die seit Monaten kursierenden Gerüchte einer möglichen Übernahme erhalten durch den Führungswechsel neue Nahrung. Das Unternehmen arbeitet hochprofitabel und ist mit einem KGV von aktuell 17 günstig bewertet.  Nach einer Akquisition den Statthalter für Bertelsmann, Springer oder Facebook zu spielen, dürfte nicht unbedingt die Sache des beherzten Internet-Gründers sein. Im Falle einer Offerte vom US-Rivalen LinkedIn wäre dies sogar ziemlich undenkbar.

Es scheint also, als sei Hinrichs Rücktritt als CEO der Vorbote für weitere Veränderungen am Gänsemarkt 43. Eine Übernahme der Xing AG ist mit dem Rückzug ihres Gründers als Vorstand um einiges wahrscheinlicher geworden.

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