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Teure Altersteilzeit für „Mister ARD“

Altersteilzeit á la ARD. Ex-ARD-Programmdirektor Günter Struve bekam zu seinem Abschied einen Traum erfüllt. Er darf bis Ende 2010 in Los Angeles als ARD-Berater tätig sein – ganz in der Nähe seiner Tochter und Enkelin, die dort leben. Jetzt berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" von Misstönen in Intendantenkreisen über die sonnige Vorruhestandsregelung. Für das Beobachten des Spielfilm- und TV-Marktes in den USA soll Struve das üppige Salär von 50.000 Euro erhalten – gezahlt von Gebühren.

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Struve hatte schon früher den Wunsch geäußert, von der ARD nach Los Angeles versetzt zu werden. Ursprünglich wollte er dort über Filmpakete verhandeln. Die Sendergruppe brauchte ihn aber dringender zuhause als Programmdirektor. Struve war während seiner 16-jährigen Amtszeit zum „Mister ARD“ avanciert. Er forcierte, dass die öffentlich-rechtlichen Sender bei den teuren Sportrechten am Ball blieben, er baute die seichte Unterhaltungsstrecke mit Soaps und Telenovelas am werktäglichen Vorabend aus, holte Harald Schmidt an den ARD-Gremien vorbei zurück und scheiterte mit dem Versuch, für viel Geld Publikumsliebling Günther Jauch von RTL wegzulocken.

Struves Name wird aber auch mit der Schleichwerbe-Affäre in den ARD-Vorabendsendungen in Verbindung bleiben. Und in seine Amtszeit fallen auch die umstrittenen Verträge, die die ARD mit dem unter Doping-Verdacht stehendenRadportler Jan Ullrich geschlossen hatte. Struve hatte zudem vergeblich für den unter Stasi-Verdacht stehenden Beinahe-Sportchef Hagen Boßdorf gekämpft, bis dieser wegen eines neuen Schleichwerbe-Skandals nicht länger zu halten war. Und Struve hat gegen große Widerstände die Kürzung der ARD-Politmagazine durchgesetzt und die „Tagestehmen“ immerhin eine Viertelstunde nach vorne ins Programm geschoben. Die letzten Jahre seiner Amtszeit waren turbulent. Aber muss man dem scheidenden leitenden Angestellten den Spätherbst der Karriere auf Gebührenzahler-Kosten unter der Sonne Kaliforniens versüßen?

MDR-Intendant Udo Reiter umriss bei Struves Verabschiedung seine neuen Aufgaben so: „Der erfahrene Fernsehmann Günter Struve wird in seiner Funktion als Berater den Spielfilm- und Fernsehmarkt in Amerika beobachten, wird uns über entsprechende Trends und Entwicklungen informieren. Zudem wird er Kontakt zu den Studios, Produzenten und Fernsehsendern halten sowie die ARD beim Rechteerwerb unterstützen.“ Klingt nicht nach Stress-Job. Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ haben sich einige ARD-Senderchefs im Vorfeld der letzten Intendanten-Tagung des Jahres generell kritisch zu dem Verbindungsbüro in Los Angeles geäußert. Das Büro besteht seit 1991 und soll mit Leiterin, Assistentin und Sekräterin Kosten in Höhe von 250.000 Euro pro Jahr verursachen. Struves Honorar käme on top dazu. Doch gerade in der Ära von „Mister ARD“ Günter Struve ist der Senderverbund nicht gerade als Abspielstation für hochwertgie US-Serien und -Filme bekannt geworden. Die US-Ware läuft in der Regel bei ProSieben, RTL und Vox. Struve hat während seiner Amtszeit stets eigenproduzierte, deutsche Formate gefördert. Dass sich nun Kritik regt, wenn ausgerechnet er als Berater auf Gebühren-Kosten zur Familie nach Kalifornien jetten darf, ist kaum verwunderlich.

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