HolidayCheck: Der wahre Wert der ToFo

Die Finanzkrise hinterlässt in den Bilanzen praktisch jedes Internetunternehmens ihre Spuren. Wohl dem, der sich nicht vollkommen vom schwächelnden Werbemarkt abhängig macht. Die Zeichen der Zeit hat der Münchner Portalanbieter Tomorrow Focus frühzeitig erkannt. Die E-Commerce-Tochter HolidayCheck kann gegen den Markttrend Umsatzzuwächse verzeichnen. Doch sind Reisebuchungen in Zeiten der Rezession tatsächlich eine verlässliche Einnahmequelle?

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„Unsere Strategie, mit dem Bereich E-Commerce ein zweites starkes Standbein aufzubauen, erweist sich in der aktuellen Situation als richtige Entscheidung“, freute sich Stefan Winners, Vorstandsvorsitzender der Tomorrow Focus AG bei Verkündung der jüngsten 9-Monatsbilanz.

Das stimmt. Stolze 27 Prozent Umsatzwachstum in dem Segment konnte das im Prime Standard gelistete Internet-Unternehmen zuletzt ausweisen. Das ist respektabel, zumal in dem gegenwärtigen Marktumfeld.

Krise im Kerngeschäft: ToFo verliert mit Inhalten Geld

Und doch ist der Anlass zur Freude begrenzt. Obwohl der Umsatz seit Januar um immerhin 9 Prozent auf nunmehr 55 Millionen Euro anzog, brach der Nettogewinn krachend ein. Nach 4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum konnte die ToFo nach Steuern, Abschreibungen und Zinsen lediglich eine Million Euro auf der Habenseite ausweisen – nicht viel für ein gewachsenes Internet-Unternehmen mit inzwischen 460 Mitarbeitern, das mit Burda als Mehrheitsaktionär einen der größten deutschen Verlage im Rücken hat.

Und selbst das reicht nicht. Das eigentliche Kerngeschäft, mit dem die Fusionspartner  Tomorrow Internet AG und Focus Digital AG einst gestartet sind, ist in die roten Zahlen gerutscht. Nach 400.000 Euro im Vorjahr musste der Münchner Content-Anbieter seit Januar im Portal-Bereich ein happiges Minus von 1,9 Millionen Euro ausweisen. Traurige Erkenntnis: Mit Inhalten von eingeführten Marken wie Focus.de, TVSpielfilm.de &Co wird im Internet weiter Geld verloren.

HolidayCheck: Bewertungsplattform mit Web 2.0-Flair, auf der direkt gebucht werden kann

Die TomorrowFocus AG firmiert noch immer als Internet-Inhalte-Anbieter seiner aus den 90er-Jahren bekannten Marken. Die Wahrheit ist jedoch: Das Unternehmen hat sich längst zum E-Commerce-Anbieter gewandelt. Mehr als zwei Drittel seiner Erlöse erwirtschaftet das Münchner Dot.com-Unternehmen mit dem Handel über das Internet.  Ein Ebitda (Erlöse vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 11 Millionen Euro vor Steuern fuhr das Segment seit Januar ein.

Das Filetstück der E-Commerce-Sparte ist die Schweizer HolidayCheck AG. Das Urlaubsportal ist eine gelungene Mischung einer Bewertungsplattform mit Web 2.0-Flair (User haben die Möglichkeit, Profile anzulegen) und einer direkten Urlaubsbuchungsplattform. Dass Online-Anbieter längst das klassische Reisebüro abgelöst haben, hat etwa Platzhirsch Expedia in den vergangenen Jahren eindrucksvoll vorgemacht.

Doch auch die ehemalige Microsoft-Tochter spürt längst den Druck des wirtschaftlichen Abschwungs. So musste das an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gelistete Unternehmen für das abgelaufene dritte Quartal erstmals seit langer Zeit wieder einen Gewinnrückgang verkraften – zwar lediglich um 5 Prozent, doch eben ein Rückgang.

Dabei hat die Rezession, die nach einhelliger Meinung der Volkswirte die schwerste der letzten Jahrzehnte werden dürfte, gerade erst begonnen. Der Reflex der strangulierten Konsumenten ist klar: Wenn gespart werden muss, dann am Verzichtbaren – wie eben dem Urlaub.

Bewertung der TomorrowFocus AG: Löwenanteil durch HolidayCheck

Insofern sollten die beachtlichen Zuwächse durch HolidayCheck keinesfalls als Lebensversicherung der TomorrowFocus AG verstanden werden. Tatsächlich jedoch scheint es die Börse derzeit so zu sehen.

Mit gerade mal 94 Millionen Euro bewerten die Märkte die Tomorrow Focus nur noch. Der Löwenanteil der Bewertung dürfte dabei HolidayCheck zugerechnet werden. Für mehr als 60 Millionen Euro gingen 2006 80 Prozent der Anteile des Urlaubsbewertungportals an die TomorrowFocus AG und BurdaVentures, die ihre Beteiligung dann die ToFo weiterreichte.

12 Millionen Euro fehlen also noch auf Basis der zwei Jahre alten Bewertung für eine Komplettübernahme. Dafür wurde nun gestern eine Kapitalerhöhung verkündet. Umfang: Der Verkauf von 4,265 Millionen junger Aktien zum für die ToFo sehr vorteilhaften Preis von 2,80 Euro an die Hubert Burda Media Holding GmbH & Co. spült eben jene 12 Millionen Euro in die Kassen.

Gesetzt, die Summe wird zum vollständigen Kauf der restlichen HolidayCheck-Anteile verwendet, würde die Schweizer Tochter damit mit mehr als 72 Millionen Euro bewertet. Im Umkehrschluss bedeutet das nichts anderes als: Andere E-Commerce-Beteiligungen wie die Online-Partnervermittlung ElitePartner.de, die schwächelnde Techniksparte und das Portalgeschäft wären zusammen lediglich 22 Millionen Euro wert.

Wenn überhaupt. Es gibt inzwischen unter Marktexperten durchaus die Meinung, Holidaycheck wäre ohne die Last der defizitären Contentsparte der ToFo alleine mehr wert als die AG zusammen.  Die Zukunft der TomorrowFocus AG, so viel steht fest,  wird längst nicht mehr im schicken München gestaltet – sondern im beschaulichen Bottighofen am Bodensee.

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