Bauer entwickelt „Welt der Weiber“

Bauer sucht Frau: Der in den vergangenen Jahren digitalscheue Großverlag werkelt an einem ehrgeizigen Internet-Projekt. Unter dem internen Codenamen „Welt der Weiber“ entwickeln die Hamburger ein Frauen-Portal, das als Dachmarke Anlaufstelle für die Leserinnen diverser Frauen-Zeitschriften und Yellows werden soll. Der Start ist für März geplant, die Objektleitung liegt bei Eva-Maria Bauch. Die 38-Jährige wirkt bei der Bauer Digital KG als General Manager Frauen, People und Food.

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Bauer sucht Frau: Der in den vergangenen Jahren digitalscheue Großverlag werkelt an einem ehrgeizigen Internet-Projekt. Unter dem internen Arbeitsbegriff „Welt der Weiber“ entwickeln die Hamburger ein Frauen-Portal, das als Dachmarke Anlaufstelle für die Leserinnen diverser Frauen-Zeitschriften und Yellows werden soll. Der Start ist für März geplant, die Objektleitung liegt bei Eva-Maria Bauch. Die 38-Jährige wirkt bei der Bauer Digital KG als General Manager Frauen, People und Food.
Dabei ist man bei Bauer nicht wirklich sorgenfrei, was die Web-Welt angeht. Die Hamburger hatten das Internet lange Zeit für die Masse ihrer Produkte komplett ignoriert, sich dann zögerlich und seit 2007 zunehmend ehrgeizig dem neuen Medium gewidmet. Doch dieses Engagement erlahmt zusehends, nachdem die hochfliegenden Vermarktungsvorgaben für die Digital-Units nicht im Ansatz erzielt werden konnten.
Derzeit werden nach MEEDIA-Informationen 17 Stellen im Bereich Sales & Marketing abgebaut. Dabei hatte es schon in den vergangenen Monaten einen schleichenden Personalabbau gegeben. Ursache ist das Minus im  Vermarktungsbereich von angeblich rund 15 Millionen Euro gegenüber dem Forecast für das laufende Jahr. Schon im April hatten Bauer-Manager eine interne „Gewinnwarnung“ herausgegeben. Doch die tatsächliche Schere zwischen Erwartungen und Erlösen erweist sich gegenüber der Frühjahrsprognose als noch fataler.
Wer den Bauer-Verlag kennt, weiß, dass in solchen Fällen nicht lange gefackelt wird. So müssen Anzeigenverkäufer, die erst vor kurzem aus bestehenden Verträgen herausgekauft wurden, nun sang- und klanglos wieder gehen. Offenbar fehlt vor allem Verleger Heinz Bauer der Glaube, dass mit dem Internet in seinem Portfolio auch auf mittlere Sicht viel Staat zu machen ist. Ohnehin konnte der Patriarch von seiner Gefolgschaft nie so richtig von den Perspektiven des Web-Business überzeugt werden. So heißt es im Verlag, Heinz Bauer habe es abgelehnt, für die bereits vergebene Webadresse Intouch.de 5.000 Euro Kaufpreis zu zahlen. Folge: Das auflagenstarke junge People-Blatt ist online nur unter Intouch-magazin.de ansteuerbar.
Wenig ambitioniert scheinen abgesehen vom geplanten Frauen-Portal und der „Wetten dass“-Kooperation mit Thomas Gottschalks Produktionsfirma Dolce Media (Wannachallenge.de) zudem die weiteren E-Projekte: die Zusammenführung der Webauftritte von „Kochen & Genießen“ und „Lecker“ sowie von „Intouch“ und „Life & Style“. Dazu noch ein interaktiver Weinführer, das war’s. Spektakuläre Zukäufe sind nicht in Sicht, seit Bauer im Pitch um Chefkoch.de gegen G+J unterlag.
Zwei Schritte vor, einen zurück: So ungefähr könnte man die Internet-Aktivitäten im Bauer-Verlag 2008 beschreiben. Strategisch ausgeklügelt mag das nicht sein. Allerdings muss man sehen, dass auch anderen Verlegern, vor allem den einst mutigen Investoren, der Spaß am Web-Geschäft vergangen zu sein scheint. Wer hier richtig liegt, werden wir wohl erst in Monaten oder Jahren wissen.
Und Bauer bleiben ja immer noch einige überaus einträgliche Websites, für deren Content Nutzer sogar zahlen. Leider sind die ganz und gar nicht jugendfrei. Im Verlag spricht man nicht gern darüber. Aber merke: Bauer kommt trotz Krise ganz gut zurecht. Sogar im Web.

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