Headhunter sucht neuen dpa-Chefredakteur

Eine Ära geht zu Ende: Nach 17 Jahren als Chefredakteur der Nachrichtenagentur Nummer eins bewegt sich Wilm Herlyn, 63, auf den Ruhestand zu. Wie MEEDIA erfuhr, ist ein namhaftes Headhunter-Unternehmen aus der Schweiz bereits diskret auf der Suche nach einem Nachfolger für den dpa-Chef. Ganz oben auf der Liste der gewünschten Qualifikationen: beste Kenntnisse im Umgang mit crossmedialen Projekten. Die dpa war zuletzt unter Druck geraten, weil mehrere Verlage erwägen, ihre Abo-Verträge zu kündigen.

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Eine Ära geht zu Ende: Nach 17 Jahren als Chefredakteur der Nachrichtenagentur Nummer eins bewegt sich Wilm Herlyn, 63, auf den Ruhestand zu. Wie MEEDIA erfuhr, ist ein namhaftes Headhunter-Unternehmen aus der Schweiz bereits diskret auf der Suche nach einem Nachfolger für den dpa-Chef. Der oder die Neue wird es nicht leicht haben. Ganz oben auf der Liste der gewünschten Qualifikationen: beste Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit crossmedialen Inhalten.
2004 musste die größte (und teuerste) Presse-Agentur die Preise deutlich senken, weil eine ganze Reihe von Medienunternehmen den Dienst abbestellt oder mit einem solchen Schritt gedroht hatte. Auch aktuell sind mehrere große Medienkonzerne, darunter die WAZ, im Begriff, auf die dpa-Belieferung zu verzichten. Deren Argument: Die Preise für die Text- und Bilderdienste seien immer noch zu hoch, die Qualität dagegen häufig eher niedrig. Bei der in vielen Pressekonzernen zu beobachtenden Tendenz zu verstärkt regionaler Berichterstattung ist die Überlegung der Geschäftsführer, auf die dpa zu verzichten, ohnehin nachvollziehbar.
Kritiker rügen bei der Deutschen Presse-Agentur auch eine komplizierte Struktur: Die Zentrale sitzt in Hamburg, der Bilderdienst in Frankfurt, die Politikredaktion in Berlin, es gibt mehr als 50 Büros. Ein Moloch, der unternehmerisch schwer zu steuern ist. Dazu lange, öde und oft inaktuelle Texte, vor allem bei den Sparten-Diensten. Der Druck der ausstiegswilligen Verlage wird aller Voraussicht nach weitere Kostenabschläge für die Bezieher der Agentur-Dienste mit sich bringen. Für Ober-Geschäftsführer Malte von Trotha dürfte es dadurch schwerer werden, die hohen Rendite-Erwartungen der Gesellschafter zu erfüllen.
Das wahre Problem der dpa ist aber das Internet. Besser gesagt: die YouTubisierung des Nachrichten-Business. Früher gingen die Agenturmeldungen fast ausschließlich an Zeitungskunden, die diese Informationen erst einen Tag später veröffentlichten. Heute ist die aktuelle dpa-Meldung Minuten später bei Spiegel Online und zig Nachrichten-Sites gratis abrufbar. Darauf können natürlich auch die Journalisten der Zeitungsverlage zugreifen, die die dpa jetzt kündigen wollen. Was die Redakteure an Informationen brauchen, suchen sie sich aus dem Netz. Für die dpa ist es juristisch kaum möglich nachzuweisen, welche Informationen aus den eigenen Texten stammen.
Der künftige dpa-Chefredakteur wird neue Wege gehen müssen. Für eine Übergangszeit, so der Plan, soll Herlyn die Redaktion gemeinsam mit seinem Nachfolger führen. Am ehesten gelänge eine Sicherung des Kundenstamms wohl durch qualitativ hochwertige Exklusiv-Storys und engagierten News-Journalismus. Ein Stamm von 800 Mitarbeitern sollte das möglich machen. Aber dafür muss der Neue den trägen Nachrichten-Tanker zum Schnellboot umfunktionieren. Wie gesagt: kein einfacher Job.

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