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„Das ist der Beginn vom Ende für ‚Capital'“

Adolf Theobald war Chefredakteur von "twen", "natur" und "Geo", Vorstand bei G+J und "Spiegel"- Geschäftsführer. 1962 war er Gründungs-Chefredakteur von "Capital". Vor zwei Tagen hat Gruner + Jahr angekündigt, allen Mitarbeitern seiner Wirtschaftsmagazine zu kündigen und die Blätter künftig gemeinsam mit der "FTD" in Hamburg zu produzieren. Im MEEDIA-Interview übt Theobald scharfe Kritik an den Plänen. Für "Capital" sei das der Anfang vom Ende.

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Wie bewerten Sie die angekündigte Zusammenfassung der G+J Wirtschaftsmagazine in einer Hamburger Zentralredaktion?

Problematisch. Zeitschriften leben von gezielter Eigenart, nicht verordneter Konformität.

Hat Sie diese Ankündigung aus dem Hause Gruner + Jahr überrascht?

Ja, sehr.

Welche Probleme oder auch Chancen sehen Sie bei einer solchen Konstruktion?

Mehr Probleme als Chancen. Synergien zwischen Redaktionen haben noch nie funktioniert. Und das ist auch gut so.

Glauben Sie, dass Medien-Marken in einer Zentralredaktion geschärft werden können?

Die Marken werden nicht geschärft, auch nicht geschliffen. Sie werden geschleift.

Hätte es Ihrer Meinung nach Alternativen zu einem solchen Konstrukt einer Zentralredaktion gegeben?

Ja, die von selbstbewussten Redaktionen mit einem klaren Ziel.

Was bedeutet dieser Schritt für „Capital“ als Traditions-Marke?

Ich befürchte: der Beginn vom Ende.

Sehen Sie die Wirtschaftspresse in Deutschland allgemein vor einer Marktbereinigung?

Ja. Aber nicht weil die journalistischen Leistungen schlecht wären, sondern weil die Verlage andere Ziele verfolgen, nämlich weg von Print.

Ist die Finanzkrise an der Misere der Wirtschaftsmedien Schuld oder gibt es noch andere Gründe?

Überhaupt nicht. In solchen Zeiten wächst doch das Bedürfnis nach wirtschaftlicher Information, eigentlich eine hohe Zeit für den Wirtschaftsjournalismus.

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