So trickste G+J den eigenen Betriebsrat aus

Es war ein harter Tag für Bernd Buchholz. Und ein noch härterer für 179 G+J-Mitarbeiter. Das ist die Zahl der Kündigungen, die der Verlag in den nächsten Wochen verschicken wird. Es war der Job des Zeitschriften-Vorstands, diese Hiobs-Botschaft dem redaktionellen Fußvolk zu überbringen. Bei dieser Aktion war der Betriebsrat nicht involviert. Die Arbeitnehmervertreter wurden überrumpelt und erfuhren durch Medienjournalisten von der Kündigungswelle. Der Schock sitzt tief, im gesamten Verlag.

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Es war ein harter Tag für Bernd Buchholz. Und ein noch härterer für 179 G+J-Mitarbeiter. Das ist die Zahl der Kündigungen, die der Verlag in den nächsten Wochen verschicken wird. Es war der Job des Zeitschriften-Vorstands, diese Hiobs-Botschaft dem redaktionellen Fußvolk zu überbringen. Hart, aber fair: Sorry, Leute. Wir konnten nicht anders, die Zeiten haben sich geändert. So weit, so schlecht. Morgen geht’s wieder aufwärts.
Für die Entlassungs-Kandidaten ist dies ein Schock. Bei „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“. Bei „Park Avenue“ und den Auslands-Titeln. Aber wie reagieren die restlichen 2300 Verlagsangestellten? Eilig bemühte sich der Verlag, die „Portfolio-Bereinigung“ für beendet zu erklären. Ist es wirklich so einfach? Für die langjährigen G+J-ler sind die heutigen Nachrichten von der Personalfront gleichbedeutend mit einer psychologischen Entwurzelung. Alles, was bisher als sicher und berechenbar galt, scheint außer Kraft gesetzt. Der Vertrauensverlust dürfte Narben hinterlassen, auch auf treuesten Seelen.
Und egal, was man von der Betrieblichen Mitbestimmung im Allgemeinen und dem eigenen Betriebsrat im Besonderen hält: Darf es sich ein Großverlag so einfach machen, dass die gewählten Arbeitnehmer über Medienjournalisten von Massenentlassungen erfahren? Ein Betriebsratsmitlied dazu: „Es tritt das ein, was wir intern schon haben kommen sehen. Der Verlag entledigt sich einer Vielzahl von Mitarbeitern, ohne den Betriebsrat auch nur anzuhören.“ Der von MEEDIA schon vor Wochen diagnostizierte Paradigmenwechsel in der Unternehmenskultur von Gruner + Jahr: Spätestens jetzt ist er spürbare Realität.
Dabei trickste der Vorstand offenbar auch den Konzern-Betriebsrat aus: Die Verlautbarung der Entlassungen und der Einstellung von „Park Avenue“ sowie zwei ausländischen Titeln hatte man wohl deshalb auf den 19. November gelegt, weil dies in Sachsen (dem Sitz des Konzernbetriebsrates) ein Feiertag ist. Dieses Gremium hätte über die Maßnahmen bei den Wirtschaftstiteln vorab informiert werden müssen. Pech, dass kein Betriebsratsmitglied im Büro war…
Eine Übertölpelungs-Taktik, die sich als Bumerang erweisen könnte. Denn die Kündigungen stehen rechtlich auf tönernen Füßen. Sicherlich werden die Verlagsanwälte im Fall der Wirtschaftsmedien argumentieren, dass es sich um eine unternehmerische Entscheidung gehandelt habe und die Aufgabe der Standorte Köln und München mit der dadurch bedingten Entlassung des Personals formal einer Betriebs-Schließung gleichkäme. Da G+J die Magazine aber weiter verlegt, können die Gekündigten argumentieren, dass an ihrer Stelle Kollegen vom „Stern“ oder der „Brigitte“ hätten entlassen werden müssen. Immer streng nach der gesetzlich vorgeschriebenen „Sozialen Auswahl“.
Bleibt abzuwarten, wie die Beschäftigten reagieren. Die Portfolio-Bereinigung mag abgeschlossen sein. In trockenen Tüchern ist sie noch nicht.

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