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„Dumpinglöhne“ für Wirtschaftsredakteure

Auf scharfe Kritik stoßen die bei Gruner + Jahr geplanten Umstrukturierungen beim Deutschen Journalisten-Verband. DJV-Sprecher Hendrik Zörner äußerte sich gegenüber MEEDIA zum Sparpaket, zur geplanten Gründung einer Service GmbH bei den Wirtschaftsmedien und zu rechtlichen Konsequenzen. Die Kündigungswelle könne "ein Verstoß gegen das Betriebs-Verfassungsgesetz" sein. Der Verband befürchtet zudem, dass die Service GmbH "Dumpinglöhne" zahlen werde.

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Erreicht die Medienkrise mit der Kündigungswelle bei G+J gerade ihren Höhepunkt? Oder wird es noch schlimmer?

Ob es eine Medienkrise ist, wird sich erst noch zeigen. Auf jeden Fall haben zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften zum Teil drastische Einbußen bei den Anzeigenaufträgen hinzunehmen. Was noch alles kommen wird, lässt sich zurzeit nicht sagen. Die Kündigung erfahrener und hoch qualifizierter Journalisten kann nur die ultima ratio sein. Sonst leidet die Qualität der Blätter.

Was halten Sie von der Gründung einer Servicegesellschaft, in der sich entlassene Wirtschaftsredakteure neu bewerben müssen?

Davon ist überhaupt nichts zu halten. Es ist zu befürchten, dass diese Gesellschaft nicht an die geltenden Tarifverträge gebunden ist und die Redakteure zu Dumpinglöhnen arbeiten sollen. Das wäre für uns nicht hinnehmbar. Von einem Medienunternehmen wie Gruner+Jahr erwarten wir sozial verträgliche Lösungen.

Wird dieses Modell die Runde machen?

Nein, denn auf Dauer kann eine Gesellschaft nicht erfolgreich arbeiten, die unter Dauerbeschuss der Gewerkschaften steht. Wir würden deutlich machen, dass einer der renommiertesten europäischen Medienverlage mit Dumpingmethoden arbeitet, um die Renditeziele seines Eigentümers Bertelsmann zu erreichen.

Sind die Zeiten der Wirtschaftstitel in den Zeiten der Wirtschaftskrise vorbei?

Das Gegenteil müsste der Fall sein. Das Interesse vieler Menschen an kritisch recherchierten Wirtschaftsnachrichten ist in dieser Zeit besonders hoch. Das beweisen die Zugriffe auf die Onlineangebote der Wirtschaftsblätter.

Werden Sie auf das Übergehen des Betriebsrates bei den Massenentlassungen reagieren?

Zunächst muss Klarheit darüber herrschen, was das Unternehmen wirklich will. Hier gibt es bislang widersprüchliche Aussagen. Bislang fehlt ein offizielles Statement von Gruner+Jahr zu der angeblich zu gründenden Redaktionsgesellschaft. Eine andere Version lautet, die Betroffenen sollten bei der FTD-Redaktions-GmbH angestellt werden, die nicht tarifgebunden sei.

Gibt es rechtliche Maßnahmen, die Sie bei G+J-Entlassungen einleiten?

Wenn der Betriebsrat nicht ausreichend beteiligt ist, kann ein Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz vorliegen.

Was werden Sie im Fall Gruner+Jahr unternehmen?

Um diese Frage klar zu beantworten, benötigen wir noch mehr Informationen. Das ist im Moment noch zu früh.

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