Yahoo: Die Börse feiert Jerry Yangs Rücktritt

Der Tag nach dem Rücktritt des Yahoo-Vorstandsvorsitzenden Jerry Yang: Die Wall Street jubelt. Mit einem Kursplus von fast zehn Prozent reagierten Börsianer auf den angekündigten Führungswechsel beim schwächelnden Internet-Portal. Während US-Medien Yang eine lange Liste an Verfehlungen vorhalten, sind unterdessen die Spekulationen über seine Nachfolge ausgebrochen. Wer kommt dafür überhaupt in Frage? Und wird der neue CEO die Übernahme-Gespräche mit Microsoft wieder aufnehmen?

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An den Aktienmärkten ist kein Platz für Nostalgie. Im Gegenteil: Mit einem kräftigen Kursplus von fast 10 Prozent reagierten Börsianer auf den angekündigten Rücktritt des Yahoo-Gründers Jerry Yang. Die Spekulationen überschlagen sich daraufhin heute in den US-Medien: Warum scheiterte Yang wirklich? Wird der Nachfolger die Gespräche mit Microsoft wieder aufnehmen? Und wer kommt dafür überhaupt in Frage?

Das vom ehemaligen Internet-Star-Analysten Henry Blogdet gegründete Branchenportal „Silicon Alley Insider“ brachte bereits so illustre Namen wie den Juniper-CEO Kevin Johnson, Gawker-Gründer Nick Denton oder NewsCorp.-COO Peter Chernin ins Spiel. Nach einer Userumfrage halten die Alley-Leser indes Tim Armstrong von Google für den wahrscheinlichsten Nachfolge-Kandidaten.

„Tech Crunch“-Gründer Michael Arrington würdigte unterdessen Yangs Standfestigkeit, Yahoos Unabhängigkeit um jeden Preis erhalten zu wollen. Um den 40-Jährigen dann im selben Atemzug in seiner Rolle als Vorstandsvorsitzenden zu kritisieren: „Was Aktionäre und Mitarbeiter brauchen, ist ein CEO, der offenkundig einen Plan hat“.

Das Klatschportal „Valleywag“ geht mit Yang noch härter ins Gericht: Unter dem vielsagenden Titel „Jerry Yang und der Mythos des Gründers“ zieht Starblogger Owen Thomas Parallelen zum Rauswurf von Steve Jobs Mitte der 80er-Jahre und kommt zu dem Schluss: „Es wäre zu seinem Besten, wenn sich Yahoo ganz von Yang trennt, so wie Apple damals von Jobs. So hätte er zumindest die Chance, sich selbst zu beweisen. Vielleicht leidet sein Golf-Handicap darunter, vielleicht wird er schlaflose Nächte haben. Doch wie heißt es so schön: Gerade in Krisenzeiten werden die besten Unternehmen geboren.“

Silicon Alley Insider geht mit dem Online-Pionier weniger hämisch ins Gericht und weist unterdessen darauf hin, dass die durch Yang verursachte Belastung Yahoo nicht die 32 Milliarden Dollar in der Börsenbewertung gekostet habe – der Niedergang des Papiers sei nämlich ebenfalls dem Missmanagement des Vorgängers Terry Semel, Googles Erfolg und der Finanzmarktkrise geschuldet. Der heutige Kurssprung im Gegenwert von knapp zwei Milliarden Dollar sei daher die einzige realistische Einschätzung des Yang-Discounts.

Yahoo-Aktionären dürfte die kleine Kursrallye dennoch wenig Anlass zur Freude bieten: Die Aktie notiert nunmehr bei 12 Dollar. Im laufenden Börsenjahr hat das Papier damit 50 Prozent an Wert verloren. Seit der ausgeschlagenen Microsoft-Offerte, die bei 33 Dollar je Anteilsschein gelegen hatte, sind es gar fast zwei Drittel.

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