„SZ“: Personalabbau wird zur Hängepartie

Ratlosigkeit bei den Mitarbeitern der "Süddeutschen Zeitung": Die mit Spannung erwartete Betriebsversammlung am Dienstag war wenig erhellend. Geschäftsführer Karl Ulrich machte keine Angaben über das Ausmaß des Stellenabbaus in Redaktion und Verlag. "Die rücken nicht raus mit den Zahlen", erklärte der stellvertretende Betriebsratschef Ralf Settmacher gegenüber MEEDIA, "das schürt Unruhe." Immerhin: Auf Kündigungen soll vorerst verzichtet werden.

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„Der Geschäftsführer sagte lediglich, dass es beim derzeitigen Stand der Dinge, keine betriebsbedingten Kündigungen geben würde.“ Nun liegt es an Redakteuren und Verlagsangestellten. Wer freiwillig geht, bekommt eine entsprechende Abfindung. Es folgen redaktionsinterne Gespräche, in denen man versucht, den Stellenabbau sozialverträglich durchzuführen. Unklar ist, wieviele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz freiwillig räumen müssen, damit die Kostenziele der Geschäftsführung erreicht werden. „Bei einem Tendenzbetrieb ist die Geschäftsführung nicht verpflichtet, über die wirtschaftliche Lage Auskunft zu geben“, erklärt Settmacher. Ulrich habe bestätigt, dass Honorar- und Reisekosten pauschal um rund 20 Prozent bespart werden sollen.

Das war es dann aber auch schon. Am Mittwochmorgen trafen sich Betriebsrat und Personalleitung zu ersten Gesprächen. Settmacher: „Zahlen über Einsparungen von angeblich 15 Millionen Euro kenne ich nur aus den Medien.“ Es gebe nichts Konkretes und auch keinen Zeitplan. Entsprechend diffus ist auch die Stimmungslage im Haus. Viele Mitarbeiter laborieren mental noch an den Folgen des Umzugs aus der City in ein Gewerbegebiet, andere fühlen sich nach dem massiven Personalabbau vor sechs Jahren krisengestählt und nehmen die Lage achselzuckend zur Kenntnis. Settmacher glaubt, „dass es noch Wochen dauern wird, bis wir Klarheit haben.“

Erste Zahlen hatten Ende letzter Woche die Runde gemacht: Demnach sollten angeblich 15 Millionen Euro eingespart werden bzw. 20 Prozent der Ausgaben gesenkt. „Diese Summen sind laut Geschäftsführung definitiv zu hoch gegriffen“, sagte Settmacher bereits vor der Betriebsversammlung. Von 15 Millionen könne keine Rede sein, habe ihm der Vorstand versichert. Doch dass die Sparmaßnahmen auch die Redaktion treffen würde, galt bereits in der vergangenen Woche als sicher.

In einer E-Mail bereitete ein Ressort-Leiter der „SZ“ seine Mitarbeiter auf die bevorstehenden Ereignisse vor: „Klar muss dabei sein: Der Stellenabbau ist unvermeidlich. Gelingt es der Redaktion nicht, diesen selber zu organisieren, wird der Verlag dies übernehmen – mit unabsehbaren Folgen für die Qualität des Blattes.“ Mitarbeitern, die bereit sind, freiwillig auszuscheiden, solle eine Abfindung angeboten werden.

Schuld an der wirtschaftlichen Situation ist der dramatische Einbruch der Anzeigenverkäufe. 60 Prozent der Erlöse generiert das Blatt aus Werbeeinnahmen. Seit Mai habe sich das Werbegeschäft verschlechtert und im September sei es vollständig eingebrochen, erklärte Vorstandschef Karl Ulrich bereits auf den Münchener Medientagen. Anzeigenverkäufer müssten bis zu fünfzig Telefonate führen, ehe sie auch nur einen Kunden gewinnen, klagte Ulrich. Er sprach damals von einer „Krise mit Ankündigung“. Das jetzt beschlossene Sparpaket soll retten, was noch zu retten ist.

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