G+J-Schock: Kündigung für 121 Mitarbeiter

Die Mitarbeiter der G+J-Wirtschaftsmagazine hatten Schlimmes befürchtet. Dass, was Vorstand Bernd Buchholz verkündete, übertraf alle Erwartungen: Allen 121 Beschäftigten bei "Capital", "Impulse" und "Börse Online" wird gekündigt, die Standorte Köln und München aufgegeben. In Hamburg entsteht unter Leitung von FTD-Chef Steffen Klusmann eine Zentralredaktion in einer noch zu gründenden GmbH, bei der sich Entlassene zu schlechteren Bedingungen bewerben können (siehe auch G+J-Meldung unten).

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Die Finanzmarktkrise trifft die Finanztitel. Der Hamburger Verlag G+J gab heute Nachmittag bekannt, seine Wirtschaftsmarken „Capital“, „Impulse“, „Börse Online“ und die „FTD“ ab März 2009 in einer Zentralredaktion in Hamburg zu bündeln.  Ähnlich wie bei Springers „Welt“-Gruppe in Berlin entsteht in der Hansestadt ein Chefredakteurskollegium unter der Leitung von FTD-Chef Steffen Klusmann – und offenbar ein gigantischer „Newsroom“.

Ursula Weidenfeld, die Chefredakteurin von „Impulse“, Stefanie Burgmaier von „Börse Online“ und der noch zu bestimmende Nachfolger von „Capital“-Macher Klaus Schweinsberg behalten zwar die inhaltliche Verantwortung für ihre Marken, sind jedoch ab sofort Klusmann unterstellt. Bislang verteilten sich die vier Wirtschaftstitel des Verlagshauses auf die Standorte Köln („Capital“ und „Impulse“), München („Börse Online“) und Hamburg („FTD“).

Harter Einschnitt: Mehr als 60 Stellenstreichungen, aber 121 Kündigungen
 
Verbunden ist die Umstrukturierung allerdings mit empfindlichen Einbußen: Mehr als 60 Stellen sollen nach Verlagsangaben wegfallen. „Die Maßnahme stellt für viele Mitarbeiter einen harten Schnitt dar. Dieser ist aber unausweichlich, um allen Titeln des G+J-Wirtschaftsportfolios Ausbau- und Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen“, erklärte Ingrid M. Haas, Verlagsgeschäftsführerin G+J Wirtschaftsmedien.

Tatsächlich fällt der Aderlass jedoch um einiges härter aus, als nach außen hin kommuniziert. Nach MEEDIA-Informationen wird G+J nämlich im Zuge der Umstrukturierungsmaßnahmen 121 Stellen betriebsbedingt kündigen: 48 bei „Capital“, 45 bei „Börse Online“, 18 bei „Impulse“ sowie 10 Stellen bei der FTD. Die gekündigten Mitarbeiter können sich für die Zentralredaktion in Hamburg neu bewerben – jedoch offenbar zu schlechteren Bedingungen.

„Jetzt tritt ein, was wir intern schon haben kommen sehen“, hieß es dazu aus Betriebsratskreisen. „Auf diese Weise entledigen sich G+J von zwei Dritteln ihrer Beschäftigten, ohne den Betriebsrat mit einzubeziehen.“

G+J-Wirtschaftsmedien: Rückläufige Auflagenentwicklung
 
Der Verlag sieht sich mit der Maßnahme unterdessen gut für die Krise gerüstet. „Auch in der aktuellen und noch vor uns liegenden krisenhaften Gesamtsituation glauben wir an das Potential und die positive Perspektive unserer Wirtschaftsmedien. Wir wollen die starken Marken unseres Wirtschaftsportfolios dauerhaft und krisensicher als Qualitätsmedien führen“, erklärt Dr. Bernd Buchholz, G+J-Vorstand und Leiter G+J Deutschland.
 
Die Maßnahme kommt nicht von ungefähr: Die Auflagenentwicklung aller drei von den Umzugsplänen betroffenen Titel ist seit Jahren rückläufig. „Impulse“ verlor in den vergangenen fünf Jahren neun Prozent im Gesamtverkauf (Einzelverkauf: minus vier Prozent).
 
„Capital“ büsste im Gesamtverkauf zwar nur drei Prozent ein, steigerte in den letzten fünf Jahren jedoch seine sonstigen Verkäufe um 15 Prozent, um sein 25 Prozent-Minus beim Einzelverkauf auszugleichen. Auch „Börse Online“ präsentiert ähnlich schlechte Zahlen. Der Gesamtverkauf verzeichnet ein Minus von sechs Prozent und der Einzelverkauf von minus 20 Prozent. Einziges Plus im Fünf-Jahres-Trend: Die sonstigen Verkäufe mit 23 Prozent.

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