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Wird Montgomerys Mecom zum ‚Fall Opel‘?

Nach außen ist man bemüht, die Fassade des Business as usual aufrecht zu erhalten. Dass David Montgomery den Aufsichtsrats-Vorsitz bei der MECOM abgibt, um sich stärker ums operative Geschäft zu kümmern, sei seit langem geplant und von allen Gremien gebilligt. Auch dass ein Headhunter engagiert wurde, um nach einem geeigneten Kandidaten zu suchen, sei ein ganz normaler Vorgang. Doch bei der MECOM ist nichts normal in diesem Jahr. Insider befürchten bereits einen „Fall Opel“ in der Medienbranche.

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Nach außen ist bemüht, die Fassade des Business as usual aufrecht zu erhalten. Dass David Montgomery den Aufsichtsrats-Vorsitz bei der MECOM abgibt, um sich stärker ums operative Geschäft zu kümmern, sei seit langem geplant und von allen Gremien gebilligt. Auch dass ein Headhunter engagiert wurde, um nach einem geeigneten Kandidaten zu suchen, sei ein ganz normaler Vorgang. Doch bei der MECOM ist nichts normal in diesem Jahr. Insider befürchten bereits einen „Fall Opel“ in der Medienbranche.

Die Geschäfte laufen schlecht, im Ausland noch deutlich schlechter als bei den deutschen Blättern („Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“, „Hamburger Morgenpost“). Nach etlichen Sparrunden bei den Titeln scheint das Schröpfungs-Potenzial ausgeschöpft. Und die Werbekrise trifft den Zeitungs-Multi, dessen Erlöse zu 60 Prozent aus dem Anzeigengeschäft kommen, noch brutaler als andere Medienhäuser. Am schlimmsten aber ist die Schuldenlast: Fast 680 Millionen Euro Fremdgeld hat Montgomery in diesem Jahr aufgenommen, um weiter zu wachsen. Ein ganz schlechtes Timing, das langsam existenzbedrohende Ausmaße annimmt.

Insider machen sich bereits Sorgen, ob der MECOM in naher Zukunft das Geld ausgehen könnte. Ein Fall Opel im Mediengeschäft, nur ohne Hoffnung auf staatliche Hilfe. Deshalb werten Branchenkenner den Wechsel im Aufsichtsrat der britischen Holding als Alarmzeichen. Banken und Kapitalgeber erhöhen den Druck auf den Konzern-Chef, das Ruder herumzureißen, wenn er das Vertrauen der Geldgeber nicht vollends verlieren will.

Wo aber ist der Ausweg? Die MECOM-Aktie hat in diesem Jahr 97 Prozent ihres Wertes eingebüßt; der Wert des Unternehmens wird von der britischen „Times“ auf nur mehr 32 Millionen Euro taxiert. Verglichen mit einer Verschuldung, die zum Jahresende bei rund 650 Millionen Euro liegen dürfte, eine dramatische Schieflage. Der inzwischen schon natürliche Spar-Reflex, mit dem der Konzern gegensteuerte, löste in der Branche Kopfschütteln aus: Bis Jahresende verhängte etwa der deutsche Geschäftsführer Josef Depenbrock einen Spesen- und Dienstreise-Stopp, der extern als „Recherche-Stopp“ für die Redaktionen die Runde machte.

Was immer dabei eingespart wird, aus Sicht der MECOM kann dies nur Ergebnis-Kosmetik für ein verkorkstes Wirtschaftsjahr sein. Existenzielle Bedeutung dürfte es eher haben, ob es Montgomery in seiner neuen Rolle als Feuerwehrmann gelingen wird, das erst vor kurzem erworbene profitable norwegische Titel-Paket zu verkaufen. Interessenten gab es, aber bei Montgomerys Forderung von 350 Millionen Euro winkten alle dankend ab.

Für die MECOM, die der 59-Jährige erst 2002 gegründet hat, dürfte es in den kommenden Monaten ganz eng werden. Viele der über 300 Titel (Wochenauflage 30 Millionen Exemplare) in ganz Europa leiden unter den Folgen der Krise. Und was sagt Montgomery selbst? „Wir sind zuversichtlich, dass unser operatives Modell das richtige ist.“ Optimismus klingt anders…

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