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VDZ: Scharfe Kritik an Papier-Preiserhöhung

Es herrschen Angst und Aufruhr in der Branche. Die Finanzkrise, das einbrechende Werbegeschäft und die digitale Konkurrenz stellen riesige Herausforderungen an Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Nun hat auch noch die Papierindustrie drastische Preiserhöhungen angekündigt. Doch auf der Tagung des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) gab sich deren Präsident, Hubert Burda, optimistisch und nannte Zeitschriften "Grundnahrungsmittel".

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Zum Auftakt der zweitägigen Versammlung in Berlin sagte Burda: „Medien und damit auch Zeitschriften stellen allen Unkenrufen zum Trotz noch immer ein Grundnahrungsmittel in unserer Gesellschaft dar. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“ Allerdings bräuchten die Verlage Raum zur wirtschaftlichen Entfaltung; der sei jedoch durch ordnungspolitische Einschränkungen gefährdet.

Von zu starker Regulierung insbesondere durch die EU-Zentrale warnte Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des „Stern“, bei der großen Podiumsdiskussion. Er kritisierte die bereits jetzt vorhandene Beeinträchtigung der Presse: „Zensuren, Werbeverbote und Einflussnahmen bis hin zu redaktionellen Inhalten gefährden die Pressefreiheit.“

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle wandte sich ebenfalls gegen die weitere Einschränkung der Pressefreiheit: „Die Presse ist unter einen besonderen gesetzlichen Schutz gestellt. Derzeit beobachten wir jedoch einen schleichenden Abbau der Pressefreiheit, mit der auch eine Gefährdung der Meinungsvielfalt einhergeht.“ Zudem kritisierte Westerwelle geplante Werbeverbote: „Ein erlaubtes Produkt muss auch beworben werden können.“

Von Rolf-Dieter Lafrenz, einem Partner der Hamburger Unternehmensberatung Schickler, mussten sich die deutschen Print-Verleger eine Rüge erteilen lassen: Lafrenz konstatierte ihnen Nachholbedarf beim Management ihrer Vermarktungsorganisation. Die Top-Manager sollten sich selber um das Thema kümmern, statt die Aufgaben einfach zu delegieren.

Telekom-Chef René Obermann nutzte die Gelegenheit, angesichts der Bespitzelungsaffäre noch einmal Besserung zu geloben: „Wir bekennen uns zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Datenschutz. Der PC ist für uns der Inbegriff der Privatsphäre. Hier sind wir in hohem Maße sensibiliert.“ Den Verlegern bot er an, bei den neuen digitalen Geschäftsfeldern zusammenzuarbeiten. Die Telekom selbst sehe sich nicht als Produzent von Inhalten: „Wir sind kein Medienhaus, sondern verstehen uns vielmehr als Systemintegrator. Sie, die Verlage und Medienhäuser mit ihrer unabhängigen Recherche, sind ein Leistungsversprechen an die Konsumenten.“

Mit scharfer Kritik reagierte der VDZ auf die Ankündigung der Industrie, die Papierpreise um 20 Prozent anzuheben. „Eine solche Maßnahme, die durch nichts gerechtfertigt ist, wäre das falsche Signal zur falschen Zeit“, sagte VDZ-Präsident Burda. „Letztlich schaden sich die Papierhersteller mit einer solch unverhältnismäßigen Preiserhöhung nur selbst“

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